Epilepsie

Definition

Definition_epilepsieBei Epilepsie handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Gehirns. Man spricht dabei nicht von einer Krankheit, sondern von mehreren gleichzeitig auftretenden Erkrankungen im Zentralnervensystem. Sie entsteht durch elektrische Entladungen in einem Teil oder im gesamten Bereich des Gehirns.


Die Symptome bei einem epileptischen Anfall können variieren. Man unterscheidet dabei fokale und generalisierte Anfälle (Absencen, tonisch-klonische, myoklonische und atonische Anfälle).

Jeder Mensch kann rein theoretisch einen epileptischen Anfall erleiden. Jedoch spricht man bei einem Anfall nicht gleich von einer Epilepsie, da diese Anfälle mehrmals auftreten müssen.

Epidemiologie

Epidemiologie_EpilepsieSchätzungsweise leiden etwa 1 bis 3% der Weltbevölkerung an Epilepsie. In Entwicklungsländern, wo noch Probleme in der Gesundheitsversorgung, Unterernährung oder andere Krankheiten bestehen, kann die Inzidenz bis zu 2% betragen. In den entwickelten Ländern beträgt die Zahl etwa 1%.

In Deutschland leiden etwa 450’000 bis 500’000 Menschen an Epilepsie. Jährlich kommen neue Patienten dazu. Es ist zu beachten, dass jeder Mensch an Epilepsie leiden kann.

Ursachen

Ursachen_epilepsieBei etwa 50% der Fälle von Epilepsie sind die genauen Ursachen nicht bekannt. Folgende Faktoren können für die Entstehung von Epilepsie verantwortlich sein:

Genetische

In einigen Fällen kann Epilepsie vererbt werden. Forscher nehmen an, dass etwa 500 verschiedene Gene in Verbindung mit Epilepsie stehen. Darüber hinaus können ökologische und soziale Faktoren für die Entstehung von Epilepsie verantwortlich sein.

Kopfverletzungen

Verletzungen am Kopfbereich, die beispielsweise bei einem Autounfall oder einem Sturz verursacht werden, können Epilepsie hervorrufen.

avc_epilepsieSchlaganfall und Infarkte

Schlaganfälle sind für etwa 65% der Fälle von Epilepsie bei Menschen über 60 Jahren verantwortlich.

Demenz

Das Stadium der Demenz ist eine wichtige Ursache für die Entstehung von Epilepsie bei älteren Menschen.

Infektionen

Krankheiten wie Meningitis, AIDS (HIV) und eine virale Enzephalitis, können epileptische Anfälle auslösen.

Schäden pränataler Infektionen

Es handelt sich dabei um eine Schädigung, die durch Sauerstoffmangel oder eine unzureichende Ernährung verursacht werden. Einige Fälle von Epilepsie bei Kindern, stehen in Zusammenhang mit einer infantilen Zerebralparese und anderen neurologischen Erkrankungen.

Vergiftung

Neurotoxische Giftstoffe können das Auftreten von epileptischen Anfällen begünstigen.

Hohes Fieber

Hohes Fieber kann zu epileptischen Anfällen führen. Dies gilt besonders bei Kindern.

Entwicklungsstörung

Bestimmte Erkrankungen, wie beispielsweise Autismus und das Down-Syndrom, werden mit Epilepsie in Verbindung gebracht.

Es wird vermutet, dass diese Faktoren eine erhöhte Erregbarkeit der Neuronen im Gehirn auslösen, wodurch sich elektrische Impulse verbreiten.

Risikogruppen

Jeder Mensch kann in seinem Leben einen epileptischen Anfall erleiden. Jedoch spricht man in diesem Fall nicht gleich von Epilepsie, da dafür mehrere Anfälle auftreten müssen. Es existieren jedoch einige Faktoren, welche das Risiko für das Auftreten von Epilepsie erhöhen können. Zu diesen Risikogruppen zählen:

– Männer haben ein leicht höheres Risiko für die Entstehung von Epilepsie als Frauen.

– Obwohl es sich bei Epilepsie um eine Krankheit handelt, die jederzeit im Leben auftreten kann, sind Menschen über 65 Jahren und Kinder einem höherem Risiko ausgesetzt.

– Menschen, die einen Fall von Epilepsie in der Familie haben.

– Personen mit Kopfverletzungen, die beispielweise durch einen Autounfall oder einen Sturz verursacht werden.

– Menschen, die einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben.

– Patienten, die eine Infektion wie zum Beispiel Meningitis erlitten haben.

Symptome

Symptome_epilepsieDie Symptome bei einem epileptischen Anfall können variieren. Bei einigen Anfällen kann es zu Bewusstlosigkeit, Muskelzuckungen oder Krämpfen kommen.

Wenn ein epileptischer Anfall in einem Teil des Gehirns verursacht wird, kann dieser sogenannte partielle Anfall folgendermaßen unterteilt werden:

– Einfacher partieller Anfall: bei dieser Art von Anfall verliert der Patient nicht das Bewusstsein. Es kann jedoch zu Beeinträchtigungen der sensorischen Fähigkeiten, wie Probleme beim Schmecken, Geruchsstörungen, Sehstörungen und Hörstörungen kommen. Dieser Anfall kann auch zu Schwindelgefühlen führen.

– Komplexer fokaler Anfall: in diesem Fall kann es zum Verlust des Bewusstseins kommen. Es kann dabei zu Benommenheit und Verwirrtheit des Patienten kommen.

Nachfolgend finden Sie die Unterteilung der generalisierten Krampfanfälle:

– Myoklonische Anfälle: diese Art von Anfall ist durch Zuckungen in den Armen und Beinen gekennzeichnet.

– Absence (Petit Mal): hierbei kommt es zu einem kurzzeitigen Verlust des Bewusstseins und zu plötzlichen Zuckungen des Körpers.

– Atonische Anfälle: dieser Anfall ist charakterisiert durch eine Reduzierung der Haltemuskulatur des Körpers.

– Tonisch-klonische Anfälle: es handelt sich dabei um die schwerste Form der generalisierten Krampfanfälle. Es kommt zum Verlust des Bewusstseins des Patienten, unkontrollierten Zuckungen und dem Verlust der Blasenfunktion.

Diagnose

Die Diagnose von Epilepsie wird mit Hilfe der Anamnese des Patienten und der Beobachtung der Anfälle durch Drittpersonen erstellt. Der behandelnde Arzt kann einen Bluttest durchführen, um eventuelle toxische Erscheinungen im Körper, die Anzahl von Proteinen und Enzymen, Anämie, Unterernährung, Diabetes, etc. zu erkennen.

Sollten diese Untersuchungen kein Ergebnis liefern, kann der behandelnde Arzt zusätzliche Untersuchungen durchführen. Dabei kann eine neurologische Untersuchung erfolgen, bei der die Bewegungen des Körpers und die intellektuellen Fähigkeiten des Patienten überprüft werden.

Darüber hinaus können detaillierte Untersuchungen des Gehirns erfolgen, um eventuelle Auffälligkeiten zu erkennen. Zu diesen Untersuchungen zählen:

– Elektroenzephalogramm (EEG);

– Magnetresonanztomographie (MRT);

– Computertomographie (CT);


– IQ-Test (der Sprache und des Gedächtnisses);

– Positronen-Emissions-Tomographie (PET);

– Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), welche den Blutfluss des Gehirns prüft.

Komplikationen

Komplikationen_epilepsieBei Menschen mit Epilepsie können im Leben einige Komplikationen auftreten. Einige dieser Komplikationen können den Patienten im täglichen Leben betreffen. Dazu zählen unter anderem Stürze, erhöhte Risiken an der Beteiligung von Autounfällen, sowie die Gefahr vom Ertrinken beim Schwimmen.

Frauen mit Epilepsie können während der Schwangerschaft Komplikationen erleiden, die ein Risiko für das Baby und die Mutter darstellen können.

Andere Informationen können für Patienten mit Epilepsie besonders wichtig sein:

– Status epilepticus: dieser Zustand tritt beim Patienten für länger als 5 Minuten auf und ist häufig mit dem Verlust des Bewusstseins verbunden. Bei Patienten mit dieser Art von Epilepsie besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von permanenten Hirnschäden.

– Plötzlicher Tod: Menschen mit Epilepsie, welche schwer zu behandeln ist, besteht ein Risiko für das Auftreten des plötzlichen Todes während eines epileptischen Anfalls. Diese Rate beträgt weniger als 1 von 1000 Fällen. Es ist jedoch häufig bei Patienten der Fall, bei denen keine Behandlung erfolgt oder die von einem tonisch-klonischen Anfall betroffen sind.

Behandlung

Behandlung_epilepsieViele Patienten, die krampflösende Medikamente einnehmen, können ein ganz normales Leben führen, ohne einen epileptischen Anfall zu erleiden. Bei anderen Patienten nimmt die Häufigkeit und Intensivität der Anfälle ab. Einige der nachfolgenden Medikamente können zur Behandlung von Epilepsie verwendet werden:

– Phenobarbital

– Valproinsäure

– Lamotrigin

– Topiramat

– Carbamazepin

– Levetriacetam. Der Wirkstoff Levetriacetam wird in der Behandlung der Epilepsie eingesetzt.

Bitte beachten Sie, dass diese Medikamente eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen können. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:

Müdigkeit;

– Schwindelgefühl;

– Gewichtszunahme;

– Hautausschlag;

– Koordinationsprobleme und Sprachprobleme;

Depressionen;

Die Behandlung ist in der Regel effektiv. Es ist jedoch wichtig, dass der Patient die vorgeschriebenen Medikamente regelmäßig einnimmt.

Es gibt auch eine Behandlung auf Basis von Topiramat, das manchmal mit anderen Antiepileptika kombiniert wird. Dieses Medikament ist ein Antiepileptika, das eine Gewichtsabnahme begünstigt. Jedoch kann man psychische Nebenwirkungen wie Angstzustände beobachten.

Eine Chirurgie ist möglich, wenn die Epilepsie durch einen Tumor verursacht wird. Es ist zu beachten, dass sich dieser in einem wohldefinierten Bereich befinden muss, damit es durch den chirurgischen Eingriff nicht zur Beschädigung der Sprache, Gedächtnis, etc. kommt.

Es existieren darüber hinaus andere Behandlungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Vagnusnervstimulation und die ketogene Diät.

Bei der Vagnusnervstimulation wird ein Implantat unter die Haut im Brustbereich eingepflanzt, wodurch der Nervus vagus durch Impulse stimuliert wird. Diese Anwendung reduziert die Anfälle um etwa 30 bis 40%.

Die ketogene Diät ist eine Ernährung, welche reich an Fetten (90-92%), wenig Kohlenhydraten (2%) und einer normalen Menge an Proteinen (8-10%) ist. Viele Patienten können mit Hilfe dieser speziellen Ernährung ein Leben ohne Anfälle leben. Vor der Behandlung sollte ein Arzt und ein Ernährungsberater konsultiert werden. Ziel ist es die optimale Menge an Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen zu gewährleisten.

Die alten Griechen wussten schon, dass die Ernährung in der Kontrolle der Epilepsie wichtig war. In den 1920 bis 1950er Jahren, war die ketogene Diät weit verbreitet, vor allem bei den Kindern. Mit dem Einführen von Antiepileptika, ging die Bedeutung etwas zurück.

Die ketogene Diät ist bei gewissen Epileptikern, die ungenügend auf die Medikamente reagieren, immer noch indiziert.

Allerdings reagieren bis zu einem Drittel der Patienten nicht auf die Medikamente. Ein besseres Verständnis der Signalisationswege, die gewisse Gehirnregionen hemmen, könnte helfen, neue Therapien gegen z.B. die Epilepsie zu finden.

Heilpflanzen

Plantain_epilepsieHeilpflanzen sind eine Begleittherapie zur Kontrolle der auftretenden Anfälle. Es ist jedoch wichtig, einen Arzt vor der Einnahme von Heilpflanzen zu konsultieren, damit dieser Informationen zu dem Mittel und der Anwendung geben kann.

Nachfolgend finden Sie einige Heilpflanzen aufgelistet, die bei Epilepsie helfen können:

– Verek-Akazie (Acacia senegal)

Wegeriche (Plantago)

Heilpflanzen_epilepsieFenchel (Foeniculum vulgare)

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Patienten mit epileptischen Anfällen sollten es vermeiden, Ginkgo biloba zu verwenden. Laut einer durchgeführten Studie reduziert diese Heilpflanze die Wirksamkeit der antikonvulsiven Medikamente. Darüber hinaus wird durch den Pflanzensamen ein Nervengift produziert, welcher epileptische Anfälle auslösen kann.

Homöopathie

Homoeopathie_epilepsieDie Homöopathie kann genau wie die Heilpflanzen als Begleittherapie zum Einsatz kommen. Ziel der Anwendung ist die Kontrolle von Anfällen. Konsultieren Sie vor der Einnahme jedoch einen Arzt, um alles Wissenswertes über die homöopathischen Mittel zu erfahren. Hinweis: Homöopathische Mittel dürfen nicht ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden.

Zu den am häufigsten verwendeten Mitteln zählen:

– Lachesis c200 CH

– Cuprum Metallicum 6 CH

– Ruta 6 CH

– Calcarea Phosphorica 3 DH

– Bufo Rana 12 DH

Die Auswahl der Mittel wird durch den behandelnden Arzt entschieden und ist abhängig von der Art der Symptome der Epilepsie.

Ratschläge

Auf nachfolgende Maßnahmen sollte geachtet werden, um einen epileptischen Anfall zu vermeiden:

– Die Anzeichen für einen epileptischen Anfall erkennen;
– Auf eine regelmäßige Einnahme der Medikamente achten;
– Die möglichen Auslöser für einen epileptischen Anfall (Alkohol, Schlaflosigkeit, Fernsehen, Videogames, Computer, etc.) meiden.

Der Patient sollte ein Epilepsie-Armband tragen, wodurch andere Menschen erkennen, dass die betroffene Person an Epilepsie leidet und bei einem Anfall helfen können.


Ratschläge, wie man einer Person mit einem epileptischen Anfall helfen kann:

Wenn eine Person einen epileptischen Anfall erleidet, sollte auf folgende Vorsichtmaßnahmen geachtet werden:

– Schaffen Sie Gegenstände aus dem Weg, an denen sich der Patient verletzen könnte.

– Lösen Sie die Kleidung des Patienten, wie beispielsweise Krawatten oder den Kragen.

– Vermeiden Sie es den Patienten per Schütteln oder Schreien aus der Bewusstlosigkeit zu holen.

– Der Person sollten keine Gegenstände in den Mundbereich geschoben werden. Vom Festhalten des Patienten wird ebenfalls abgeraten.

– Kümmern Sie sich nach dem Anfall um den Patienten.

– Bewahren Sie  während eines Anfalles die Ruhe. Dieser dauert in der Regel nur kurze Zeit (5 bis 8 Minuten).

Es ist wichtig, die Familie und Freunde zu ermutigen, sich mehr über das Thema Epilepsie zu informieren, damit Vorurteile und negative Reaktionen vermieden werden können. Der Patient kann ein normales Leben führen. Wichtig ist eine richtige und regelmäßige Einnahme der Medikamente und die Unterstützung der Familie und  der Freunde.

Vorbeugung

Vorbeugung_EpilepsieFür die betroffene Person ist es äußerst wichtig zu wissen, wodurch die epileptischen Anfälle ausgelöst werden können. Aus diesem Grund können nachfolgende Punkte zur Vermeidung von epileptischen Anfällen reduziert werden:

– Übermäßiger Alkoholkonsum;

– Überlastung und Müdigkeit, die durch unzureichenden Schlaf verursacht warden.

– Für kleine Kinder ist es wichtig, Antipyretika zu verabreichen (Medikamente, die das Fieber senken), wenn die Körpertemperatur über 38,5°C. steigt. Eine Temperatur über 38,5°C, kann bei Kindern epileptische Anfälle auslösen.

Wie übersetzt man Epilepsie in andere Sprachen ?
  • Englisch: epilepsy

  • Französisch: épilepsie

  • Italienisch: epilessia

  • Portugiesisch: epilepsia

  • Spanisch: epilepsia

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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 09.10.2018 verändert.