Genitalherpes

Definition

Definition_genitalherpesGenitalherpes ist eine zunehmend häufiger auftretende Infektionskrankheit. Man schätzt (z.B. in Frankreich) ungefähr 20% der Erwachsenen mit dem Erreger dieser Herpesform infiziert sind.
Die Infektion wird durch ein Virus, das Herpes Simplex Virus Typ 2 (HSV2), hervorgerufen  und in den meisten Fällen durch Geschlechtsverkehr übertragen (das Herpes Simplex Virus Typ 1, kurz: HSV1,  verursacht normalerweise den Lippenherpes).
Genitalherpes gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD, sexual transmitted diseases).

Weitere schwerwiegende STD sind beispielsweise Chlamydien, Syphilis (Lues), Gonorrhoe (Tripper) oder AIDS.

Genau wie bei den übrigen STD ist es deshalb wichtig, bestimmte Präventionsmassnahmen zu treffen, um die Übertragung zu verhindern. Dazu gehören: Verwendung eines Kondoms bei Geschlechtsverkehr, Partnertreue sowie Abstinenz bei bereits bestehender Infektion während den schubartigen Verläufen.

Ist man einmal an Genitalherpes erkrankt, so verbleibt das Virus lebenslang im Organismus. Die Herpesviren verschwinden nie ganz, sondern ziehen sich nach einer Erkrankung ins periphere Nervensystem (Ganglien) zurück. Dort verharren sie in einer Art Ruhezustand und treten unter bestimmten Bedingungen erneut zum Vorschein.

Herpes ist keine gefährliche Erkrankung, ausser für immunsupprimierte Patienten und Schwangere. Bei schwangeren Frauen kann das Virus durch die Membran der Plazenta auf den Fötus übertragen werden und zum Tod des Neugeborenen führen. Aus diesem Grund wird bei schwangeren Frauen, die an Genitalherpes erkrankt sind, bei der Geburt vorzugsweise ein Kaiserschnitt vorgenommen. Damit soll eine Übertragung des Virus auf das Neugeborene vermieden werden. In anderen Fällen wird eine medikamentöse Therapie mit einem Virustatikum (z.B. Aciclovir) eingeleitet. Falls Sie schwanger sind und an Genitalherpes erkrankt sind, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber.

Wichtiger Hinweis: Bestimmte Personen sind Träger des Virus, ohne es zu wissen. Eine Infektion mit dem Genitalherpesvirus verläuft nicht in allen Fällen symptomatisch. 60% der infizierten Personen scheinen kein einziges Symptom zu entwickeln. Dennoch bleiben die Infizierten Träger und können das Virus – ohne es zu wissen – an einen Partner weitergeben. Deswegen ist es manchmal sehr schwierig eine Ausbreitung aufzuhalten.

Epidemiologie

Epidemiologie_GenitalherpesDie Daten bezüglich der Anzahl der weltweiten Träger des HSV1 und HSV2 Virus, sind ein bisschen verwirrend.
Gewisse Studien zeigen, dass der Anteil der Seroprävalenz von HSV 90% der Weltbevölkerung erreichen könnte.
Andere Daten der WHO von 2008 zeigen, dass weltweit über 500 Millionen Menschen durch HSV infiziert sind. Gemäss dieser Studie infizieren sich jährlich etwa 20 Millionen neu mit diesem Virus und werden Träger.
Andere Daten weisen darauf hin, dass annähernd 16% der Weltbevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren durch den Virus infiziert sind.
Man vermutet, dass 60% der mit dem HSV infizierten Menschen, keine Symptome entwickeln. Dennoch bleiben sie Träger und können den Virus, ohne es zu wissen, auf den Partner übertragen.

Etwa 417 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren sind vom Herpes simplex genitalis (HSV-1) betroffen. Dies folgt aus Daten der WHO vom November 2015. Gemäss diesem Rapport, befinden sich die infizierten Personen vor allem auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und in der Region Westpazifik.

Ursachen

Ursachen_genitalherpesGenitalherpes wird durch das Herpes Simplex Virus Typ 2 (HSV2) bei engem Körperkontakt (z.B. Geschlechtsverkehr) übertragen. Dies führt zu einer Erstinfektion mit bestimmten Symptomen (siehe Symptome). Bei wiederkehrenden Krankheitsausbrüchen spricht man auch von Rückfällen (Rezidiven). Bestimmte Faktoren bzw. Umstände scheinen die Entwicklung von Genitalherpes zu begünstigen, dazu gehören:

– Frauen während der Menstruation
– Stress oder Müdigkeit sowie gewisse psychische Erkrankungen (z.B. Depression)
– UV-Strahlen (Solarium, Sonne)
Fieber
– Immunsupprimierte Personen (bei Virusinfekten, AIDS oder anderen das Immunsystem beeinträchtigenden  Krankheit)
– infolge anderer Ursachen oder aus einem nicht klar feststellbarem Grund
Der Herpesvirus (HSV1 oder HSV2) überlebt ausserhalb des Körpers nicht lange, da die Übertragung ausschliesslich beim direkten Körperkontakt zwischen Menschen erfolgt. Die Ansteckung durch Gegenstände oder Textilien (Servietten) ist nicht möglich.
Übertragung Mutter-Kind
Halten wir fest, dass die Übertragung des Genitalherpes zwischen Mutter und Kind ebenfalls stattfinden kann, wenn die Frau während der Schwangerschaft infiziert ist. Wenn die schwangere Frau während der möglichen Geburtszeit einen Schub hat, wird ein Kaiserschnitt bevorzugt, um das Risiko für eine Ansteckung des Neugeborenen zu verringern.

Risikogruppe

Eine allgemeine Regel: Alle Menschen mit einem aktiven Sexualleben, sind einem Risiko unterworfen, sich mit dem Virus, der den Genitalherpes auslöst, zu infizieren.

Die wichtigste Risikogruppe sind demzufolge die Menschen, die verschiedene Sexualpartner haben und/oder Geschlechtsverkehr ohne Verhütung (Präservativ) haben.

Studien zeigen, dass arme Bevölkerungsgruppen, die weniger Zugang zu gesundheitlichen Strukturen und grundlegender Hygiene haben, ebenfalls ein erhöhtes Risiko aufweisen, an Genitalherpes zu erkranken.

Eine Studie, die 2009 im «New England Journal of Medicine» erschienen ist, hat gezeigt, dass beschnittene Männer weniger anfällig für das HSV2 Virus sind. Allerdings unterstreichen die Wissenschaftler, dass die Beschneidung keine Garantie für einen vollständigen Schutz gegen das Virus ist und den Gebrauch eines Präservativs beim Geschlechtsverkehr nicht ersetzt.

Symptome

Symptome_genitalherpesNur eine Hautärztin oder ein Hautarzt (Fachgebiet der Dermatologie) wird eine genaue Diagnose stellen können (durch eine Untersuchung des Patienten und wenn nötig durch spezifische Tests). Die untenstehenden Informationen gelten als unverbindliche Anhaltspunkte zur Orientierung. Suchen Sie eine Hautärztin oder einen Hautarzt auf, sobald Sie einen Genitalherpes vermuten.

Bei der Erstinfektion mit dem Genitalherpes-Virus, spricht man von einem ersten Schub, der häufig 2 bis 3 Wochen dauert.

Diese Erstinfektion ist im Allgemeinen sehr lästig und schmerzhaft. Die typischen Symptome sind:

– Grippeähnliche Symptome: Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit u.a.. Das sind häufig die ersten Anzeichen von Genitalherpes.

– Ein Gefühl von Brennen, Jucken und Schmerz (z.B. beim Wasserlassen) im Genital- und Analbereich.

Anschliessend (Stunden oder Tage danach) bilden sich im Genital- und Analbereich sowie auf den Oberschenkeln oder dem Gesäss Bläschen. Diese Bläschen können wie kleine mit Flüssigkeit gefüllte Geschwüre aussehen. Achtung: Diese mit dem Herpes-Virus kontaminierte Flüssigkeit ist äusserst ansteckend, da sich darin die Herpesviren befinden.  Vorsicht ist bei Geschlechtsverkehr geboten: Es wird empfohlen, während den Herpesschüben auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder ein Kondom zu benutzen. Die Herpesbläschen treten häufig vermehrt auf, hinterlassen jedoch in den meisten Fällen nach der Abheilung keine Narben.

Herpesbläschen werden häufig im Genitalbereich beobachtet, können sich aber ebenfalls auf andere Körperbereiche ausbreiten (Lippen, Augen u.a.).

Nach einer Erstinfektion kann der Genitalherpes zu einem späteren Zeitpunkt erneut schubartig ausbrechen, insbesondere unter bestimmten, begünstigenden Voraussetzungen. Die Symptome eines solchen Rückfalls sind im allgemeinen den Symptomen der Erstinfektion sehr ähnlich, jedoch weniger stark ausgeprägt. Wie häufig diese schubartigen Attacken ausbrechen ist sehr individuell.

Diagnose

Üblicherweise wird die Diagnose durch Beobachten der Symptome des Patienten und seiner Krankengeschichte (Anamnese) gestellt.
Gewisse Tests können durchgeführt werden, um die Ätiologie der Krankheit zu bestätigen. Unter ihnen sind:
-Test der Virenkultur: dieser Test wird mit einem Stück Gewebe gemacht, um den Virus zu suchen.
– Bluttest: Suche nach Anti-HSV (Antikörper gegen HSV).
– PCR Test: Suche nach der viralen DNA.
Andere Tests können durchgeführt werden, wenn zum Beispiel der Arzt eine Co-Infektion mit anderen, sexuell übertragbaren Krankheiten vermutet.
Halten wir fest, dass die Diagnostik immer in der Verantwortung des jeweiligen Arztes liegt und sich abhängig von den wissenschaftlichen Fortschritten verändern kann. Fragen Sie immer Ihren Arzt.

Komplikationen

Gewisse Komplikationen können bei Patienten mit Genitalherpes auftreten. Unter ihnen sind:
– Eine Erhöhung des Risikos, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken.
– Risiko einer Ansteckung für das Kind der schwangeren Frau. Die Infektion bei einem Neugeborenen, kann schwere Gehirnschäden oder Erblindung verursachen und sogar zum Tod führen.
– Eine Hirnhautentzündung, die entstehen kann, wenn der Virus die Hirnhäute erreicht (Membranen, die das Gehirn umgeben und schützen).
– Harnprobleme wie z.B. Infektionen der Harnwege.
– Eine rektale Infektion, die Proktitis heisst.

Behandlung

Bis heute kann man das Herpesvirus nicht eliminieren und somit ist die Krankheit nicht heilbar. Dennoch können bei einer Erstinfektion oder während eines Rückfalls die Verbreitung des Herpesvirus vermindert und die Symptome bekämpft werden.
Um Genitalherpes zu behandeln, werden antivirale Medikamente eingesetzt. Diese können das Herpesvirus spezifisch bekämpfen.

Das am häufigsten verwendete Medikament enthält den Wirkstoff Aciclovir und kann in Form von Tabletten eingenommen und/oder als Crème auf die Bläschen aufgetragen werden.

Es gibt auch weitere Wirkstoffe wie Ganciclovir oder auch Valaciclovir. Alle diese antiviralen Medikamente sind in der Apotheke mit einem ärztlichen Rezept erhältlich. Lassen Sie sich von Ihrer Hautärztin oder Ihrem Hautarzt beraten, er kann Ihnen das für Sie am besten geeignete Medikament verschreiben. Weitere Informationen zu den Medikamenten erhalten Sie in der Apotheke.

Im Falle von leichtem Genitalherpes, wie er beispielsweise zwischen schubartigen Attacken auftreten kann, können antiseptische Crèmes oder Sprays helfen, die die kleinen Verletzungen trocknen und desinfizieren.

Man muss wissen, dass die Einnahme hoher Dosen von antiviralen Wirkstoffen wie Aciclovir (800mg pro Tag) oder Valaciclovir (1g pro Tag), die Übertragung des Virus auf den Sexualpartner nicht verhindert. Gemäss einer Studie, die 2012 im „The Lancet“ publiziert wurde, reduziert die Einnahme von einem Virostatikum, die Viruslast nicht vollständig. Somit kann der Virus auf eine nicht infizierte Person übertragen werden.

Ratschläge

 Ratschlaege_GenitalherpesSobald erste Symptome auftreten und der Verdacht auf Genitalherpes besteht, sollten sie unbedingt eine Hautärzin oder einen Hautarzt aufsuchen!
Anschliessend kann sich folgendes als hilfreich erweisen:
– Bei einem Herpesschub (Erstinfektion oder Rückfall) sollte jeglicher Geschlechtsverkehr vermieden werden. Falls dennoch nicht darauf verzichtet werden möchte, ist die Verwendung eines Kondoms unerlässlich – zum Schutz Ihrer Partnerin oder Ihres Partners.
Bemerkung: Verletzungen durch Herpesviren können sich auch auf Körperstellen befinden, die nicht durch das Kondom geschützt sind. Diese können also trotz Kondomgebrauch zu einer Herpesübertragung auf Ihren Partner führen.
– Geben Sie acht, Verletzungen nicht aufzukratzen und vermeiden Sie vor allem jeglichen Augenkontakt (Gefahr einen Augenherpes zu entwickeln, der äusserst unangenehm und gefährlich sein kann).
Genitalherpes_lavage_main– Waschen Sie sich häufig die Hände.
– Versuchen Sie herauszufinden, welche Ursachen für die schubartigen Herpesattacken verantwortlich sind und vermeiden Sie diese wenn möglich. Solche Ursachen können beispielsweise sein: Stress, Müdigkeit u.a.
– Wenn Sie schwanger sind und an Genitalherpes erkrankt sind, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt (z.B. mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt), um jegliche Komplikationen für Ihr Baby zu vermeiden. Bei Bedarf wird er Sie an ein dermatologisches Institut überweisen.
– Die Anwendung von Antibiotika ist bei der Behandlung von Genitalherpes (und auch Lippenherpes) nicht wirksam, da die Krankheit durch ein Virus verursacht wird.
Vorbeungung_genitalherpesZur Erinnerung: Antibiotika sind nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren wirksam.
– ’’Last but not least’’: Genitalherpes kann zu psychischen Problemen in Bezug auf Ihre Sexualität und im Zusammenhang damit zu einer Verminderung Ihres Selbstbewusstseins führen. Zögern Sie deshalb nicht, mit einer Apothekerin oder einem Arzt darüber zu sprechen. Diese Fachpersonen können Ihnen angepasste Unterstützung anbieten. Je nach Situation kann der Ihnen ein entsprechendes Medikament verschreiben. Es besteht kein Grund, irgendwelche Schuldgefühle zu entwickeln.

Vorbeungung 

Die Vorbeugung des Genitalherpes gleicht derjenigen, die allgemein für sexuell übertragbare Krankheiten gilt. Halten wir fest, dass man den sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person während einem akuten Herpesschub vermeiden muss.
Nachfolgend einige Ratschläge zur Vorbeugung von Genitalherpes:
– Verwenden Sie während dem Geschlechtsverkehr Präservative;
– Schränken Sie die Anzahl Partner ein;
– Vermeiden Sie jeglichen sexuellen Kontakt oder das Berühren der Genitalien, wenn der Partner einen akuten Herpesschub hat.
Es ist immer wichtig, gut mit Ihrem Partner zu sprechen. Versuchen Sie ihn zu informieren, wenn Sie HSV Träger sind.

Wie übersetzt man ​Genitalherpes in andere Sprachen ?
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 15.03.2016 verändert.

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