Lungenkrebs

Definition

Definition_lungenkrebsDer Lungenkrebs bezeichnet eine bösartige Tumorerkrankung der Bronchien.
Man unterscheidet zwei Hauptformen von Lungenkrebs: Das kleinzellige Karzinom (bösartigster Typ) und das nicht-kleinzellige Karzinom.
Lungenkrebs ist eine gefürchtete Krebsart (siehe unten: Überlebensrate) und entsteht hauptsächlich durch Tabakkonsum.

Gemäss Forschungsarbeiten in der Schweiz im Jahr 2008 sind Frauen anfälliger auf krebserregende Auswirkungen von Tabakrauch als Männer.

Eine andere Studie vom International Early Lung Cancer Action Programm hat gezeigt, dass Frauen ein 70% höheres Risiko für Lungenkrebs haben, als die Männer (bei gleichem Alter und gleichem Konsum).

Epidemiologie

Ein paar Schlüsselzahlen und epidemiologische Daten zu Lungenkrebs:

Tabakkonsum und Lungenkrebs
– Bei 7,5 bis 9 von 10 Lungenkrebsfällen soll Tabakkonsum (einschließlich passives Rauchen) die Ursache sein. Das bedeutet, dass etwas weniger als ein Viertel der Lungenkrebserkrankungen weltweit bei Nichtrauchern auftritt, und wir wissen noch nicht, ob diese Fälle größtenteils durch auf passives Rauchen oder auf genetische Faktoren zurückzuführen sind. [Quelle: SDA, März 2010].

– Bei einem gewohnheitsmäßigen Raucher besteht ein Lungenkrebsrisiko von ungefähr 20 %. Wir weisen darauf hin, dass manche Quellen außerdem eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 7 (14,3 %) angeben.

Überlebensrate bei Lungenkrebs
– Die französische Behörde für Gesundheitsfragen (Haute Autorité de la Santé [HAS]) geht im Jahr 2016 davon aus, dass in Frankreich von sechs Lungenkrebspatienten nach 5 Jahren weniger als einer noch am Leben ist.

– In der Schweiz liegt die Überlebensrate nach fünf Jahren bei 14 % und wäre somit die höchste in Europa [Quelle: Lungenliga, Oktober 2011].

– Lungenkrebs gehört zu den Krebsarten mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose, und 80 % der Patienten sterben innerhalb von zwei Jahren. Der Verzicht auf die Zigarette verringert das Risiko erheblich, und die Überlebensrate ist deutlich höher, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. [Quelle: SDA, Juni 2009].

Statistische Angaben pro Land und Region
Frankreich
– Die französische Behörde für Gesundheitsfragen (HAS) geht davon aus, dass Lungenkrebs in Frankreich zu 21’000 Todesfällen bei Männern und zu 9’500 Todesfällen bei Frauen, d. h. zu 30’500 Todesfällen insgesamt führt. (Seite der HAS, Fassung vom 3. Juni 2016)

2015 wurden in Frankreich ungefähr 45’200 neue Lungenkrebsfälle registriert (Quelle: HAS).

Ebenfalls nach den Angaben der HAS stellt der Lungenkrebs in Frankreich die Krebsart dar, die die meisten Todesfälle verursacht.

Schweiz
– In der Schweiz starben im Jahr 2013 3’200 Menschen an Lungenkrebs, was nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) im Juli 2015 einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Ebenfalls nach Auskunft des BFS starben im Jahr 2013 2’000 Männer und 1’300 Frauen an Lungenkrebs.

USA
– In den USA schätzen die National Institutes of Health die Anzahl der durch Lungen- oder Bronchialkrebs (auf englisch bronchus cancer) verursachten Todesfälle im Jahr 2016 auf 158’080. Während des Jahres 2016 dürfte die Anzahl der von Lungen- oder Bronchialkrebs betroffenen Personen auf 224’000 steigen, was etwa 13 % aller neuen Krebsfälle in den USA ausmacht.

Weltweit
– Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich 1,38 Millionen Menschen an Lungenkrebs, was beinahe 18,2 % der durch Krebs verursachten Todesfälle ausmacht [Quelle: SDA, 2. Juni 2010]. Jedes Jahr werden mehr als 12 Millionen neue Lungenkrebserkrankungen diagnostiziert.

Ursachen

– Tabakkonsum ist mit Abstand die Hauptursache von Lungenkrebs (in 9 von 10 Fällen).

Ursachen_lungenkrebs

Interessant: Eine Person, die ein Päckchen Zigaretten (20 Stück) pro Tag raucht, kann 20 Jahre nach Beginn des Tabakkonsums einen Krebs entwickeln. Eine Person, die 2 Päckchen (40 Stück) pro Tag raucht, kann jedoch bereits nach 10 Jahren erkranken.

Frauen sind laut im Jahr 2009 veröffentlichten Studien anfälliger auf krebserregende Ausirkungen von Tabakrauch als Männer.

Es ist noch gefährlicher am Morgen direkt nach dem Aufstehen zu rauchen
Im August 2011 hat eine amerikanische Studie gezeigt, dass Personen, welche in den ersten 30min. nach dem Aufstehen eine Zigarette rauchen ein um 79% höheres Risiko haben an Lungenkrebs zu erkranken, im Vergleich zu Rauchern, welche mindestens eine Stunde warten bis sie ihre erste Zigarette des Tages rauchen. Die Studie wurde mit 4’775 an Lungenkrebs erkrankten Rauchern und 2’835 nicht betroffenen Rauchern durchgeführt.

Eine andere Studie vom Juni 2014 (unter der Leitung von Dr. Fangyi Gu vom National Cancer Institute in Bethesda, USA) hat ebenfalls über die grossen Gesundheitsrisiken der ersten Zigarette nach dem Aufwachen berichtet. Menschen, die ihre erste Zigarette 5 Minuten nach dem Aufwachen rauchen, haben ein 3 Mal höheres Risiko für Lungenkrebs als solche, die 1 Stunde oder länger bis zur ersten Zigarette warten.

– Neben Tabak können auch umweltschädliche und radioaktive Substanzen einen Lungenkrebs begünstigen.

Risikopersonen

Risikopersonen_lungenkrebsWie in den Kapitel Ursachen von Lungenkrebs sowie Definition erwähnt, handelt es sich bei an Lungenkrebs erkrankten Menschen insbesondere um:

– Regelmässige Raucher bzw. Passivraucher

– Frauen, die rauchen (erhöhtes Risiko im Vergleich zu Männern)

Zu bemerken ist, dass Lungenkrebs häufig zwischen dem 50. und 70. Lebensalter auftritt.

Symptome

Leider sind die Symptome von Lungenkrebs äusserst selten sehr klar und typisch, so dass ein Tumor häufig rein zufällig entdeckt wird, zum Beispiel bei einer Röntgenaufnahme.

Hier nennen wir dennoch einige alarmierende Symptome:
– starke Gewichtsabnahme in kurzer Zeit
– regelmässiger, grundlos auftretender Husten
– Schleimiger, blutiger Auswurf
– Lungenentzündung
– Schmerzen in der Brust (im Bereich des Brustkorbes); bei Schwitzen verstärkt
– pfeifende Atmung

Für einen Raucher ist es äusserst wichtig, sich regelmässig von einem Arzt kontrollieren zu lassen. Denken Sie immer daran, dass es sich nicht nur um eine ‘normale’ Erkältung oder Bronchitis handeln könnte.

Lungenkrebs entwickelt sich oft schnell und erweist sich als sehr aggressiv.

Diagnose

Eine Diagnose wird insbesondere durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes gestellt (der Tumor ist im Allgemeinen als Schatten auf dem Röntgenbild zu erkennen). Für eine genauere Untersuchung kann der Arzt ebenfalls eine Bronchoskopie durchführen.

Für weitere Informationen zur Diagnose von Lungenkrebs fragen Sie bitte Ihre Pneumologin oder Ihren Pneumologen (Arzt, der sich auf Erkrankungen der Lunge spezialisiert hat).

Komplikationen

Wie bei anderen Krebsarten besteht das grösste Risiko in der Bildung von Metastasen. Metastasen sind Ablagerungen vom Tumor in anderen Regionen als dem Ursprungsort. Dies ist leider häufig der Fall bei Lungenkrebs, da der Tumor lebenswichtige, umliegende Organe befällt.

Komplikationen, die im Falle eines Lungenkrebses auftreten können, sind:
Lungenentzündung
– Atemschwierigkeiten
– Appetitlosigkeit
– Cushing-Syndrom (körperliche Veränderungen aufgrund eines hohen Cortisolspiegels)

Wann Zum Arzt?

Wann_zum_arzt_lungenkrebsIm Fall von Lungenkrebs müssen Sie sich zwingend von einer oder einem auf die Lunge spezialisierten Ärztin oder Arzt (Pneumologie) behandeln lassen.

Denken Sie daran, regelmässig eine Kontrolle Ihrer Lungenfunktion (Check-up) bei Ihrem Arzt oder in Ihrer Apotheke machen zu lassen, insbesondere wenn Sie Raucher sind. Falls ein Resultat verdächtig erscheint, werden Sie von der Apotheke an einen entsprechend ausgebildeten Arzt weitergeleitet. Ihr Arzt wird dann entscheiden, ob allenfalls eine Röntgenuntersuchung der Lunge durchzuführen ist.

Auch wenn dies im Hinblick auf das Resultat beängstigend sein kann, muss darauf hingewiesen werden, dass je eher ein Tumor entdeckt wird, desto höher die Überlebenschancen stehen!

Behandlung

Die Art der Behandlung variiert je nach Typ des Tumors (kleinzelliges oder nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom) sowie je nach Stadium. Hier mögliche Behandlungsarten:

– Chirurgie, das heisst eine Operation: Nur bei bestimmten Krebsarten und wenn der Tumor sich noch nicht auf weitere Organe ausgebreitet hat, ist dies möglich und sinnvoll.

– Strahlentherapie

– Chemotherapie

– Therapie mit modernen biologischen Medikamenten (z.B. Antikörper).

Diese Behandlungsarten befinden sich häufig noch im  Anfangsstadium, erweisen sich jedoch als vielversprechend.

Im Mai 2014 kam in der Schweiz ein neues Medikament, das Giotrif®, auf den Markt. Es wirkt gegen das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom.

– Nach Angaben der französischen Behörde für Gesundheitsfragen (HAS), einer weltweit angesehenen Institution, bleiben die Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs auch im Jahr 2016 eingeschränkt, und dies gilt selbst im Frühstadium der Krankheit. Ebenfalls nach Angaben der HAS bestehen die derzeit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten im Wesentlichen in komplizierten chirurgischen Eingriffen, die nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden können (Allgemeinzustand des Patienten, Eigenschaften des Tumors).

Bemerkung: Die Therapie kann sich im Verlauf der Krankheit verändern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie entsprechen darüber informieren.    

Ratschläge

– Die wichtigste Massnahme ist, mit dem Rauchen aufzuhören, um den Zustand nicht zu verschlimmern.

– Für den restlichen Teil der Therapie befolgen Sie die Anweisungen Ihres Lungenarztes oder Ihrer Lungenärztin.

– Es wird empfohlen, bei Lungenkrebs keine Antioxidantien (ausser auf ärztlichen Rat) einzunehmen. Gemäss einer schwedischen Studie, die anfangs 2014 in der amerikanischen Zeitschrift „Science Translational Medicine“ erschienen ist, beschleunigt die Einnahme von antioxidativen Vitaminen (z.B. Vitamin A, C , E oder Betacarotin) die Entwicklung von präkanzerogenen Läsionen oder frühzeitigem Lungenkrebs bei den Mäusen oder menschlichen Körperzellen im Labor. Dies zeigt diese Studie, die zum ersten Mal diesen Mechanismus erläutert.

Vorbeugung

– Die beste Vorbeugungsmassnahme gegen Lungenkrebs ist ganz einfach: Nicht rauchen!

– Die tägliche Einnahme von 200 µg Selen mit der Ernährung oder als Nahrungsergänzung hätte einen wichtigen Effekt in der Prävention von Lungenkrebs. Gewisse Studien sprechen von einer Risikoverminderung von 45%. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat für die tägliche Selen-Dosis, die für diese Indikation empfohlen wird.

Quellen:
Haute Autorité de la Santé (http://www.has-sante.fr/), National Cancer Institute

Wie übersetzt man Lungenkrebs in andere Sprachen ?
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 01.09.2016 verändert.

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