Gicht

Definition

Definition_gichtBei Gicht handelt es sich um eine rheumatische, entzündliche und metabolische Erkrankung, welche in einem oder mehreren Gelenken auftritt. Es handelt sich um eine Art von Arthritis. Es ist wichtig zu beachten, dass Gicht oft in den Gelenken der Zehe, Knie, Ellbogen oder der Knöchel auftritt.


Gicht wird durch eine überhöhte Ansammlung von Harnsäure (Hyperurikämie) verursacht, wodurch sich Harnsäurekristalle bilden, die starke Schmerzen zur Folge haben.

Bei Gicht handelt es sich um eine Krankheit, die sich durch seine Folgen entwickelt. Man spricht von einem akuten Gichtanfall, wenn starke Schmerzen auftreten; dies geschieht sehr oft nachts.

Es ist wichtig, dass die Krankheit mit Medikamenten behandelt wird und eine Veränderung des Lebensstils in Angriff genommen wird, da es bei nicht ausreichender Behandlung zu einer Knochenresorption und Knorpelveränderungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann eine Niereninsuffizienz die Folge sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Ihr Arzt wird je nach Situation die Diagnose “Gicht” stellen.

Bekannte Personen litten unter Gicht: Isaac Newton, Leonardo da Vinci, usw.

Die Gicht trägt manchmal auch den Namen „Krankheit der Könige“, da in diesem Zeitalter die Könige wahre Festessen mit Fleisch und Alkohol veranstalteten; 2 wichtige Faktoren für Gicht. Man weiss, dass der König Henri VIII von England unter dieser Krankheit litt.

Epidemiologie

Epidemiologie_gichtDie Gicht trifft meistens Männer (20 Mal häufiger als Frauen, d.h. in etwa 95% der Fälle) ab dem 50. Lebensjahr.
Eine andere Studie hat gezeigt, dass 6 Patienten (Männer) und eine Patientin (Frauen) auf 1000 unter Gicht litten (Patienten von Allgemeinärzten in Grossbritannien). In diesem Fall ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nicht mehr Faktor 20, aber Faktor 6. Über dasselbe Thema ist im Januar 2014 in Grossbritannien eine Studie erschienen, die gezeigt hat, dass das Verhältnis Mann zu Frau 4:1 sei.

– Man vermutet, dass 1% der Männer über 40 Jahren unter Gicht leiden.

– Wenn die Frauen betroffen sind, ist es meistens nach der Menopause.

– Die erste Gichtkrise ist bei Männern oft zwischen 20 und 40 Jahren.

– Bei den Kindern ist die Krankheit selten. Wenn es diese Altersgruppe trifft, ist sie oft mit metabolischen Problemen assoziiert.

– 60‘000 Schweizer sind jedes Jahr von Gicht betroffen (Quelle: UNIL, Jahr 2006).

– In den USA schätzt man, dass 4% der Bevölkerung betroffen sind. Das sind mehr als 12 Millionen Amerikaner. Diese Zahl nimmt stark zu (etwa eine Verdoppelung in 20 Jahren). Gewisse Quellen wie Fox News (für das Jahr 2013) sprechen von 8 Millionen Patienten in den USA. In diesem Land erleidet die Hälfte der Gicht-Patienten pro Jahr 3 akute Gichtanfälle oder mehr. Ein akuter Gichtanfall dauert durchschnittlich 4 Tage.

– In Frankreich leiden etwa 600’000 Menschen unter Gicht (Quelle: Gesundheitsamt, April 2014).

– In Grossbritannien ist Gicht die am häufigsten auftretende Gelenksentzündung. Es betrifft etwa 1,5% der Bevölkerung (Quelle: Zeitschrift Rheumatology, Oktober 2013, Grossbritannien).

In diesem Land schätzt man, dass 1 von 40 Personen unter Gicht leiden (Quelle: Annals of the Rheumatic Diesease journal).

Weil die Gicht grösstenteils mit einer Veränderung des Lebensstils einhergeht, beobachtet man infolge der Globalisierung und der schlechten Ernährung weltweit eine Erhöhung der Anzahl Gichtfälle. Es ist auf jeden Fall eine fortgeschrittene Hypothese.

Ursachen

Ursachen_gichtGicht kann in eine primäre und sekundäre Stufe unterteilt werden. Die primäre Form tritt weitaus häufiger auf, und die Ursachen können nicht klar definiert werden, da es sich um genetische Faktoren handelt.

Bei der sekundären Form können mehrere Faktoren für die Ursache verantwortlich sein. Dazu zählen hämolytische Erkrankungen (Anämie, Thalassämie), Tumore, Niereninsuffizienz, Adipositas (Fettleibigkeit), Diät, Medikamente u.a.

Im Allgemeinen ist Gicht das Ergebnis einer zu hohen Konzentration von Harnsäure im Blut (Hyperurikämie), über 7.0 mg/dL, welche in Form von Kristallen in den Regionen der Gelenke abgelagert wird. Jedoch bedeutet ein zu hoher Wert von Harnsäure nicht zwangsläufig, dass man an Gicht-Symptomen leidet.

genetique_gichtDie genetischen Defekte, die diese Harnsäure-Werte verursachen, sind bisher noch nicht bekannt. Aber einige Ursachen sind wie folgt definiert:
– Mangel an Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase (HGPRT) (ein Enzym, welches für den Purin-Stoffwechsel zuständig ist)

– Mangel bei der Modulation der Aminotransferase

– Der Lebensstil steht auch im Zusammenhang mit dieser Krankheit. Vor allem die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Ca. 20% der Harnsäure entsteht durch die die Nahrung. Übermässiger Verzehr von Bohnen, Erbsen, Fleisch und geschälten Meeresfrüchten (Garnelen, Hummer und Muscheln) erhöhen das Purin im Körper, das wiederum in Harnsäure umgewandelt wird. Ein übermässiger Alkoholkonsum sollte ebenfalls vermieden werden, da dieser zu einem Anstieg von Harnsäure im Blut führt.

– Diabetes: Es wird vermutet, dass ein erhöhter Insulinspiegel im Blut zu erhöhten Harnstoffwerten im Blut führt, womit die Verbindung zwischen Diabetes und Gicht hergestellt wäre.

– Jüngste Umfragen haben auch gezeigt, dass der übermässige Konsum von zuckerhaltigen Getränken die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung von Gicht deutlich erhöht. Dies kann zu einer Insulinresistenz und Anhäufung von Fett im Bauchbereich führen. Die Einnahme bestimmter Medikamente (Aspirin, Diuretika) kann ebenfalls die Entstehung von Gicht fördern.

Tomate und Gicht
Tomatensaft
Eine Studie aus Neuseeland (Otago) hat gezeigt, dass das Essen von Tomaten Gicht fördern kann. Forscher haben eine starke Verbindung zwischen dem Konsum von Tomaten und dieser rheumatologischen Erkrankung gefunden. Diese Studie, die mit mehr als 2‘000 Neuseeländern durchgeführt wurde, wurde in der Fachzeitschrift BMC Musculoskeletal Disorders im August 2015 publiziert. Die Teilnehmer mussten Formulare über Auslöser von Gichtanfällen ausfüllen. 71% haben geschrieben, dass es eines oder mehrere Nahrungsmittel gibt, die einen Gichtanfall auslösen. Die Tomate wurde in 20% der Fälle erwähnt. Andere Nahrungsmittel waren Alkohol, Meeresfrüchte, rotes Fleisch oder gezuckerte Getränke.

– Übermass an Cholesterin

– Bluthochdruck

– Schlafapnoe. Patienten mit einer Schlafapnoe haben ein 20% erhöhtes Risiko an Gicht zu erkranken.


Symptome

Bei einem akuten Gichtanfall können folgende Symptome auftreten:

– Die Gichtkrise (Gichtanfall) betrifft normalerweise die Gelenke, meistens (in etwa 70% der Fälle) das Grosszehengrundgelenk. Oft ist dies das einzige von der Gicht betroffene Gelenk. Bei einer Gichtkrise, lagern sich die Harnsäurekristalle meistens in den Gelenken der grossen Zehen ab. Dies ist das kälteste Gelenk und ist von Mikrotraumen am meisten betroffen.
– Normalerweise ist pro Krise nur ein einzelnes Gelenk betroffen.
– Die Gicht kann ebenfalls andere Gelenke wie den Fuss, das Knie, die Finger, den Ellenbogen, usw. treffen. Andere Regionen wie das Ohr (man spricht in diesem Fall eher von Tophus) oder die Nieren können ebenfalls betroffen sein. Lesen Sie: Komplikationen Gicht.
– Die Gichtkrise ist extrem schmerzhaft und tritt plötzlich auf. Die Schmerzen sind oft so untragbar, dass der Fuss nicht auf den Boden gesetzt werden kann und keine Schuhe, Socken oder Bettlaken auf den Zehen gezogen werden können.  Die Schmerzen bei einem Gichtanfall sind so gross, dass Sie in der Nacht davon aufwachen können.

Der Ursprung dieser Schmerzen sind Tausende von Harnsäurekristallen, die im Innern der Gelenke wie Glasscherben wirken.

– Diese Krise tritt oft in der Nacht oder abends auf, da es kühler ist und dies die Ablagerung von Harnsäurekristallen fördert (Ursache der Gicht).  Im Dezember 2014 haben Forscher der Boston University School of Medicine (USA) in einer klinischen Studie mit mehr als 700 Personen entdeckt, dass das Risiko für einen Gichtanfall in der Nacht zwischen Mitternacht und 8 Uhr morgens 2,4 Mal höher war als tagsüber (zwischen 8 und 16 Uhr).
Im Allgemeinen beginnt die Krise durch schwache Schmerzen oder Unannehmlichkeiten, aber nach einigen Stunden, entzündet sich das Gelenk vollständig.

– Ein akuter Gichtanfall kann mehrere Tage dauern, häufig 3 bis 7 Tage. (Manche Quellen geben 3 bis 10 Tage an.) In den USA beträgt die durchschnittliche Dauer eines Gichtanfalls 4 Tage. Auch ohne Behandlung verschwindet der Anfall innerhalb von einigen Tagen und meistens in weniger als in einer Woche.

Symptome_gicht

Die betroffenen Gelenke weisen die klassischen Anzeichen einer Entzündung auf: Diese sind Rötung, Schmerzen, Wärme und eine Schwellung, wodurch die Funktion des betroffenen Gelenkes eingeschränkt wird. Bei einem akuten Gichtanfall kann ebenfalls Fieber  und Schüttelfrost auftreten.

Ein akuter Gichtanfall kann einmal auftreten oder sich mehrmals wiederholen (in diesem Fall spricht man von chronischer Gicht). Dies kann einige Monate oder auch Jahre nach dem ersten Gichtanfall geschehen.

Risikogruppen

Personen, welche leichter Gicht entwickeln können:
– Männer, vor allem Männer über 50 (das Alter und damit die Alterung der Bevölkerung ist ein Faktor, der zum Teil die Zunahme der Gichtfälle erklärt).
– Männer, die gerne gut essen (Lebemänner), insbesondere diejenigen welche Feste reich an Fleisch und/ oder Alkohol feiern.
– Männer, die wenig Sport machen und wenig Bewegung haben (sitzende Tätigkeiten)
– Menschen mit metabolischem Syndrom: Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel, Diabetes, etc.
– Menschen mit Gicht in der Familie (erbliche Komponente) ist verantwortlich für 15-20% der Fälle
– Personen, welche Marathon laufen (d.h. extrem viel laufen), ihr Risiko ist im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt um das fünffache erhöht.
– Bei Frauen nach der Menopause, fördert der Abfall des Östrogens die Gicht.
– Bei Frauen können bei einer Hysterektomie (chirurgische Entfernung der Gebärmutter) die Östrogene vor einer Gicht schützen. Ein tiefes Östrogenniveau nach der Entfernung der Eierstöcke, kann die Gicht hingegen fördern.
– Fettleibige Menschen. Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Gicht um das 2 bis 3-fache. Man vermutet immer häufiger, dass schlechte Ernährung nicht nur zu Fettleibigkeit, sondern auch zu Gicht führen kann (z.B. im Vereinigten Königreich).
– Menschen mit einer Schlafapnoe.

Diagnose

Diagnose_gichtDer behandelnde Arzt hat die Möglichkeit, die Anzeichen und Symptome der Gicht für die Diagnose des Patienten zu nutzen.

Ebenfalls kann der Harnsäurewert im Blut zur Diagnose dienen.

Dadurch lässt sich feststellen, ob der Harnsäurespiegel erhöht ist.

Der Arzt kann auch eine Punktion der Gelenksflüssigkeit vornehmen. Die Anwesenheit von Harnsäurekristallen bestätigt die Diagnose Gicht. Die Untersuchung der Kristalle wird normalerweise mit dem Mikroskop in der Arztpraxis gemacht. Gewisse Spezialisten sind der Ansicht, dass diese Analyse mit dem Mikroskop das einzige Mittel zur Diagnosestellung sei.

Der Arzt kann auch eine Röntgenbildaufnahme anordnen. Vor allem um andere Diagnosen auszuschliessen, wie z.B. die Pseudogicht (auch Chondrokalzinose genannt), die sich durch Ablagerungen von Calciumpyrophosphaten in den Gelenken kennzeichnet.
Die Röntgenbilder der Gelenke können auch bei der chronischen Gicht hilfreich sein, um eventuelle Probleme der Knochen oder Gelenke, wie z.B. einen Tophus zu sehen. Lesen Sie: Komplikationen Gicht.
Bei einer chronischen Gicht, kann der Arzt auch die Nierenfunktion überprüfen, um eine mögliche Insuffizienz festzustellen.

Komplikationen

Wenn bei einer Erkrankung von Gicht keine korrekte Behandlung erfolgt, können folgende Komplikationen auftreten:

– Nierensteine

– Renale Komplikationen wie die Niereninsuffizienz (in diesem Fall ist der Verlust der renalen Funktion meistens irreversibel). Man ist der Ansicht, dass Menschen, die unter Gicht leiden, ein 4 Mal höheres Risiko haben, an Nierenproblemen zu sterben.

–  Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Tophus): es handelt sich um eine feste, weisse Masse (Knoten). Die Bildung des Tophus entsteht durch die Akkumulation von Harnsäurekristallen im Blut. Diese Knoten befinden sich in der Nähe der Gelenke, die von der Gicht betroffen sind, wie z.B. des grossen Zehen, der Aussenseite des Ellenbogens, der Hörmuschel, usw.
Der Tophus (im Plural Tophi) kann sich auf weichem Gewebe niederlassen und eine Delle verursachen. Dies ist z.B. beim Ohr möglich und muss nicht nur an den Gelenken stattfinden. Eine Operation erlaubt normalerweise die Entfernung des Tophus.

Diese Operation scheint den fortgeschrittenen Fällen vorbehalten zu sein; normalerweise reicht das Senken der Harnsäurespiegel aus, um diese Knoten verschwinden zu lassen. Die Tophi können möglicherweise die Gelenke zerstören.

– Erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Eine Studie, die im September 2013 in der englischen Zeitschrift Rheumatology erschienen ist hat gezeigt, dass Gicht Patienten ein 2 Mal höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall haben, als Menschen ohne Gicht.

Eine andere englische Studie, die Ende August 2014 publiziert wurde hat gezeigt, dass Gicht das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Diese Studie hat deutlich gezeigt, dass die Frauen besonders betroffen sind.

– Eine Studie, die im Juni 2014 am Eular Kongress (European League Against Rheumatism) in Paris vorgestellt wurde hat gezeigt, dass Männer, die von Gicht betroffen sind, oft auch unter Erektionsstörungen leiden.

Behandlung

Behandlung_gichtEs bestehen Behandlungsformen für einen akuten Gichtanfall und eine Behandlung zur Prävention.

1. Behandlung und Medikamente bei einem akuten Gichtanfall

Um die Schmerzen bei einem akuten Gichtanfall zu lindern, kann der behandelnde Arzt entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente verschreiben:

– Nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAID) z.B. in Tablettenform auf der Basis von Naproxen, Diclofenac, und/oder Ibuprofen. Vermeiden Sie die Einnahme von Aspirin bei der Behandlung von Gicht, da Aspirin den Harnsäurespiegel verändern und die Symptome von Gicht verschlimmern kann.

– Colchin bewirkt, dass Leukozyten keine Harnsäurekristalle aufnehmen. Ausserdem ist es ein wirksames Mittel gegen die auftretenden Gelenkschmerzen. Dieses Medikament muss sehr sorgfältig eingenommen werden, da eine ganze Reihe von Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall wie auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten können.

– Kortikosteroide, wie Prednison können wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung verwendet werden. Sie können in Form von Tabletten oder Injektionen verabreicht werden. Kortikosteroide werden normalerweise für Personen gewählt, die nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAID) nicht vertragen.

Prednisolon, ein synthetisches Kortikosteroid, wird häufig bei einem Gichtanfall eingesetzt. Eine von Forschern aus Hong Kong durchgeführte Studie, die im Februar 2016 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde, hat die Unbedenklichkeit und die Wirksamkeit dieses Molekül nachgewiesen, d. h. es zeigt bei einem Gichtanfall dieselbe analgetische Wirkung wie Indometacin, ein nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAID), ohne zu schwerwiegenden Nebenwirkungen zu führen.

– Canakinumab. Ein Antikörper gegen Interleukin, der bei gewissen Patienten eingesetzt wird. Es wird insbesondere verschrieben, wenn andere Medikamente wie NSAR und Colchicin nicht wirksam oder kontraindiziert sind.

2. Behandlung zur Prävention eines akuten Gichtanfalls


antibiotique_gichtEs ist ratsam, ein paar Ratschläge zu befolgen. Ein wichtiger Punkt ist die Änderung des Lebensstils (weniger Alkohol, Fleisch (auch Geflügel!), um Gicht zu behandeln und zukünftige Erkrankungen zu vermeiden.

Wenn die Änderung des Lebensstils nicht die erhoffte Wirkung zeigt, so kann der behandelnde Arzt Allopurionol verschreiben. Hierbei handelt es sich um ein sehr wirksames Medikament gegen Gicht. In der Regel erfolgt eine medikamentöse Behandlung nur, wenn ein Patient bereits mehrere akute Gichtanfälle erlitten hat. Dieses Medikament bewirkt, dass die Konzentration von Harnsäure im Blut sinkt, und somit die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Gichtanfalls verringert. Die Therapie muss jedoch regelmässig erfolgen, damit der gewünschte Behandlungserfolg gewährleistet ist.

Es ist erwähnenswert, dass viele Menschen die Behandlung mit Allopurinol das erste Jahr gut durchführen und zum Beispiel im zweiten Jahr oder zumindest nach einer gewissen Zeit die Behandlung abbrechen. Dies ist jedoch gefährlich, weil dies eine Gefahr für die Gesundheit des Patienten (Gichtkrisen, Nierenkomplikationen etc.) birgt. Das Medikament muss jeden Tag eingenommen werden, Ihr Apotheker kann Sie dabei unterstützen dieses Ziel zu erreichen.

Seit einigen Jahren (2008) gibt es ein anderes Medikament auf dem Markt, das sehr ähnlich wie Allopurinol ist: es handelt sich um Febuxostat. Dieses Molekül wirkt ebenfalls auf das Enzym (Xanthinoxidase), das für die Synthese der Harnsäure verantwortlich ist. Febuxostat kann für Patienten, die unter Hautreaktionen als Nebenwirkung von Allopurinol leiden, eine interessante Alternative sein. Dieses Molekül führt zu einer stärkeren Verminderung des Harnsäurespiegels als Allopurinol. Diese wichtige und schnelle Absenkung des Harnsäurespiegels, kann zu Beginn der Behandlung zu Gichtschüben führen. Eine gleichzeitige Einnahme von Colchicin kann daher empfohlen werden. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat, um das beste Molekül in der richtigen Dosierung zu finden.

Bei Probenecid handelt es sich um ein Medikament, welches die renale Ausscheidung der Harnsäure steigert. Dadurch sinkt die Konzentration von Harnsäure im Blut, und das Risiko an Gicht zu erkranken mindert sich.

Bemerkungen zur Behandlung von Gicht:

Man ist der Ansicht, dass eine grosse Mehrheit der Gichtpatienten (gemäss gewissen Quellen 80%) ihre Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung von Gichtanfällen nicht richtig einnehmen oder von keiner persönlich angepassten Therapie profitieren. Dies ist oft ein schwerwiegendes Problem der öffentlichen Gesundheit, insbesondere im Westen (Europa und Nordamerika).

Lesen Sie auch: Interview mit einem Arzt über Gicht

Heilpflanzen

Einige Heilpflanzen können einen positiven Effekt bei der Behandlung von Gicht haben (solange sie mit der klassischen Behandlung kombiniert werden!) und die Schmerzen lindern. Nachfolgend finden Sie einige dieser Heilpflanzen aufgelistet:

Ortie_gichtBrennesselblätter: Die Verwendung erfolgt in der Regel in Form von Kapseln, Tee oder Kompressen. Die Brennesselblätter haben eine interessante Wirkung gegen die Harnsäure (Kristalle, die für einen akuten Gichtanfall verantwortlich sind)

bouleau_gichtBirke: Die Anwendung erfolgt in der Regel in Form von Tee oder Kapseln.

 

cassis_gichtJohannisbeere: Wird meistens in Form von Kapseln eingenommen.

 

cerses_gichtKirschen: Konsumieren Sie während 2 oder mehr Tagen, 10 bis 12 Kirschen pro Tag. Dies reduziert gemäss einer amerikanischen Studie, die Ende 2012 erschienen ist, das Risiko eines Gichtanfalls um 35%. Kirschen enthalten viele Anthocyanoside, die für die positive Wirkung bei der Gicht verantwortlich sind.

cafe_gichtKaffee: Studien haben gezeigt, dass der Konsum von Kaffee (normal oder koffeinfrei) den Harnsäurespiegels im Blut senken kann.

– Die Esche, in der Regel als Kapsel einzunehmen.

Ratschläge

Ratschlaege_gichtUm einen erneuten akuten Gichtanfall zu verhindern, kann es nützlich sein, den Lebensstil zu verändern. Die nachfolgenden Ratschläge können dabei behilflich sein:

– Passen Sie Ihre Ernährung an: Schränken Sie Ihren Fleischkonsum ein (Fleisch (auch Geflügel) ist reich an Purinen, welche der Körper in Harnsäure umwandelt). Andere Lebensmittel, die reich an Purinen sind: Bohnen, Erbsen und geschälte Meeresfrüchte (Garnelen, Hummer, Muscheln). Wählen Sie eine Ernährung, die reich an Früchten, Gemüsen und Milchprodukten ist.
Eine Studie hat gezeigt, dass Purine tierischer Herkunft (Fleisch, Meeresfrüchte) gegenüber Purinen pflanzlicher Herkunft (Leguminosen wie Bohnen, Linsen, usw.) ein viel höheres Risiko aufweisen, einen Gichtanfall auszulösen.

Mehr: Ernährung bei Gicht

– Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum, da Alkohol zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels führt.

– Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit (2 bis 3 Liter Wasser pro Tag). Besonders dann, wenn Sie unter einem akuten Gichtanfall leiden. Zögern Sie nicht, nach dem Erwachen 500ml Wasser zu trinken. Die Dehydrierung ist eine Ursache von Gicht

– Kontrolle Ihres Gewichts, da Übergewicht die Entstehung von Gicht begünstigt.

– Vermindern Sie die Einnahme von gezuckerten Getränken wie Soda oder industriellen Fruchtsäften. Aktuelle Studien (2010 und 2013) haben gezeigt, dass sie einen negativen Einfluss auf die Gicht haben.
Eine genetische Variation (SLC2A9) bei gewissen Personen erklärt den Einfluss von gezuckerten Getränken auf die Gicht. Gemäss einer neuseeländischen Studie, die 2013 erschienen ist, erhöht bei Patienten mit diesem Gen die Einnahme von gezuckerten Getränken die Konzentration der Harnsäure im Blut und fördert so einen Gichtschub.

– Treiben Sie ausreichend Sport oder bewegen Sie sich häufig (Gartenarbeit, Spaziergänge). Neben der Kontrolle des Gewichts, werden dadurch auch Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes) verhindert, die mit dem Auftreten von Gicht im Zusammenhang stehen.

– Vermeiden Sie während eines akuten Gichtanfalls, die Gelenke unnötig zu belasten. Jede Bewegung kann zusätzlich Schmerzen verursachen. Vermeiden Sie Fusstritte (also z.B. nicht Fussballspielen), da die mit Harnsäurekristallen gefüllten Gelenke keine Stösse mögen und dies die Schmerzen verstärken kann.

– Keine Wärme oder Kälte in die entzündete Region kommen lassen, da sich die Schmerzen dadurch verschlimmern können.

– Die Einnahme von Vitamin C kann den Harnsäurespiegel im Blut verringern. Allerdings sollte die Dosis von einem Apotheker oder Arzt festgelegt werden, da eine Überdosierung den Harnsäurespiegel im Blut ansteigen lassen könnte.

– Die Fruktose, die man häufig in gesüssten Getränken findet, erhöht das Risiko für die Gicht. Dies hat eine Studie gezeigt, die durch die medizinische Schule der Universität von Boston durchgeführt wurde.

– Die NHS (nationale Gesundheitsbehörde des Vereinigten Königreichs) empfiehlt, die von Gicht betroffenen Gelenke zu kühlen.

– Essen Sie weniger Tomaten. Gemäss einer Studie vom Jahre 2015, können Tomaten Gicht fördern (lesen Sie unter Ursachen für weitere Informationen).

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Lesen Sie auch: Interview mit einem Arzt über Gicht

Wie übersetzt man Gicht in andere Sprachen ?
  • Englisch: gout
  • Französisch: goutte
  • Italienisch: gotta
  • Portugiesisch: gota
  • Spanisch: gota
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 13.10.2016 verändert.

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