Interstitielle Zystitis

Definition

Definition-Interstitielle-Zystitis


Die interstitielle Zystitis (IZ) ist eine sterile Entzündung der Blase (nicht durch Mikroorganismen verursacht, wie die klassische Blasenentzündung), die sich durch Schmerzen in der Blase und Harnröhre, sowie einem dringenden Harndrang (Tag und Nacht) kennzeichnet. Die interstitielle Zystitis kann manchmal sehr schmerzhaft und fast unerträglich sein.

In der Urologie (Abteilung der Medizin, die sich mit dem Harntrakt befasst) ist die IZ ein Rätsel, da man die genauen Ursachen dieses Leidens nicht genau kennt.

Man unterteilt die Krankheit in zwei Phasen: die klassische Phase (oder ulzeröse) und die „early“ Phase (oder nicht ulzeröse).

Epidemiologie

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Es ist schwierig, verlässliche Zahlen und Statistiken zu finden. Man vermutet, dass die Prävalenz zwischen 0,3 und 11% ist. Diese grosse Unsicherheit erklärt sich dadurch, dass es verschiedene Diagnosekriterien gibt und die Definition dieser Erkrankung auch unterschiedlich ist.

In den USA vermutet man 197 betroffene Frauen und 41 Männer auf 100‘000 Einwohner. Da die Krankheit oft nicht diagnostiziert wird, könnten die Zahlen viel höher sein. Man vermutet, dass 10% der IZ Fälle schwerwiegend sind.

Die IZ betrifft 5 Mal häufiger Frauen als Männer.

In den USA vermutet man, dass 3 bis 8 Millionen Menschen unter einer IZ leiden. In Kanada sind es zwischen 150‘000 und 300‘000 Menschen.

In Frankreich kennt man zurzeit keine genauen Statistiken. Achtung vor der Extrapolation zwischen Kanada und Frankreich aufgrund der Anzahl von Einwohnern. Es scheint nämlich, dass die Prävalenz in Nordamerika höher ist als in Europa.

Das durchschnittliche Alter des Auftretens der Krankheit liegt bei 40 Jahren.

Ursachen

Die Ursache einer interstitiellen Zystitis ist nicht genau bekannt. Sie können nachfolgend einige Theorien lesen. Man vermutet auch, dass die IZ mehrere Ursachen (multifaktorielle Erkrankung) haben könnte.

Entzündung

Obwohl die Ursachen nicht ganz genau bekannt sind, ist eines der ersten Ereignisse die Veränderung der Permeabilität des Urothels mit einer Aktivierung der Mastozyten und einer neurogenen Entzündung. Die histologische Untersuchung zeigt ulzeröse Läsionen der Schleimhaut und perineurale entzündliche Infiltrationen. Die Anwesenheit von Mastozyten, mit einer Freisetzung von Histamin und als Konsequenz davon Schmerzen, Hyperämie und eine Fibrose sind eher mit der klassischen IZ (eher weniger mit der nicht ulzerösen IZ) assoziiert.

Neurobiologie

Eine andere Theorie vermutet, dass es eine Veränderung der Blaseninnervation mit einer Erhöhung des sympathischen Flusses gibt. Man spricht manchmal auch von einer Hypersensibilität der Blasennerven.

Infektion

Obwohl man normalerweise davon ausgeht, dass eine IZ keine Infektionskrankheit ist, existiert eine Theorie, dass die IZ durch eine geringe Anzahl von Bakterien verursacht wird. Das Bakterium kann die IZ nicht direkt auslösen, aber eine Entzündungs- und Immunreaktion auslösen (also eine indirekte Wirkung).

Glykosaminoglykan-Schicht

Glykosaminoglykane sind chemische Substanzen, die sich in den Blasenzellen befinden. Gewisse Hypothesen vermuten, dass es bei Patienten mit einer IZ zu Problemen in den Glykosaminoglykan-Schichten kommt. Die Permeabilität der Blase wird erhöht, was zu einer Erhöhung der Toxinkonzentration im Urin führt.

Autoimmunreaktion

Gewisse Studien zeigen, dass die IZ eine Autoimmunerkrankung sein könnte. Es ist interessant festzuhalten, dass die Patienten oft unter anderen Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Fibromyalgie oder dem Sjögren-Syndrom leiden.

Bei einer IZ denkt man, dass die Patienten Antikörper haben, die gegen die eigenen Blasenzellen oder die Muskelschicht der Blase wirken. Obwohl gewisse autoimmune Mechanismen gefunden wurden, ist es noch nicht möglich, eine Autoimmunerkrankung zu 100% zu bestätigen.

Andere Theorien

Es gibt andere Theorien um die IZ zu erklären, wie z.B. psychosomatische Ursachen.

Risikopersonen für eine interstitielle Zystitis

Wie wir bereits im Abschnitt Statistik interstitielle Zystitis gesehen haben, sind vor allem die Frauen im Alter von über 40 Jahren Risikopersonen (90% der Fälle).

Die Raucher haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Menschen, die unter anderen Krankheiten mit chronischen Schmerzen wie Fibromyalgie oder Reizdarm leiden. Autoimmunerkrankungen (z.B. Lupus) können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Männer, die unter Prostataproblemen leiden (z.B. Prostatitis, Prostataentzündung)

Symptome

Symptome-Interstitielle-ZystitisDie klassischen Symptome einer IZ sind Beckenschmerzen (länger als 6 Monate), die von Harnproblemen (Erhöhung der Miktionsfrequenz, Schmerzen oder Unbehaglichkeit beim Wasserlassen) begleitet werden. Zudem können ein Gefühl von Brennen, sowie eine langsame und unvollständige Entleerung bei einer IZ ebenfalls auftreten.

Halten wir fest, dass diese Symptome von einer Person zur anderen stark variieren können. Es kann von lokalem Unbehagen in der Beckenregion bis zu sehr starken Blasenschmerzen reichen. In extremen Fällen kann ein Patient in 24 Stunden bis zu 60 Mal Wasserlassen. Diese extreme Frequenz gestaltet den Alltag sehr schwierig und die Nächte sind sehr schlecht.

Bemerkungen über die Symptome der interstitiellen Zystitis

Zu Beginn können die Symptome auftreten und wieder verschwinden. Die Erholungsphasen können mehrere Monate dauern.

Mit der Zeit werden die Symptome normalerweise schlimmer: stärkere Schmerzen, das Bedürfnis ständig Wasserzulassen nimmt zu, usw.

30% der Patienten mit einer diagnostizierten IZ verspüren keine Schmerzen.

Diagnose

Diagnose-Interstitielle-ZystitisGemäss unseren Informationen gibt es kein Schema, das die Einstimmigkeit der Diagnosestellung einer IZ gewährleistet. Es gibt verschiedene Kriterien, um diese Krankheit zu diagnostizieren. Es wäre zu kompliziert und zu lang, sie hier alle aufzuzählen. Zusammenfassend werden nachfolgend jedoch einige Tests erwähnt:

Urinanalyse: eine Urinkultur, um mögliche Bakterien zu identifizieren

Blasenspiegelung: eine Untersuchung der Blasenwände mit einem feinen Schlauch und einer Kamera.

Kaliumsensibilität messen: es handelt sich um einen Test, bei dem man Kaliumchlorid in die Blase spritzt. Der Arzt stellt einige Fragen über die Schmerzen und den Harndrang bei dieser Untersuchung. Anschliessend macht er dieselbe Injektion mit Wasser. Wenn der Patient zwischen dem Wasser und dem Kaliumchlorid einen Unterschied verspürt, kann das ein Anzeichen einer IZ sein. Menschen, die nicht unter einer IZ leiden, verspüren keinerlei Unterschiede.

Interstitielle Zystitis, eine komplizierte Diagnostik

Manchmal wird die IZ mit anderen Harnwegsinfektionen (Blasenentzündung), einer Endometriose oder Chlamydien verwechselt. Normalerweise vermutet man, dass die Patienten 4 Jahre nach Beginn der ersten Symptome, eine genaue Diagnose der IZ erhalten (Quelle: MayoClinic und Passeportsante.net)

Komplikationen

Die IZ kann eine Verdickung der Blasenwände verursachen, was die Kapazität der Blase vermindern kann. Aufgrund der Schmerzen beobachtet man eine Verminderung der Lebensqualität sowie andere emotionale und zwischenmenschliche Probleme, die durch den stetigen Harndrang verursacht werden (man kann sich das Problem in einem Büro vorstellen, wenn die Person alle 15 Minuten auf die Toilette muss).

Auf psychologischer Ebene kann die IZ manchmal zu einer Depression und sogar zum Suizid führen.

Eine Studie, die im Jahre 2010 in Kanada gemacht wurde, hat gezeigt, dass Menschen, die unter einer IZ leiden eine erhöhte Prävalenz für andere Erkrankungen wie Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom oder chronische Müdigkeit haben. Andere Leiden, die mit einer IZ assoziiert sind: Schmerzen, Depressionen, Schlafbeschwerden.

Behandlungen

Behandlungen-Interstitielle-ZystitisEs gibt keine Behandlungen, die die Ursache der interstitiellen Zystitis bekämpfen. Gewisse Therapien können jedoch helfen, die Symptome dieser Krankheit zu verbessern. Die Behandlungen, vor allem wenn man die genaue Ursache nicht kennt, beruhen normalerweise auf Erfahrungswerten.

Bevor man die Behandlungen im Detail erklärt, muss man festhalten, dass bei etwa 50% der Patienten eine spontane Remission erfolgt, die etwa 8 Monate dauert.

Behandlung der interstitiellen Zystitis

Oral eingenommene Medikamente

Trizyklische Antidepressiva: analgetische Wirkung

Antihistaminika: bei Patienten, die unter Allergien leiden. Es reduziert die Wirkung der Mastozyten (Zellen des Organismus).

Pentosanpolysulfat. Es handelt sich um ein Medikament, das nur in den USA durch die FDA gegen die IZ zugelassen wurde. Dieses Medikament wirkt auf die lädierte Schleimhaut und lindert die Schmerzen, sowie die Frequenz des Wasserlassens.

Analgesie: bei leichten bis moderaten Schmerzen verwendet man Paracetamol oder NSAR (Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure). Wie wir gesehen haben, können trizyklische Antidepressiva ebenfalls analgetisch wirken. Zudem können Muskelrelaxantien oder Antikonvulsiva (Gabapentin) schmerzlindernd wirken.

Andere Medikamente: gewisse Mediziner können noch andere Medikamente empfehlen, wie z.B. Ranitidin, Cimetidin, usw.

Blaseneinträufelung- Einführen von Flüssigkeit in die Blasé

Einführung von DMSO direkt in die Blase. Man kann auch andere physiologische Flüssigkeiten, Lidocain oder Heparin spritzen.

Psychotherapie

Diese Therapie kann bei gewissen Patienten vorgeschlagen werden.

Chirurgische Behandlung

Normalerweise nur als letzte Möglichkeit.


Halten wir schlussendlich fest, dass die interstitielle Zystitis eine komplexe Krankheit ist, von der man noch nicht alle Ursachen kennt. Deshalb unterscheiden sich die Therapievorschläge von Arzt zu Arzt und sind von den Kenntnissen bezüglich der Krankheit abhängig. Fragen Sie Ihren Arzt immer um Rat.

Phytotherapie

Die Phytotherapie kann eine ergänzende Massnahme sein, um die interstitielle Zystitis zu behandeln.

Folgende Heilpflanzen können verwendet werden (fragen Sie Ihren Apotheker oder Arzt um Rat für weitere Informationen):

Phytotherapie-Interstitielle-Zystitis

Kamille

Pfefferminze

Melisse

Ratschläge

Faktoren, die die IZ verschlimmern

Obwohl man die genauen Ursachen nicht kennt, scheinen sich gewisse Faktoren (vor allem Nahrungsmittel) negativ auf die IZ auszuwirken. Man muss den Konsum dieser Produkte einschränken oder sie gar nicht verwenden:

Ratschläge-Interstitielle-Zystitis

Kaffee (Koffein im Allgemeinen), inklusive Schwarztee

– Alkohol

– Starke Nahrungsmittel und Gewürze

– Getränke mit Kohlensäure

– Saure Getränke und Nahrungsmittel

– Man vermutet auch, dass sexuelle Beziehungen die IZ verschlimmern können. Wenn man also einen Schub oder starke Schmerzen hat, sollte man den Geschlechtsverkehr vermeiden.

Stress hat auf die IZ ebenfalls eine negative Auswirkung.

Faktoren, die eine IZ verbessern

Nebst den beschriebenen Medikamenten (z.B. Schmerzmittel), kann das regelmässige Wasserlassen bei einer IZ helfen.

Wie übersetzt man ​Interstitielle Zystitis in andere Sprachen ?
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  • Spanisch: –

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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 03.01.2018 verändert.