Endometriose

Definition

Definition_endometrioseDie Endometriose ist eine gynäkologische Krankheit, von welcher Frauen im gebärfähigen Alter vor allem zwischen 25 und 40 Jahren betroffen sind.
Obwohl die Ursachen von Endometriose nicht vollständig bekannt sind, weiss man, dass der Menstruationszyklus das Auftreten einer Endometriose aufgrund hormoneller Schwankungen beeinflussen kann.


Bei der Endometriose siedelt sich die Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter an.

Zur Präzisierung: Die Gebärmutter ist mit einer Schleimhaut, Endometrium genannt, ausgekleidet, die bei einer Befruchtung die Einnistung einer befruchteten Eizelle möglich macht. Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, wird das Endometrium unter Mitwirkung der Hormone abgebaut und ausgeschieden und führt so zu den monatlichen Blutungen (Menstruation).

Die Endometriose kann medikamentös oder chirurgisch behandelt werden. Dies hängt auch davon ab, ob (noch) ein Kinderwunsch besteht. Für jede Frau gibt es eine individuelle Problemlösung

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Die Endometriose ist kein Krebs und erhöht das Risiko, an einem Gebärmutterkrebs oder an einem anderen Krebs zu erkranken, nicht.

Epidemiologie

Die Erhebung epidemiologischer Informationen zu Endometriose ist erschwert, weil diese Erkrankung nicht immer typische Symptome aufweist und oft asymptomatisch auftritt (ohne Symptome).


Dennoch geht man davon aus, dass 10 bis 15 % der Frauen im gebärfähigen Alter von dieser Erkrankung betroffen sind. Insgesamt leiden innerhalb der weiblichen Bevölkerung 5 bis 10 % der Frauen an Endometriose.

Manche Studien zeigen, dass 50 % der Endometriose-Patientinnen Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden oder von Unfruchtbarkeit betroffen sind.

Eine Studie, die vom New Brigham and Women’s Hospital in den USA durchgeführt wurde, hat nachgewiesen, dass Endometriose-Patientinnen mehrheitlich nicht von Unfruchtbarkeit betroffen sind, obwohl sie im Vergleich mit Frauen, die nicht an Endometriose leiden, ein höheres Unfruchtbarkeitsrisiko haben.
Diese Studie, in deren Rahmen die Daten von mehr als 58’000 Frauen analysiert wurden, wurde im Mai 2016 in der Online-Version der Fachzeitschrift Human Reproduction veröffentlicht.
Außerdem gelangt diese Studie zu dem Ergebnis, dass der in früheren Studien üblicherweise angegebene Prozentsatz an Endometriose-Patientinnen, die gleichzeitig von Unfruchtbarkeit betroffen sind, zu hoch ist, in der Größenordnung eines Faktors 2.

Darüber hinaus sollen mehr hellhäutige Frauen von Endometriose betroffen sein als schwarze oder asiatische Frauen.

Ursachen

Wie im Abschnitt Definition von Endometriose erwähnt, ist die Ursache dieser Erkrankung nicht vollständig bekannt.

Zur Entstehung der Endometriose gibt es verschiedene Theorien. Es wird angenommen, dass durch die Regelblutung Endometriumzellen aus der Gebärmutter, z.B. in die Eileiter, verschleppt werden und sich an verschiedenen Organen ansiedeln und Zysten bilden können:

– am Gebärmuttermuskel (Fall eines Adenomyoms)
– an den Eierstöcken
– am Bauchfell und am Darm (eher selten)

Diese Überreste, genauso wie die gesamte Gebärmutterschleimhaut, die auf hormonolle Schwankungen im weiblichen Körper reagieren, entstehen durch Östrogene und Progesterone. Wenn die Hormonwerte sinken, fliessen diese Überreste während der Menstruation als But ab. Dies erklärt die starken Blutungen einer Frau, die von Endometriose betroffen ist.

endometriose_ursachenDie Endometrioseteilchen können jedoch auch schlecht abfliessen (weil sie sich ausserhalb der Gebärmutter befinden), und aus diesem Grund Reizungen und Schmerzen.

Französische Forscher haben 2013 eine Variante eines Gens gefunden. Wenn diese Variante im Genom vorhanden ist, erhöht sich das Risiko, an einer Endometriose zu leiden, um das 6-bis 7-fache.

Es steht dennoch fest, dass diese Teilchen der Gebärmutterschleimhaut auf Östrogene reagieren. Dieser Hormonwert ist bei Frauen zwischen dem 25. und 40.Lebensjahr von grosser Bedeutung. Deshalb sind Frauen dieser Altersklasse anfällig auf Endometriose.

Es gibt verschiedene Behandlungsstrategien bei Endometriose.

Eine Studie, die im März 2010 in der amerikanischen Zeitschrift „Human reproduction“ erschienen ist, hat eine klare Verbindung zwischen der Ernährung und der Endometriose gezeigt. Frauen, die hauptsächlich Omega-3-Fettsäuren konsumierten, hatten ein 22% vermindertes Risiko an einer Endometriose zu erkranken. Frauen, die vor allem schlechte Fette (Trans-Fettsäuren) einnahmen, hatten hingegen ein 48% erhöhtes Risiko eine Endometriose zu entwickeln. Diese Studie dauerte 12 Jahre und wurde mit 70’000 Frauen durchgeführt.
Sehr wahrscheinlich beeinflussen genetische Faktoren das Auftreten einer Endometriose. Man weiss, dass die Wahrscheinlichkeit an einer Endometriose zu erkranken von 1 auf 7% steigt, wenn bereits nahe Verwandte an diesem Leiden erkrankt sind. Forscher der Universität Oxford (England), vom Forschungsinstitut Queensland in Australien und Harvard (USA) haben 2 Chromosomen identifiziert, die mit der Entstehung einer Endometriose zusammenhangen (auf den Chromosomen 1 und 7).

Risikopersonen

Wie im Abschnitt Ursachen der Endometriose erwähnt, reagieren die überflüssigen Schleimhautteilchen sowie die gesamte Gebärmutterschleimhaut auf die Werte der weiblichen Hormone (Östrogene), indem sie sich während dem weiblichen Menstruationszyklus vermehren und Blutungen hervorrufen.

Frauen zwischen 25 und 40 Jahren haben während den fruchtbaren Tagen einen hohen Östrogenwert. Deshalb sind überwiegend Personen dieser Altersklasse von Endometriose betroffen.

Symptome

Eine Endometriose kann asymptomatisch sein oder die auftretenden Symptome können von einer Frau zur anderen sehr unterschiedlich sein, was eine Diagnose erschwert.

Die Hauptsymptome im Falle einer Endometriose sind Schmerzen und Unfruchtbarkeit:
– Schmerzen während der Menstruation (Periode) oder starke prämenstruelle Beschwerden
– Schmerzen während dem Eisprung
– Schmerzen während oder nach Geschlechtsverkehr
– Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
– Schmerzen beim Einführen eines Tampons

Die Ablagerung der Gebärmutterschleimhaut auf verschiedene Organe erklärt die unterschiedlichen Arten von Schmerzen. Die Intensität der Schmerzen ist nicht zwingend mit der Intensität der Erkrankung zu verbinden, kann jedoch je nach Person unterschiedlich sein. So hat eine Frau, die an einer fortgeschrittenen Endometriose leidet, vielleicht keine Schmerzen, was manchmal eine Diagnose erschwert. Treten Schmerzen jedoch einmal auf, verstärken sie sich und können gelegentlich unerträglich werden.
Die Symptome der Endometriose können auftreten:
–          Vor oder während der Menstruation
–          Zwischen zweier Menstruationen
–          Während oder nach einem Geschlechtsverkehr
–          Während dem Wasserlassen

Unfruchtbarkeit ist häufig eine Ursache, die das Stellen einer Diagnose vereinfacht. Tatsächlich bemerken einige Frauen die Erkrankung nicht, ausser, wenn sie nicht schwanger werden können. Erst nach mehreren erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden und durch negative Fruchtbarkeitstests, die auf eine Endometriose hinweisen können, wird diese Erkrankung entdeckt.

Diagnose

Je früher die Krankheit festgestellt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Leider wird die Endometriose oft erst spät diagnostiziert: In der Regel 7 Jahre nach dem Beginn. Diese Krankheit kann zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Sterilität entdeckt werden.

Die Diagnose einer Endometriose wird in mehreren Schritten gestellt:

1. Anamnese: Der Arzt stellt der Patientin Fragen. Die Beschreibung der Symptome können den Arzt auf den Verdacht einer  Endometriose hinweisen (Schmerzen, Unfruchtbarkeit).

2. Gynäkologische Untersuchung: Der Frauenarzt wird den Bereich der Gebärmutter und der Vagina abtasten.

3. Ultraschalluntersuchung: Mit Hilfe eines Ultraschallbildes wird festgestellt, ob sich die Gebärmutterschleimhaut verlagert hat.

4. Bauchhöhlenspiegelung: Dies erleichtert es, eine Diagnose zu stellen und die verlagerte Schleimhaut zu entfernen.

Bei einer Bauchhöhlenspiegelung führt der Arzt im Bereich des Bauchnabels ein Endoskop ein, mit Hilfe dessen er die Bauchhöhle untersuchen kann. Es werden ebenfalls Geräte in den unteren Bauchbereich eingeführt, um die inneren Organe zu untersuchen, Proben der Schleimhaut zu entnehmen sowie die vereinzelten Endometrioseherde mit Hilfe eines Lasers oder durch einen Elektrostrom zu zerstören.

5. Es gibt seit einiger Zeit genetische Untersuchungen, die vor der Pubertät oder zu anderen Zeitpunkten durchgeführt werden, wenn der Arzt es als notwendig erachtet. Diese Tests bestimmen genetische Varianten, die das Risiko erhöhen, unter dieser Krankheit zu leiden. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Komplikationen

Durch die Ablagerungen der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter, im Bereich der Eileiter, der Eierstöcke oder des Bauchfelles wird die Fruchtbarkeit der betroffenen Frau beeinträchtigt.

Tatsache ist, dass im Falle einer Endometriose:
– beim Geschlechtsverkehr starke Schmerzen auftreten können.
– sich durch die Verlagerung von Gebärmutterschleimhaut Zysten bilden, die die Fruchtbarkeit negativ beeinträchtigen können.
– durch die Verlagerung von Gebärmutterschleimhaut die Einnistung eines befruchteten Eis verhindert werden kann.

Folglich sollte man im Falle von häufigen erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, ebenfalls eine Endometriose in Betracht ziehen. Je schneller die Krankheit behandelt wird, desto grösser stehen die Erfolgschancen, schwanger werden zu können.

Frauen, die an einer Endometriose leiden, können ein Endometriom (eine Art Eierstockzyste) entwickeln.

Behandlung

Wie im Abschnitt ‘Definition der Endometriose’ erwähnt, hängt die Behandlung dieser Erkrankung vom therapeutischen Ziel, das man anstrebt, ab: Schmerzen unterdrücken, Unfruchtbarkeit behandeln oder einen Rückfall verhindern. Bei einer Frau, die nicht mehr schwanger werden will, kann man eine Entfernung der Gebärmutter in Betracht ziehen, was bei einer Frau mit Kinderwunsch natürlich nicht in Frage käme. Bei einer Frau hingegen, die sich der Menopause nähert, würde man nicht zwingenderweise eine Entfernung der Gebärmutter vornehmen, weil die Östrogenwerte mit der Menopause sowieso natürlicherweise abnehmen. Die Schmerzen werden dann mit Hilfe von Schmerzmitteln oder Entzündungshemmern gelindert.

1. Behandlung der Schmerzen

Behandlung_endometrioseDie Einnahme von Schmerzmitteln, Entzündungshemmern oder der Anti-Baby-Pille helfen, die Schmerzen zu lindern. Die Endometrioseherde (wie auch die gesamte Gebärmutterschleimhaut), die auf hormonolle Schwankungen im weiblichen Körper reagieren, werden so auf die in der Anti-Baby-Pille enthaltenen Hormone reagieren. Dies wird eine Verminderung der Schmerzen und Blutungen zur Folge haben, jedoch ohne definitive Heilung der Endometriose. Wird die Einnahme der Anti-Baby-Pille, der Schmerzmittel oder der Entzündungshemmer unterbrochen, werden die Schmerzen erneut auftreten.

2. Gezielte hormonelle Behandlung

Um den Prozentsatz an weiblichen Hormonen (Östrogen und Progesteron) zu vermindern und so die Herde der Endometriose auszutrocknen, kann man Agonisten des LHRH (= GnRH oder Gonadorelin) einnehmen. Diese Behandlung ist mit einer Operation kompatibel. Mit dieser hormonellen Behandlung vermeidet man Schmerzen und das plötzliche Auftreten neuer Endometrioseherde. Als Nebenwirkung können diese Behandlungen eine am Therapieende  reversible, künstliche Menopause mit Hitzewallungen, vaginaler Trockenheit, usw. auslösen. Sie können auch zu Osteoporose (durch Entkalkung) führen. Deshalb werden diese Therapien normalerweise nicht länger als 6 Monate angewendet.
Die Ärzte können ebenfalls eine Verhütungspille (Östrogen/ Progesteron), Progestine oder Aromatasehemmer verschreiben.
Danazol kann ebenfalls bei moderaten Schmerzen eingesetzt werden. Eine sekundäre, reversible Menopause kann auch bei dieser Therapie auftreten.
Die meisten dieser Medikamente werden nasal oder per Injektion verabreicht.

2012 gibt es auf dem Schweizer Markt das Medikament Visanne® auf Basis von Dienogest (von der Firma Bayer®), das speziell gegen die Endometriose zugelassen wurde. Dienogest ist eine Art Progesteron, das die Wirkung von Östrogen in Bezug auf das Endometrium hemmt. Dieses Medikament wir oral eingenommen und ist rezeptpflichtig: Fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

3. Unfruchtbarkeit behandeln

Die Einnahme von Schmerzmitteln, Entzündungshemmern oder einer Anti-Baby-Pille ist in diesem Falle nicht ausreichend. Um die verlagerte Schleimhaut oder Zysten zu entfernen, muss auf einen chirurgischen Eingriff zurückgegriffen werden (Bauchhöhlenspiegelung). Für weitere Details bezüglich einer Bauchhöhlenspiegelung, siehe ‘Diagnose von Endometriose’.

4. Entfernung der Gebärmutter

Dieser operative Eingriff, der aus einer Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke besteht, ist nur in Betracht zu ziehen, wenn die Frau keinen Kinderwunsch mehr hat und wenn eine bereits behandelte Endometriose erneut auftritt. Sind die Eierstöcke einmal entfernt, werden keine Östrogene mehr gebildet, und somit wird die Endometriose keine Probleme mehr verursachen. Die Symptome der Menopause können jedoch gleichwohl auftreten.

5. Akupunktur:

Diese komplementärmedizinische Methode kann insbesondere bei Jugendlichen als Ergänzung zu den klassischen Medikamenten (z.B. Hormonen) eingesetzt werden.

Heilpflanzen

Die Pflanzenheilkunde kann eine klassische Behandlungsmethode im Fall einer Endometriose ergänzen.

Heilpflanzen_endometrioseMönchspfeffer, in Form von Tabletten

Soja, eingenommen als Kapseln oder als Nahrungsmittel (Soja könnte einen positiven Effekt auf die Endometriose haben).

Ratschläge

Ratschlaege_endometrioseDa die Behandlungsart vom therapeutischen Ziel, das man anstrebt, abhängt, sollten Sie mit Ihrem Arzt ausführlich über die verschiedenen Möglichkeiten.

Gute Ratschläge zur Vorbeugung von Endometriose:

– Legen Sie eine Wärmeflasche auf die schmerzhafte Stelle auf, um die starken Schmerzen bei Endometriose zu lindern.

– Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren scheint eine vorbeugende Wirkung auf Endometriose zu haben (sowie auf Menstruationsschmerzen).

– Die Endometriose ist eine Krankheit, die die Lebensqualität der Patientinnen stark vermindern kann. Die Patientinnen können an Schmerzen leiden, haben Schwierigkeiten sexuelle Beziehungen zu führen und schwanger zu werden, usw. Dies kann zu emotionalen Veränderungen führen und in gewissen Fällen in einer Depression enden. In diesem Fall ist es sehr empfohlen, einen Psychologen aufzusuchen.

– Das Ausüben von Sport oder Übungen, hilft die Symptome der Endometriose zu lindern. Die Produktion von Endorphinen während den physischen Betätigungen, führt zu einem Glücksgefühl und kann die Schmerzen vermindern.

Wie übersetzt man Endometriose in andere Sprachen ?
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 01.09.2016 verändert.

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