Multiple Sklerose

Definition

Definition_multiple_skleroseMultiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dies führt zu einer Schädigung der durch Nervenfasern umgebenden Hüllen (Myelinscheide). Die Multipe Sklerose kann viele neurologische Symptome hervorrufen, was daran liegt, dass die Entmarkungsherde im gesamten Zentralnervensystem auftreten können.


Die Multiple Sklerose zählt zu am häufigsten auftretenden Krankheiten bei jungen Menschen. Leider sind die Ursachen dieser Krankheit bis zum heutigen Zeitpuntk nicht vollständig bekannt.

Es existieren mehrere Behandlungsformen gegen Multiple Sklerose. Dazu zählen z.B. Kortikosteroide, Interferon-b oder Baclofen.

Wissenschaftler sind bemüht die Ursachen der Multiple Sklerose zu erforschen, um bessere und effizientere Therapien zu ermöglichen.

An MS erkranken 2 Mal mehr Frauen als Männer.

Epidemiologie

– In der Schweiz schätzt man, dass etwa 10’000 Menschen von MS betroffen sind. In diesem Land wird jeden Tag ein neuer MS Fall diagnostiziert.

– In Frankreich leiden ca. 80‘000 Personen unter MS.

– In Europa betrifft es 350‘000 Menschen.

– In den USA sind es etwa 400‘000 MS Patienten. (Quelle: Novartis)

– In Brasilien sind es etwa 30‘000 Menschen. Halten wir fest, dass dieses Land mit etwa 200‘000 Einwohnern im Verhältnis nur schwach von MS betroffen ist. Dies im Gegensatz zu der USA, die etwa 300‘000 Einwohner hat. Man weiss, dass tropische Länder, die deshalb oft sonnige Länder sind, weniger von MS betroffen sind als in gemässigten Breiten (Europa, Nordamerika, usw.). Ein Vitamin-D-Mangel könnte die Ursache der Länder mit kühlerem Klima sein. Lesen Sie weitere Informationen zu diesem Thema. [Quelle: Brasilianische MS Gesellschaft, 2014]

Im Iran waren die Frauen vor der islamischen Revolution (auch iranische Revolution genannt) von Khomeini im Jahre 1979 westlicher gekleidet. Anders gesagt: sie waren in einem so heissen Land viel leichter gekleidet. Mit dem konservatorischen Brauchtum der islamischen Revolution, müssen die Frauen lange Kleider tragen, die auch Arme und Beine bedecken.

Die Exposition an der Sonne wurde viel seltener. Forscher der Universität Oxford haben im Jahr 2013 herausgefunden, dass zwischen dem Jahr 1989 und 2006 die Anzahl Fälle von MS bei Frauen um 800% zugenommen haben. Es gab also 8 Mal mehr MS Fälle im Jahr 2006 als 1989. Es ist wahrscheinlich, dass eine Vitamin D Karenz die Ursache der Zunahme von MS Fällen ist. Vitamin D wird durch die Sonne synthetisiert.

– Weltweitet schätzt man etwa 2,5 Millionen MS Patienten. Quelle: sda, August 2011)

Epidemiologie_multiple_sklerose

Ursachen

Wie Sie bereits in der “Definition Multiple Sklerose” entnehmen konnten, sind die Ursachen dieser Krankheit bisher noch recht unbekannt. Es wird vermutet, dass mehrere Faktoren wie Immunität, Umweltfaktoren und Erbgene eine wichtige Rolle spielen.

Ursachen_multiple_sklerose

Immunfaktor

Durch Autoantikörper wird bewirkt, dass weiße Blutkörperchen (Leukozyten) das Nervengewebe angreifen und Entzündungen auslöst. Diese Entzündungsherde können in allen Regionen des Nervensystems auftreten. Es bleiben Narben im Gehirn und Rückenmark zurück. Die Entzündung bewirkt, dass Nervenimpulse wesentlich schlechter oder gar nicht mehr weitergeleitet werden können.

Umweltfaktoren

Die Multiple Sklerose kann durch einen bestimmten Lebensstil oder Umweltfaktoren beeinflußt werden.Studien zufolge tritt die Krankheit in Ländern mit gemäßigtem Klima häufiger auf als in anderen.

Gene

Es gibt Hinweise, dass erbliche Faktoren eine wichtige Rolle bei einer Erkrankung von Multiple Sklerose spielen. Im Gegensatz zur Normalbevölkerung, haben enge Familienmitglieder von Multiple Sklerose Patienten ein 10 – 30 fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Es ist auch nicht geklärt, um ein bestimmtes Gen für die Entstehung einer Multiple Sklerose verantwortlich ist.

Vitamin D Karenz

Eine Vitamin D Karenz könnte unter anderem eine Ursache für MS sein.

Die Spur von Vitamin D (durch die Sonne synthetisiert) ist aufgetreten, da die Inzidenz von MS in Ländern oder Regionen mit wenig Sonne (z.B. Skandinavien) grösser ist, als in tropischeren Ländern wie Indien oder Brasilien (Lesen Sie auch unter Epidemiologie):

Risikogruppen

Von einer Multiple Sklerose Erkrankung sind Männer sowie auch Frauen betroffen. Jedoch erkranken Frauen doppelt so häufig an dieser Krankheit.

Menschen, die einen Fall von Multiple Sklerose in der Familie haben, sind einem wesentlichem höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt.

Die Krankheit tritt überwiegend im Alter von 20 bis 40 Jahren auf.

Symptome

Durch Entzündungen und den Abbau der Myelinscheiden können folgende Symptome auftreten:

– Empfindungsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln). Hierbei handelt es sich um die ersten Anzeichen der Krankheit.

– Lähmungen (Krämpfe, vorübergehende Lähmungen in den Armen und Beinen)

– Visuelle Wahrnehmung (drastische Reduktion der Sehschärfe, Sehstörungen)

– Blasenentleerungsstörungen (Harninkontinenz)

– Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen

Symptome_multiple_skleroseWichtiger Hinweis: Die Intensität der Symptome kann von Person zu Person variieren. Bei einigen Patienten treten mildere Symptome wie z.B. Taubheitgefühl in den Beinen auf, und andere Menschen leiden unter schwereren Sehstörungen.

Erwähnenswert ist ausserdem auch, dass im Frühjahr und in den Sommermonaten die Multiple Sklerose am aktivsten ist. Jedoch ist bisher unklar, weshalb genau diese Jahrezeiten Auswirkung auf die Multiple-Sklerose-Erkrankung haben.

Die 3 Formen von MS

Man unterscheidet 3 Formen von MS. Die häufigste Form ist die schubförmig remittierende MS (RR-MS). Die Krankheit manifestiert sich durch Schübe, die von langen Remissionsphasen unterbrochen sind. So eine Phase kann 25 Jahre dauern. Anschliessend verändert sich die RR-MS in eine sekundär progrediente MS. In dieser sekundären Phase gibt es keine Remissionsphasen mehr.

Eine andere Form von MS ist die primäre progrediente MS (PP-MS). Wie der Name bereits sagt ist diese Art progredient, d.h. ohne Remissionsphasen. Es betrifft 10 bis 15% der Patienten und entwickelt sich ab dem 40. Lebensjahr.

 Bemerkungen zur MS

In gewissen Fällen (weniger als 15%) kann die Remissionsphase sehr lang oder sogar definitiv sein.

– Während der Schwangerschaft gibt es weniger MS Schübe. Hormonelle Ursachen (erhöhte Estriolkonzentration) könnten der Grund sein. Deshalb haben amerikanische Forscher Frauen mit MS Estradiol verabreicht. Die Schübe nahmen gegenüber Placebo oder der Einnahme von Glatirameracetat um 47% ab.

Diagnose

Es gibt verschiedene Methoden zur Diagnose einer Multiple Sklerose:

1. Die Beobachtung der klinischen Symptome

2. Magnetresonanztomographie (MRT)

3. CSF Liquor cerebrospinalis(Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)

Damit der behandelnde Arzt sich ein Bild von den Symptomen machen kann, wird zuerst die ausführliche Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten erfragt.

1. Die Beobachtung der klinischen Symptome

Die Diagnose der Multiple Sklerose erfolgt in erster Linie durch die Beobachtung bestimmter Krankheitsfaktoren. Die Symptome treten sehr plötzlich und in mehreren Körperregionen (multifokale Schäden) auf. Dies geschieht durch die Entzündungen und Abbau der Myelinscheiden.

2. Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT ist auch unter dem früheren Namen „Computertomographie“ bekannt. Es werden Schnittbilder erstellt, jedoch ohne die Nutzung von Röntgenstrahlen. Diese Behandlungsmethode hat einen hohen Stellenwert bei der Diagnose der Multiple Sklerose, da frühzeitig krankhafte veränderte Entzündungsherde erkennbar sind.

3. CSF Liquor cerebrospinalis(Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)

Bei dieser Behandlungsform wird das Nervenwasser (Liquordiagnostik) untersucht. Dies erfolgt durch die Einführung einer Hohlnadel in den Lumbalkanal, die auf der Höhe der Lende eingeführt und Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) entnommen wird. Ein Hinweis auf eine Multiple-Sklerose-Erkrankung liegt dann vor, wenn sich vermehrt bestimmte Eiweißkörper im Liquor befinden. Außerdem kann vom Arzt festgestellt werden, ob die Entzündung durch Keime verursacht wurde.

Komplikationen

Die Entwicklung der Krankheit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. In der Regel entwickelt sich die Krankheit in einem Zeitraum von 25 Jahren.

Zum Anfang der Krankheit treten kurze Schübe auf, die einige Tage oder Wochen anhalten, und sich in den meisten Fällen wieder vollständig zurückbilden. Nach einiger Zeit kommt es häufiger und in immer kürzeren Abständen zu Ausbrüchen.

Durch den Angriff von Körpereigenen Abwehrzellen auf die Myelinscheiden , kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

– Paraplegie (Querschnittlähmung)

– Kognitive Störungen

– Psychische Störungen


Bei Fortschreiten der Krankheit, fangen auch die Leiden der Patienten an. Jedoch sind heutzutage die Behandlungsformen wesentlich effizienter als noch vor ein paar Jahren. Dies führt zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands.

Behandlung

Die Behandlung der Multiple Sklerose (MS) erfolgt meist durch Medikamente, die das Immunsystem angreifen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Myelinscheide weiter angegriffen wird. Zur Behandlung werden Kortikosteroide und Interferone beta 1-a und 1-b eingesetzt. Darüber hinaus wird versucht die Lebensqualität des Patienten durch Senkung der Störungen (Empfindungsstörungen, Lähmungen oder Blasenentleerungsstörungen) zu verbessern.

Behandlung_multiple_sklerose

– Kortikosteroide: Dieses Medikament wird meist per Infusion im Krankenhaus verabreicht. Die Hauptwirkung besteht in der Abschwächung und Verkürzung des Schubes. Es dient jedoch nur zur Schubtherapie und nicht zur Dauertherapie, da bei einer lang andauernden Therapie Nebenwirkungen, wie Muskelschwund oder Osteoporose auftreten können.

-Interferon-b: Es handelt sich um Eiweiße, die bei Entzündungsreaktionen im Körper ausgeschüttet werden. Diese können die Immunreaktion verstärken als auch verringern. Interferon-b verändert das Immunsystem dauerhaft und wird bei der schubförmigen Therapie eingesetzt. Die Verabreichung erfolgt intravenös, da die Interferon-Präparate im Magen-darm-Trakt empfindlich auf Magensäure reagieren.

– Glatirameracetat. Dies ist ein immunmodulatorischer Arzneistoff, der zur Behandlung der schubartigen Multiple Sklerose eingesetzt wird.

Da im weiteren Verlauf der Krankheit andere Symptome dazu kommen können, sind neben der medikamentösen Behandlung auch physiotherapeutische, ergotherapeutische oder logopädische Maßnahmen ratsam.

Neue Medikamente (2012-2015)

Es gibt ein neues Medikament gegen MS: Gilenya (Wirkstoff Fingolimod). Dieses Medikament wurde durch die schweizerische Pharmafirma Novartis entwickelt. Gemäss Novartis soll Gilenya 52% wirksamer sein, als die klassischen Therapien wie Interferon.

Der Wirkungsmechanismus dieses Medikamentes unterscheidet sich zu allen bisherigen Medikamenten. Fingolimod verhindert vereinfacht gesagt die Freisetzung von Abwehrzellen, die die Myelinscheide angreifen (lesen Sie die Definition von MS).

Allerdings könnte dieses Medikament auch schwerwiegende Nebenwirkungen haben, vor allem auf dem kardialen Niveau. Dieses Medikament bedingt eine verstärkte kardiale Überwachung in den ersten 24 Stunden nach der ersten Einnahme. Dies sagt die französische Medikamentenagentur (Afssaps).

Es liegt auf der Hand, dass der Einsatz eines solchen Medikamentes eine rigorose medizinische Überwachung nach sich zieht.

Der Wirkstoff Teriflunomid (Aubagio) ist seit Ende 2013 auf dem Schweizer Markt. Es handelt sich um eine orale Behandlung von MS bei Erwachsenen, die rezeptpflichtig ist. Es erlaubt eine Beeinflussung der Schübe. Bei schwangeren Frauen ist es strikt kontraindiziert.

Es gibt auf gewissen Märkten (insbesondere Europa)  monoklonale Antikörper, wie Alemtuzumab (wurde gegen Leukämie entwickelt), die die Neuronen angreifenden Zellen vernichten können.

Eine Studie, die im Jahre 2014 erschienen ist hat gezeigt, dass Statine das Risiko für Läsionen im Nervensystem senken könnten. Diese Medikamente würden auch bei physischen Beschwerden bei der sekundär progressiven MS helfen.

Gewisse Spezialisten vermuten, dass Cannabinoide (stammen aus Cannabis) bei der Rekonstruktion der Myelinscheide helfen könnten. Daher wäre es als Medikament bei MS denkbar.

Estriol, ein weibliches Hormon, wird manchmal bei MS eingesetzt. Lesen Sie auch unter Symptomen.

Die pharmazeutische Industrie arbeitet weiterhin an neuen Medikamenten. Die monoklonalen Antikörper scheinen besonders verheissungsvoll zu sein. Einige haben die Kapazität, die Myelinscheide wieder aufzubauen.

Alternative Behandlung

Leider gibt es keine wirklich wirksamen Alternativmethoden gegen Multiple Sklerose. Es besteht jedoch die Möglichkeit einer Homöopathie, wodurch die Symptome nicht vollständig verschwinden, jedoch die Lebensqualität des Patienten verbessert werden können.

Alternative_behandlung_multiple_skleroseEs können alternative Heilmethoden wie z.B. Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (Akupunktur) oder Aroma- und Bachblütentherapie angewendet werden. Die alternative Medizin kann jedoch die Schulmedizin nicht ersetzen. Es sind viele Produkte auf dem Markt, die viel versprechen, aber eigentlich gar nichts bringen und überteuert sind.

Personen die an einer Behandlung mit alternativen Medikamenten interessiert sind, sollten nie ohne ärztliche Einverständnis die klassische Therapie absetzen.

Ratschläge

Da die genauen Ursachen für Multiple Sklerose immer noch nicht bekannt sind, gibt es auch keine Möglichkeiten sich vollständig davor zu schützen. Es besteht aber die Möglichkeit durch bestimmte Vorkehrungen den Krankheitsverlauf zu begünstigen.

– Durch eine spezielle Form der Meditation wird die Lebensqualität von Multiple-Sklerose- Patienten verbessert. Durch dieses Training nehmen Depressionen, Ängste und Erschöpfungszustände deutlich ab.

– Die Behandlung der Multiple Sklerose erfolgt durch die Verabreichung von Kortikosteroiden, welche in hohen Mengen eingenommen werden. Es ist wichtig, dass Sie sich an die genauen Dosierungsanweisungen Ihres Arztes halten.

– Versuchen Sie Stress zu reduzieren. Studien zufolge, kann durch Stress die Zahl der Nervenläsionen in der Gehirnregion erhöht werden.

Vitamin D und Multiple Sklerose

– Vitamin D, insbesondere in sehr hohen Dosierungen (gewisse Quellen sprechen von 10’000 IE Vitamin D pro Tag), könnte eine positive Wirkung auf multiple Sklerose haben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, er kann Ihnen vielleicht eine Therapie auf Basis von Vitamin D verschreiben.

Man sollte wissen, dass Vitamin D in der medizinischen Welt zu grosser Polemik führt. Gewisse Ärzte vermuten, dass es sich fast um ein Wundermittel bei der Behandlung der MS handelt. Andere sind für diese Indikation eher skeptisch.

Auf die Spur von Vitamin D (z.T. durch die Sonne synthetisiert) kam man, weil die Inzidenz für multiple Sklerose in Ländern oder Regionen mit wenig Sonne wie z.B. in Skandinavien höher ist als in Ländern mit tropischerem Klima wie Indien.

Es fehlen zurzeit (Stand 2014) seriöse Studien um zu wissen, ob Vitamin D in der Therapie wirksam ist oder nicht.

Vorbeugung

– Stand im Jahre 2015. Die Ursachen von MS sind schlecht bekannt, es ist schwierig dieser Krankheit wirkungsvoll vorzubeugen. Hingegen gibt es hilfreiche Massnahmen bei der Behandlung der MS (sehen Sie weiter oben).

– Nicht Rauchen scheint eine wirksame Prävention zu sein. Tabakkonsum scheint ausserdem die MS Schübe zu fördern.

– Eine regelmässige Einnahme von Vitamin D könnte dem Auftreten einer MS vorbeugen.

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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 28.06.2015 verändert.

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