Schwangerschaftsdiabetes

Definition

definition_SchwangerschaftsdiabetesSchwangerschaftsdiabetes ist ein besonderer Diabetes. Es betrifft Frauen, die normalerweise unter keinem Diabetes leiden, die aber während der Schwangerschaft (vor allem zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche) daran erkranken. Einige Tage nach der Geburt ist dieser Diabetes wieder verschwunden.
Aufgrund der Schwangerschaft ist es normal, dass der Körper gegenüber Insulin resistenter wird, um Glukose für den Fötus bereitzuhalten. Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist diese Resistenz zu stark ausgeprägt.
Es gibt mehrere Risiken während der Schwangerschaft wie Diabetes, Bluthochdruck, usw. Diese Risikoschwangerschaften müssen durch den Arzt sehr gut beobachtet und betreut werden.
Es ist sehr wichtig, den Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig zu diagnostizieren, da er sowohl für die Mutter wie auch für das Kind Komplikationen bringen kann: Makrosomie (erhöhtes Geburtsgewicht), Anomalien, Fehlgeburt, usw.
Aufgrund eines Schwangerschaftsdiabetes hat die Mutter ein 7 Mal höheres Risiko einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln.
Man kann durch die Änderung der Ernährung, Sport und die Einnahme von Medikamenten den Schwangerschaftsdiabetes kontrollieren.
Die schwangere Frau, die unter diesem Diabetes leidet, muss ihren Blutzuckerspiegel bis zum Ende der Schwangerschaft messen. Es erlaubt die Kontrolle der Ernährung oder der Insulininjektionen. Manchmal verschreibt der Arzt auch orale Antidiabetika wie Metformin oder Glibenclamid.


Epidemiologie

Wie bei Typ-1- oder Typ-2-Diabetes hängt die Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes von der Ethnie ab. Beispielsweise können in Europa zwischen 3 und 6 % der Bevölkerung davon betroffen sein, während der Prozentsatz in der übrigen Welt etwas höher ist: 5 bis 10 %.
Im Juni 2016 ging die University of Toronto (Kanada), die eine Studie über Schwangerschaftsdiabetes veröffentlichte, davon aus, dass zwischen 3 und 13 % der schwangeren Frauen von dieser Diabetesform betroffen sein könnten.

Die Tendenz steigt, insbesondere bei jungen Frauen.

Bei einer Frau, die von Schwangerschaftsdiabetes betroffen ist, steigt das Risiko, dass sie innerhalb der nächsten 5 Jahre nach der Schwangerschaft an Typ-2-Diabetes erkrankt, von 20 auf 50 %, immer noch nach Angaben der University of Toronto.

Ursachen

Wie Sie bereits im Abschnitt „Definition Schwangerschaftsdiabetes“ entnehmen konnten, tritt diese Form von Diabetes bei schwangeren Frauen auf, die normalerweise nicht Diabetes krank sind. Nach der Geburt des Kindes verschwindet die Schwangerschaftsdiabetes wieder von alleine.

Während der Schwangerschaft treten eine Anzahl von Veränderungen im Körper der Schwangeren Frau auf. Diese Änderungen können zu Komplikationen führen, die gefährlich für die Mutter und das Kind werden können.

In der Regel ist die Zuckerverarbeitung während der Schwangerschaft langsamer. Wenn der Blutzuckerwert jedoch zu hoch ansteigt, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Während der “normalen” Schwangerschaft, wird der Körper der Mutter insulinresistent, um für den Fötus Glukose bereitzuhalten. Dieser normale Prozess beginnt im zweiten Trimester der Schwangerschaft und ist im 3.Trimester verstärkt, um nach der Geburt wieder zu verschwinden.
Bei Frauen, die unter einem Schwangerschaftsdiabetes leiden, ist die Insulinresistenz zu stark. Es ist daher notwendig, dass diese Glukoseresistenz das erste Mal während der Schwangerschaft diagnostiziert wird, um von Schwangerschaftsdiabetes zu sprechen.

Risikopersonen

Folgende Frauen haben ein erhöhtes Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln:
–          Übergewicht
–          Alter (>35 Jahre)
–          ethnische Herkunft
–          Auftreten von Diabetes Typ 2 in der nahen Familie (Eltern, Geschwister)
–          Ein Schwangerschaftsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft
–          Stein-Leventhal-Syndrom oder Polyzystisches Ovarialsyndrom

Übergewicht

Man sollte die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft nicht mit vorher bestehendem Übergewicht vertauschen. Wie beim Diabetes mellitus Typ 1 oder 2, ist Übergewicht ein Risikofaktor, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln.


Ethnische Herkunft

Es scheint so, dass die Kaukasier weniger von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sind. Er tritt eher bei afrikanischen oder asiatischen Menschen auf.

Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft

Wenn man bereits einmal an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt ist, wird der Belastungstest durch den Frauenarzt bereits früher durchgeführt. Man wartet nicht bis zur 24. Schwangerschaftswoche. Dies erlaubt eine frühzeitige Behandlung, um Komplikationen zu vermeiden.

Stein-Leventhal-Syndrom oder Polyzystisches Ovarialsyndrom

Dieses Syndrom ist noch wenig bekannt. Es liegt aber ein hormonelles Ungleichgewicht vor, das zum Auftreten einer Insulinresistenz führen kann.

Symptome

Die Symptome bei Schwangerschaftsdiabetes sind die gleichen wie bei einer normalen Diabetes-Erkrankung:- Polyurie (konstantes Bedürfnis zu urinieren)

– Intensiver Durst (verursacht durch die Polyurie)

– ungewohnte Müdigkeit

Wenn diese Symptome auftreten, wird eine schnelle Konsultation empfohlen.

Diagnose

Der behandelnde Arzt kann die Diagnose durch die Ausführung verschiedener Examen bestätigen:

– Glucose: Bestimmung des Blutzuckers

– Glykosurie: Konzentration von Zucker im Urin

– Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Bei diesem Test wird der Blutzuckerwert einmal auf nüchternen Magen und nach der Verabreichung von 75 Gramm Glukose nach 2 Stunden ermittelt. Dieser Test ermöglicht die Aufnahme von Zucker zu analysieren. Bei einer gesunden Person sinkt der Blutzuckerwert schneller und sorgt für eine gute Aufnahme des Zuckers.

Dieser Test wird bei allen schwangeren Frauen zwischen der 24. und 28. Woche empfohlen.
Wenn Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes vorliegen, wird der Test bereits in der 12. Woche empfohlen. Ist das Resultat negativ, wird der Test zwischen der 24. und 28. Woche wiederholt.
Folgende Grenzwerte gelten:
Nüchterner Blutzucker: ≥ 5,1 mmol/l
Blutzucker 1 Stunde nach dem Glukosetoleranztest: ≥ 10 mmol/l
Blutzucker 2 Stunden nach dem Glukosetoleranztest: ≥ 8.5 mmol/l
Die Bestimmung des glykolisierten Hämoglobins (HbA1c), ist bei der Diagnosestellung eines Schwangerschaftsdiabetes nicht indiziert.

Komplikationen

Wie für alle Diabetiker, ist der abnorme Blutzuckerspiegel schlecht für den Körper.

Komplikationen_schwangerschaftsdiabetes
Bei schwangeren Frauen hat der Diabetes ebenfalls Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung des Kindes. Deshalb muss der Schwangerschaftsdiabetes kontrolliert und behandelt werden. Man kann zwei Arten von Komplikationen dieser Erkrankung aufzählen: Die Komplikationen für die Mutter und die Komplikationen für das noch ungeborene Kind.

Mütterliche Komplikationen aufgrund eines Schwangerschaftsdiabetes

–          Risiko für eine Präeklampsie und Kaiserschnitt
–          Risiko für eine Fehlgeburt
–          erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2
–          erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes bei einer nächsten Schwangerschaft

Präeklampsie und Kaiserschnitt

Die Präeklampsie ist unter anderem das Auftreten von arteriellem Bluthochdruck während des zweiten Trimesters der Schwangerschaft. Wird sie nicht behandelt, kann es zu einer Eklampsie (d.h. zum Auftreten von schweren Konvulsionen wie bei der Epilepsie) oder anderen schweren Komplikationen für die Mutter und das Kind kommen:
–          Eine Niereninsuffizienz
–          eine verminderte Durchblutung der Plazenta, was zu einer schlechten Entwicklung des Fötus und eine Wachstumsverzögerung zur Folge hat
–          Ein Ablösen der Retina bei der Mutter
–          usw.

Potentielle Komplikationen für das ungeborene Kind
–          grosses Geburtsgewicht (Makrosomie, 4 bis 4,5kg), es wird oft ein Kaiserschnitt geplant

Behandlung

Als erste Maßnahme wird der behandelnde Arzt dem Patienten zu einer gesunden Ernährung raten. Eine gesunde Ernährung ist von wesentlicher Bedeutung bei schwangeren Frauen, um die Gesundheit des Kindes zu gewährleisten und die Diabetes-Erkrankung zu regulieren.

Behandlung_schwangerschaftsdiabetes

– Regelmäßiger Verzehr von Gemüse und Salaten

– Bevorzugt Vollkorbrote und Vollkornprodukte.

– Reduzierung bis sogar zum ganzen Verzicht von Zucker, süßen Getränken, Säfte, Süßigkeiten, Schokolade und Keksen.

– Sportliche Tätigkeiten sind zu empfehlen, jedoch nur in Maßen, da nicht alle körperliche Aktivitäten während der Schwangerschaft geeignet sind.

Zu den körperlichen Aktivitäten während der Schwangerschaft zählen Schwimmen, Fahrradfahren und Spazierengehen.

Vor nachfolgenden Sportarten ist während der Schwangerschaft abzuraten: Kampfsport, Leichtathletik, Skifahren und Reiten.

Sollten all diese Vorbeugungen keine Wirkungen bei der Kontrolle der Schwangerschaftsdiabetes zeigen, kann der Arzt bis zum Schwangerschaftsende Insulin verabreichen.

Sie muss ebenfalls ihren Blutzuckerspiegel überwachen, bevor sie die Ernährung und wenn nötig die Behandlung mit Insulin (die Menge des gespritzten Insulins) anpasst. Es wird empfohlen, die Messungen nüchtern und nach jeder Mahlzeit durchzuführen.
Als Alternative zum Insulin gibt es Metformin und Glibenclamid, da ihre Plazentagängigkeit als sehr schwach bewertet wird. Das Collège National des Gynécologues et Obstétriciens Français empfiehlt diese Behandlung nicht systematisch.

Ratschläge

Der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet normalerweise nach der Geburt. Wenn der Diabetes korrekt behandelt wurde, gibt es in den meisten Fällen auch keine Folgeschäden.
Es ist ebenfalls wichtig, den Arzt frühzeitig über Familienmitglieder zu informieren, die bereits Schwangerschaftsdiabetes hatten (genetischer Faktor) oder wenn man bereits ein Kind mit grossem Geburtsgewicht (über 4kg) zur Welt gebracht hat. Es ist möglich, dass diese Frauen während der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Es ist ebenfalls äusserst wichtig, dass der Gynäkologe eine frühzeitige Diagnosestellung (vor der 24. Schwangerschaftswoche) verlangt, damit die Behandlung rechtzeitig beginnen kann.
Während der Schwangerschaft ist es wichtig, dass man sein Gewicht mit Hilfe der Ernährung kontrolliert und leichte sportliche Aktivität ausführt; es muss aber Freude machen. Die zukünftige Mutter sollte genügend trinken und die Mahlzeiten wie auch die Imbisse gut aufteilen.
Wenn eine Behandlung mit Insulin verschrieben ist, muss sich die schwangere Frau nicht beunruhigen, da Insulin die Plazenta nicht durchdringen und so das ungeborene Kind nicht schädigen kann.
Es wird aber empfohlen, regelmässig den Blutzucker zu messen, um die Ernährung und die Insulindosen anzupassen.

Prävention

Es ist nicht immer möglich, einem Diabetes vorzubeugen, z.B. wenn genetische Faktoren vorliegen. Andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Ernährung und Sesshaftigkeit können jedoch beeinflusst und minimiert werden.
Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert ist, werden in erster Linie hygienisch-diätetische Massnahmen empfohlen. Ein Wechsel des Lebensstils wird notwendig. Dies wird bei fast 80% der Patienten hilfreich sein.
Es ist notwendig, dass man auf eine gute Ernährung mit 5 bis 6 Mahlzeiten pro Tag achtet. Die Kalorienzufuhr sollte folgendermassen aufgeteilt sein: 10% beim Frühstück, 30% beim Mittagessen und 40% am Abend, sowie 2-3% durch kleine Imbisse.
Die Qualität der zugeführten Kalorien ist ebenfalls wichtig. Es wird empfohlen, Kohlenhydrate mit einem tiefen glykämischen Index zu konsumieren, damit sich der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht zu stark erhöht.
Für das Wohlbefinden der Mutter und des Kindes, sollte man die Ernährung nie drastisch zurückfahren. Das wichtige ist, dass man gesund isst. Alle schwangeren Frauen sollten täglich mindestens 1600kcal einnehmen.
Durch die hygienisch-diätetischen Massnahmen, sollte ein Übergewicht vermieden werden können. Übergewicht kann ebenfalls ein Risikofaktor für Schwangerschaftsdiabetes sein.

Wie übersetzt man Schwangerschaftsdiabetes in andere Sprachen ?
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 13.10.2016 verändert.

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