Windpocken

Definition

Die Windpocken (auch Varizellen genannt) sind eine hochansteckende Virusinfektion. Die Infektion zeichnet sich durch das Erscheinen von Bläschen auf dem ganzen Körper aus.
Die Windpocken werden häufig von leichtem Fieber begleitet.


Definition_windpocken

Die Windpocken sind eine Krankheit, die häufig bei Kindern (in der Regel unter 10 Jahren) ausbricht, jedoch stecken sich auch Erwachsene und Jugendliche mit dieser Krankheit an.

In der Regel sind Windpocken bei Kindern harmlos, dies ist aber nicht unbedingt der Fall bei Kindern, die an Immunschwäche leiden und bei Neugeborenen. Es kann ebenfalls vorkommen, dass von der Krankheit ein Leben lang Narben auf der Haut zurückbleiben.

Windpocken sind hochansteckend.  Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen infizierter Personen oder durch Kontakt mit den Hautbläschen übertragen. Falls Ihr Kind also an Windpocken erkrankt ist, schicken Sie es nicht in die Schule oder in den Kindergarten, um eine Übertragung der Krankheit auf die anderen Kindern zu vermeiden.

Windpocken und Gürtelrose (Gürterlrose Windpocken) –  was ist der Zusammenhang?

Leider kann es vorkommen, dass das Varizellenvirus im menschlichen Körper versteckt bleibt, vor allem auf der Ebene der Gesichtsnerven oder der Lymphknoten, und viele Jahre (20, 30 Jahre) nach der Erkrankung als Kind wieder auftritt. Das Virus manifestiert sich dann als infektiöse Krankheit, die den Namen Gürtelrose (Herpes Zoster) trägt. Diese brichr vor allem aus, wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind (durch Stress, Krankheit…). Bei der Gürtelrose handelt es sich um das gleiche Virus wie bei den Windpocken.

Impfung gegen Windpocken

– Bevor in den USA die grossflächige Impfung gegen Windpocken eingeführt wurde, gab es jährlich etwa 10’000 Spitaleinlieferungen als Folge von Komplikationen (Lunge, Hirn, Haut, usw.) und etwa 70 bis 100 Tote [Quelle: Perelman, School of Medicine, University of Pennsylvania].

Ursachen

Die Windpocken werden durch ein Virus namens Varicella-Zoster-Virus übertragen. Dieses Virus ist ein DNA Virus.

Wie schon erwähnt, sind Windpocken hoch ansteckend. Die Windpocken Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen und Spucken einer infizierter Person. Das Virus überträgt sich auch durch das Teilen eines Getränkes oder auch nur beim Sprechen. Die Übertragung erfolgt auch durch die Flüssigkeit, die in den Bläschen enthalten ist.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Übertragung des Virus auch vor dem Auftreten der Bläschen auf der Haut erfolgen kann, in der Regel 2 oder 3 Tage vor dem Erscheinen der ersten Symptome auf der Haut. Die Ansteckungszeit dauert an bis sich die Bläschen auf der Haut verkrusten. Vermeiden Sie also, Ihr Kind während dieser Zeit (bis sich die Bläschen verkrusten) in die Schule zu schicken.

Risikopersonen

Risikopersonen_windpockenDa Windpocken äusserst ansteckend sind, können sich theoretisch alle Personen mit dem Virus infizieren, die Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person haben, vorausgesetzt, die Personen sind in ihrem Leben noch nie an Windpocken erkrankt. In der Regel sind aber Kinder besonders anfällig, an Windpocken zu erkranken.

Symptome

Die ersten Symptome der Windpocken sind folgende:

–  leichtes Fieber (in der Regel weniger als 38°)
–  Kopfschmerzen
–  Appetitlosigkeit
–  eine vorübergehende Rötung der Haut
–  Müdigkeit
–  Halsschmerzen

Zwei bis drei Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome (diese treten aber nicht zwingend auf!), kommt es zu einer Blasenbildung auf der Haut, den sogenannten Windpocken.

Die Inkubationszeit der Windpocken, das heisst, die Zeit zwischen der Ansteckung des Körpers mit dem Virus und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt ungefähr 15 Tage.

Information zu den Windpockenbläschen

–  Die Windpocken zeichnen sich auf der Haut durch einen juckenden Hautausschlag aus, der sich dann in flüssigkeitsgefüllte, rote Hautbläschen verwandelt. Innerhalb von 24h trocknen diese aus und verkrusten. Ein bis sechs Tage später kommt es zur Bildung von weiteren Bläschen, die sich entweder auf bestimmte Körperstellen beschränken oder sich auch über den ganzen Körper verbreiten.

–  Am Anfang erscheinen die Windpocken vor allem auf dem Brustkorb, diese können sich aber mit der Zeit auf den ganzen Körper verteilen, bis in die Gesichtspartie. Die Windpocken erscheinen als Folge von nacheinanderfolgenden Ausbrüchen.

–  Die Zeit zwischen der Bildung der ersten Windpocken und der Verkrustung aller Blasen beträgt etwa 10 Tage. Wenn sich alle Windpocken verkrustet haben, geht von Ihrem Kind keine Ansteckungsgefahr mehr aus.

–  Der Hautausschlag und die Bläschen verursachen einen starken Juckreiz.

–  In der Regel hinterlassen die Bläschen keine Narben, es kann aber sein, dass sich Narben bilden, wenn die Bläschen aufgekratzt wurden. Diese Narben bleiben dann ein Leben lang, sind aber klein und gelten als charmant….

Diagnose

In der Regel kann der Arzt Windpocken durch die Symptome (insbesondere Hautausschlag und Bläschen) sehr leicht diagnostizieren. In Zweifelsfällen, vor allem bei Risikogruppen (schwangeren Frauen), stehen dem Arzt weitere Untersuchungen zur Verfügung, um Windpocken eindeutig zu diagnostizieren.

Komplikationen

Windpocken bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen kann es durch Windpocken zu Komplikationen kommen (sekundäre bakterielle Infektionen der Lunge oder der Haut, virale Kleinhirnentzündungen oder Hirnhautentzündungen): vor allem bei Immunsupprimierten oder bei Patienten, die mit Kortison behandelt werden.

Windpocken bei Kindern

Das Risiko, an einer schweren Komplikation zu erkranken, ist bei Kindern 10 Mal geringer als bei Erwachsenen. Falls es zu einer Komplikation kommt, betrifft es wie bei den Erwachsenen die Lunge, das Gehirn oder die Haut.

Windpocken bei schwangeren Frauen

Komplikationen_windpockenBei schwangeren Frauen kann eine Erkrankung an Windpocken zu Missbildungen des Fötus führen. Aus diesem Grund sollten schwangere Frauen, die in der Vergangenheit nicht an Windpocken erkrankt und/oder nicht gegen Windpocken geimpft sind, jeglichen Kontakt mit infizierten Personen vermeiden.

Sollten Sie während Ihrer Schwangerschaft an Windpocken erkranken, dann begeben Sie sich unverzüglich in medizinische Behandlung.

Bemerkung: Wenn man schon mal an Windpocken erkrankt ist, kann man nicht ein zweites Mal daran erkranken. Es kann jedoch sein, dass das Virus im Körper versteckt bleibt und Jahre später unter der Form der Gürtelrosenkrankheit wieder ausbricht.

Der Körper ist gegen eine erneute Erkrankung an Windpocken immun, da der Körper durch die Erkrankung an Windpocken sogenannte Antikörper gebildet hat, die einen zweiten Ausbruch der Krankheit verhindern. In anderen Worten, bei einer zweiten Infektion durch das Virus, treten beim Betroffenen keine Symptome auf.

Wann Zum Arzt?

Bei einer Erkrankung mit Windpocken konsultieren Sie Ihren Arzt, damit er Ihnen eine angemessene Behandlung verschreiben kann.

Der Arzt sollte zudem unbedingt in folgenden Fällen konsultiert werden:

–  Bei starken Kopfschmerzen, permanentem Brechreiz, Empfindlichkeit gegenüber Licht, Müdigkeit und bei einem verwirrtem Geisteszustand. Alle diese Symptome können auf eine Hirnhautentzündung hindeuten. Eine ärztliche Behandlung ist in diesen Fällen notwendig.

–  Bei Atemschwierigkeiten oder anhaltendem Husten, dies können Symptome einer Varizellen Lungenentzündung sein.

–  Wenn die Bläschen sehr gross sind und der Juckreiz sehr stark ist.


–  Bei starkem Fieber

–  Wenn Bläschen in der Nähe der Augenpartie auftreten.

–  Bei schwangeren Frauen und immunschwachen Personen, falls diese als Kinder nicht an Windpocken erkrant sind. Diese Personen bilden eine Risikogruppe, eine Erkankung an Windpocken kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

Wichtig: Diese Liste ist nicht komplett, bei jeglichen verdächtigen Symptomen, konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.

Behandlung

Bei der Behandlung der Windpocken unterscheidet man die Methoden, um die Windpocken zu behandeln (Behandlungsmassnahmen) und die Impfung gegen Windpocken (vorbeugende Massnahme):

1. Behandlung der Windpocken

In der Regel beruht die Therapie der Windpocken auf einer Behandlung der Symptome der Krankheit.

Medikamente zur Behandlung der Windpocken, wenn kein Risiko von Komplikationen besteht

–  Um das Fieber zu senken und die Schmerzen zu lindern: Paracetamol (vermeiden Sie bei Kleinkindern das Aspirin).

–  Gegen den Juckreiz: Antihistaminika (mit Dimetinden, Cetirizin oder Levocetirizin). Diese sind als Gel oder Salbe erhältlich (zum lokalen Auftragen) oder auch als Tabletten oder Tropfen (zum Schlucken).

–  Um die Bläschen zu trocknen, zu desinfizieren und zu beruhigen: Lotionen mit Zinhoxid, in der Schweiz erhältlich unter dem Namen Tanno-Hermal® Lotion (für die Dosierung, fragen Sie Ihren Apotheker).

–  Zinkschüttelmixtur (Rezept: siehe unten), kann von Ihrem Apotheker auf Anfrage zubereitet werden und hilft, die Bläschen auszutrocknen.

Rezept der Zinkschüttelmixtur- Suspensio agitanda zinci (für100 g)

– Zinci oxidum: 22,22 g

– Talcum: 22,22 g

– Glycerolum 85%: 22,22 g

– Ethanolum 70% V/V: 16,66 g

– Aqua purificata: 16,66 g

–  Bei Kleinkindern können Sie ebenfalls Oxyplastin® verwenden, um die Haut zu schützen.Für die Dosierung der Zinkschüttelmixtur wenden Sie sich an Ihren Apotheker. In der Regel wird die Zinkschüttelmixtur mit einem Wattestäbchen (Q-Tips®) auf das Bläschen aufgetragen.

–  Um die Bläschen zu beruhigen und eine Entzündung dieser zu verhindern, gibt es die Möglichkeit eines desinfizierenden Bades, in der Schweiz können Sie zum Beispiel Septivon® ins Badewasser hinzufügen.

Medikamente zur Behandlung von Windpocken, wenn ein Risiko von Komplikationen besteht

–  Wenden Sie vorerst die gleichen Medikamente zur Behandlung der Windpocken an, die oben aufgeführt sind: siehe oben.

–  Jedoch: Durch das Aufkratzen der Bläschen kann es zu einer Zweitinfektion kommen, in diesen Fällen wird diese mit vom Arzt verschriebenen Antibiotika behandelt.

–  Wenn ein schwerwiegendes Risiko von Komplikationen auftritt (bei immungeschwächten Personen), können antivirale Medikamente (mit Aciclovir) oder Immunglobuli (Typ G, IG) vom Arzt verschrieben werden.

2. Impfung gegen Windpocken

In der Schweiz wird die Impfung in der Regel nicht grossmassstäblich empfohlen, da die Krankheit hierzulande im Normalfall harmlos verläuft. Eine Impfung ist jedoch bei Erwachsenen sowie bei immunschwachen Kindern zu empfehlen. Fragen Sie Ihren Arzt über die Notwendigkeit einer Windpockenimpfung.

Halten wir fest, dass die Empfehlungen in den USA sich hauptsächlich an einer grossflächigen Impfung von Kindern gegen Windpocken orientieren. Tatsächlich empfehlen die Gesundheitsbehörden dieses Landes die Impfung gegen die Windpocken für jedes Kind. Gemäss ihnen, gab es vor der grossflächigen Impfung viele Tausende Spitaleinlieferungen und etwa 70 bis 100 Tote pro Jahr: dies auf Grund von Komplikationen durch Windpocken in der Lunge oder im Gehirn (Hirnhautentzündung).

Schliesslich werden Jugendliche in Deutschland, die die Schule beendet haben, geimpft, insofern sie die Windpocken bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatten. Damit möchte man verhindern, dass die Jugendlichen als Erwachsene an Windpocken erkranken, da es im Erwachsenenalter zu Komplikationen kommen kann ( z.B Schwangerschaft).
Bemerkung von Kreapharma.ch: Wir unterstützen die in Deutschland vertretene Meinung, da sie sich zwischen dem schweizerischen und dem amerikanischen Standpunkt als gutes Mittelmass erweist.

Ratschläge

Ratschlaege_windpocken– Schneiden Sie Ihrem Kind die Fingernägel, dadurch wird verhindert, dass beim Kratzen der Haut Narben entstehen oder dass sich die Bläschen entzünden. In diesen Fällen muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen.

Sobald sich ALLE Bläschen verkrustet haben (etwa 10 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome), kann Ihr Kind wieder in die Schule oder in den Kindergarten gehen, da kein Ansteckungsrisiko mehr besteht.

Bemerkung: diese Ratschläge richten sich an Eltern von Kindern, die an Windpocken erkrankt sind, da diese Krankheit in der Regel während der Kindheit ausbricht (im Alter zwischen 2 und 10 Jahren). Natürlich gelten die gleichen Ratschläge für Jugendliche und Erwachsene.

Vorbeugung

– Die beste Methode, um eine Ansteckung durch das Windpockenvirus zu vermeiden, ist eine Impfung. Seit den 80er Jahren gibt es eine solche Impfung gegen Windpocken, die aus dem Varizellenvirus zusammengesetzt ist. Ab dem 12. Lebensmonat können Kleinkinder geimpft werden.

– Man ist der Meinung, dass es wichtig ist, bereits als Kind (ausgenommen es leidet an Problemen mit dem Immunsystem) an Windpocken zu erkranken. Man weiss, dass die Windpocken bei Erwachsenen häufiger zu Komplikationen führen (vor allem bei schwangeren Frauen). Daher kann es hilfreich sein, wenn man das Kind zu an Windpocken erkrankten Freunden bringt, damit es sich ansteckt (Windpocken sind sehr ansteckend). Gewisse Spezialisten der Impfung (vor allem Amerikaner) sind der Meinung, dass die Idee der „Varizellen-Party“ („chicken pox party“ auf Englisch), um natürlicherweise an Windpocken zu erkranken, nicht empfehlenswert ist. Sie bevorzugen die Impfung, da man gemäss ihnen damit die Komplikationen der Windpocken vermeiden kann.
Halten wir zudem fest: Wenn man ein Mal an Windpocken erkrankt ist, kann man kein zweites Mal daran erkranken (man sagt also, dass man lebenslang immun ist). Nach einigen Jahrzenten können die Windpocken zwar wieder als Herpes zoster erscheinen, was aber wiederum ein anderes Problem ist.

Wie übersetzt man Windpocken in andere Sprachen ?
  • Portugiesisch: varicela
  • Spanisch: varicela
Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 25.04.2016 verändert.

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