Urolithiasis

Definition

Definition_urolithiasisDie Steine bilden sich in bestimmten Organen, die auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr angewiesen sind. Es handelt sich dabei um mineralische oder organische Stoffe, die sich nicht mehr auflösen und daher in Form von kleinen Steinen oder Kristallen anlagern.

Es gibt unterschiedliche Formen in den verschiedenen Organen: in der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse, den Speicheldrüsen, den Tränenkanälen oder auch den Harnwegen.
Bei der Bildung von Steinen im Harnsystem spricht man von Harngriess. Dieser setzt sich in den Harnwegen ab (Nierenbecken, Harnröhre, Blase). Oft bilden sich die Steine in der Niere, um dann in die Harnröhre oder Blase weiterzuwandern. Ihre Zusammensetzung kann variieren, daher wird die Behandlungsstrategie an die Art der Steine und den betroffenen Bereich des Harnsystems angepasst.
Im Allgemeinen werden diese Kristalle oder Steine mit dem Urin ausgeschieden. Je nach Grösse und Form können sie aber auch in den Organen und Kanälen des Harnsystems hängen bleiben und Schmerzen und medizinische Komplikationen verursachen.

Urolithiasis_definition

Epidemiologie

Man schätzt, dass rund 12 % der Weltbevölkerung unter Harnsteinen leiden oder leiden könnten.

Es ist davon auszugehen, dass 24 % der Bevölkerung eine genetische Prädisposition für Harnsteine aufweist.
Am häufigsten treten Harnsteine zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

Ursachen

Harnsteine entstehen dadurch, dass Salze wie beispielsweise Calciumoxalat im Urin nicht mehr gelöst vorkommen. Sie treten dann als Kristalle auf, die sich zu immer grösseren Gebilden zusammenfügen und irgendwann mit den beschriebenen Symptomen auffallen.

Harnsteine können aufgrund verschiedener Ursachen auftreten, so zum Beispiel wegen einem genetischen Defekt der Niere, einer angeborenen Stoffwechselstörrung oder nach urologischen, operativen Eingriffen.

Ursachen_urolithiasisZudem sind verhaltensbedingte Ursachen möglich: Übergewicht, Fehlernährung oder Dehydrierung (Austrocknung des Körpers durch Flüssigkeitsmangel). Auch verschiedene Krankheiten begünstigen die Entwicklung von Nieren-, Blasen- oder Uretersteinen: Harnwegsinfekte, Harnabflussstörungen oder Magersucht.
Faktoren und Erkrankungen, die zu  Urolithiasis führen können
Ernährungsfehler, die die Bildung von Harnsteinen begünstigen können:
– Unzureichende Zufuhr von Flüssigkeiten, vor allem Wasser. Die Flüssigkeit dient dazu, den Urin zu verdünnen und die Bildung von Kristallen zu vermeiden.
– Ernährungsbedingter Kalziummangel
– (Übermässige) Kalziumzufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel
– Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischem Eiweiss
– Ernährung mit hohem Zuckeranteil (Fruktose)
– Ernährung mit einem zu geringen Anteil an Phytinsäure (enthalten in Reis, Roggen, Weizen, Bohnen)
– Ernährung mit hohem Natriumanteil
– Übermässiger Verzehr von Spinat
– Alkoholkonsum, bewirkt eine Dehydrierung, die die Bildung von Mikrokristallen in den Nieren begünstigt. Bier ist von allen alkoholischen Getränken am schädlichsten für die Nieren.
– Ernährung mit hohem Anteil an rotem Fleisch, Salz oder Fett.

Ausserdem führen bestimmte Krankheiten zu einem höheren Risiko von Nieren- und Harnsteinen:
– Primärer Hyperparathyreoidismus
Gicht (siehe oben unter Harngriess)
– Adipositas
– Diabetes
Morbus Crohn
– Magen- oder Darm-Bypass

Symptome

Auch wenn die Erkrankung asymptomatisch (ohne Symptome) verlaufen kann, treten bei Nierensteinen in der Regel folgende Symptome auf:
– Nierenkoliken (Hauptkomplikation bei Harnsteinen)
– Ausscheidung kleiner Kristalle im Urin
– Hämaturie (rosa oder rotes Blut im Urin, manchmal mit blossem Auge gar nicht sichtbar)
– Gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen)
– Schmerzen beim Wasserlassen
– Harndrang

Nierenkoliken sind starke Schmerzen, die in der Regel 20 bis 60 Minuten anhalten und in der Lendenregion in der Nähe der Hüfte einseitig auftreten können. Die Schmerzen sind auf eine Verstopfung der Harnwege zurückzuführen. Um die Steine loszuwerden, ziehen sich die Organe zusammen. Das verursacht Schmerzen und manchmal sogar eine Distension.

Diagnose

Der behandelne Arzt (Urologe) verfügt über mehrere Möglichkeiten, um eine Urolithiasis zu diagnostizieren:

Diagnose_urolithiasis
– Röntgenaufnahme des Bauches
– Sonographie
– Intravenöse Urographie

Eine umfangreiche, Untersuchung des ganzen Körpers (Blutdruck, Puls, Darmgeräusche, Körpergewicht etc.) gehören auch dazu.

Nach Erstellung der Diagnose wird analysiert, welche renale Region betroffen ist.

Komplikationen

Koliken sind die häufigsten Komplikationen bei einer Urolithiasis.

Wenn die Urolithiasis nicht behandelt wird, kann dies zu einer Infektion führen. Es kann zur Veränderung der Nierenfunktion oder einer Obstruktion der Niere führen.

Behandlung

Behandlung_urolithiasisDie Harnsteine werden je nach Art, Grösse, Stelle und Zustand des Patienten behandelt. Wenn ein Patient nicht zu schmerzempfindlich ist, sich selbstständig ernähren und hydrieren kann, kann er ohne invasiven Eingriff des Arztes zu Hause behandelt werden. Die Steine (die in der Regel kleiner als 5 mm sind) werden auf natürlichem Weg mit dem Urin ausgeschieden.

Der Patient muss seinen Urin beobachten, die Steine (Kristalle) aufheben und dem Arzt übergeben. Dieser kann deren Zusammensetzung dann im Labor untersuchen. Durch Bestimmung der Zusammensetzung der Steine (siehe Ursachen von Harnsteinen) kann der Arzt dem Patienten bessere Ratschläge zur Prävention und Vermeidung eines Rezidivs geben.

Zur Behandlung von Harnsteinen werden üblicherweise nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) gegen die Schmerzen und die Entzündung verabreicht.
Mit Alphablockern kann zudem die Ausscheidung der Harnsteine mit dem Urin beschleunigt werden.
Ausserdem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine auf die Art der Harnsteine abgestimmte Ernährung zu achten. Zu meiden sind:
– Lebensmittel mit hohem Oxalsäuregehalt: rote Bete, Sauerampfer, bestimmte Obst- und Gemüsesorten.
– Lebensmittel, bei deren Verstoffwechselung grosse Mengen an Harnsäure entstehen: Kalbsbries, Innereien, Leber, Hering.
Bei kalkhaltigen Harnsteinen muss auf den pH-Wert im Urin geachtet werden.

Grosse Steine, in der Regel über 9 oder 10 mm, können nicht auf natürlichem Weg über das Harnsystem ausgeschieden werden. In diesem Fall gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Steine zu entfernen oder zu zertrümmern:
– Extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL)
– Ureteroskopie
– Perkutane Nephrolithotomie
– Perkutane Ultraschall-Lithotripsie
– Endoskopische Laserlithotripsie
– Endoskopische Stosswellenlithotripsie
– Chirurgie, nur in 10 % der Fälle indiziert, wenn festgestellt wird, dass der Stein in der Harnröhre festsitzt und nicht ausgeschieden werden kann.

Bei Nierenkoliken (akute Komplikation bei Nierensteinen) ist Folgendes entscheidend:
– während des Anfalls nicht trinken (um die betroffene Niere nicht zu überlasten)
– Schmerzen lindern (mit NSAID)
– Krämpfe lindern
Sobald die Schmerzen verschwinden, sollte ausreichend getrunken werden, um Rückstände auszuschwemmen.

Heilpflanzen

Personen mit einer Neigung zur Bildung von Nieren- oder Blasensteinen (oder Uretersteinen), können folgende Heilpflanzen als zusätzliche Therapie verwenden:

ail_urolithiasis> Knoblauch (als Gewürz beim Essen)

 

 

citron_urolithiasis> Zitronensaft (jeden Morgen)

 

 

wacholder_urolithiasis> Wacholder (als Infusion)

 

 

ortie_urolithiasis> Nesseln (als Aufguss, um eine Urolithiasis zu verhindern)

 

Heilpflanzen_urolithiasis> Ysop (Hyssopus officinalis) als Aufguss: 20 Gramm auf 1 Liter Wasser

Hinweis: Die Aufgüsse können 2 bis 3 mal täglich eingenommen werden.

Homöopathie

Zur Beruhigung der Schmerzen können die unten aufgeführten homöopathischen Mittel eingenommen werden.

Nehmen Sie jeweils 3 Globuli alle 15 Minuten ein.
– Belladonna 7CH
– Berberis vulagaris 5CH
– Calcarea carbonica 5 CH
– Lycopodium 5 CH (Bärlappe)
– Pareira brava 5CH

Homeopathie_urolithiasis

Tipps

– Trinken Sie viel Wasser, mindestens 2 Liter täglich, also ca. 6 bis 8 Gläser

– Reduzieren Sie Ihre Salz- und Eiweissaufnahme

– Schränken Sie bei Harnsteinen den Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Oxalsäureanteil ein, z. B. Sauerampfer, rote Bete oder bestimmte Obst- und Gemüsesorten.

– Essen Sie mehr Obst mit hohem Kaliumgehalt wie Bananen oder Trockenfrüchte

– Essen Sie Lebensmittel mit hohem Kalziumgehalt (Milchprodukte usw.) oder nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel auf Kalziumbasis ein (jedoch nicht in zu hohen Mengen und vorzugsweise zum Essen und nicht zwischen den Mahlzeiten).

Wie übersetzt man ​Urolithiasis in andere Sprachen ?

 

Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 20.03.2015 verändert.

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