Leberkrebs

Definition

Bei Leberkrebs oder Leberkarzinom handelt es sich um eine Neoplasie, welche die Leberzellen beeinflusst, und auch unter dem Namen „Hepatozyten“ bekannt ist. Diese Krebsart kann in 2 unterschiedliche Hauptkategorien unterteilt werden: primärer Leberkrebs (wenn der Tumor direkt in der Leber auftritt) und sekundären Leberkrebs (Bildung von Metastasen). Dies ist der Fall, wenn sich der Krebs in einem anderen Organ gebildet hat, und der Krebs durch die Metastasen in die Leber gelangen.


Definition_leberkrebs

Die häufigsten Typen in der Kategorie des primären Krebses sind:


– Leberzellkarzinom oder hepatozelluläres Karzinom: bösartiger Tumor, welcher die Leberzellen (Hepatozyten) beeinflusst.

– Gallengangskarzinom (Cholangiokarzinom): ein Tumor, der im Bereich der Gallengänge auftritt.

– Angiosarkom: Tumor, der die Blutgefäße in der Leber beeinflusst.

– Hepatoblastom: es handelt sich um einen Tumor, der bei Kindern auftritt.

Epidemiologie

USA
In den USA schätzt die American Cancer Society die Anzahl der Neuerkrankungen an Leber- und Gallengang-Krebs in ihren Prognosen für das Jahr 2017 auf 40’710 und die Anzahl der Todesfälle auf 28’92. Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Leber- und Gallengang-Krebs lag im Jahr 2017 bei 18 %, ebenfalls nach den Angaben der American Cancer Society. Es handelt sich um eine der tödlichsten Krebsarten, zu denen insbesondere auch Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs gezählt werden.

Welt
Leberkrebs zählt mit 854’000 Neuerkrankungen und 810’000 Todesfällen weltweit im Jahr 2015 zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Das geht aus einer am 5. Oktober 2017 im Wissenschaftsmagazin JAMA Oncology veröffentlichten Studie (10.1001/jamaoncol.2017.3055) hervor. Diese Studie aus JAMA Oncology hat auch gezeigt, dass die Neuerkrankungen an Leberkrebs weltweit zwischen 1990 und 2015 um 75 % zugenommen haben. Als Hauptgrund für diese Entwicklung geben die Verfasser der Studie die Alterung und das Wachstum der Bevölkerung an. Besonders häufig trat Leberkrebs in Ostasien auf. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie bestand in der Identifizierung von Hepatitis B als Hauptursache für Neuerkrankungen an Leberkrebs im Jahr 2015.

Krebsart
Man geht davon aus, dass der hepatozelluläre Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) 80 % der Leberkrebserkrankungen ausmacht, bzw. noch mehr, wenn man die Krebserkrankungen der Gallengänge (Gallengangskarzinom) ausschließt. Eine am 9. Oktober 2017 im Wissenschaftsmagazin Nature Materials (DOI: 10.1038/nmat4997) veröffentlichte Studie schätzt die Anzahl der Neuerkrankungen an einem hepatozellulären Karzinom pro Jahr weltweit auf 780’000 und die Anzahl der Todesfälle auf 740’000.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Leberkrebs sind noch nicht vollständig bekannt. Bestimmte Faktoren führen zu einer Mutation der DNA in den Leberzellen, und führen zu einer unkontrollierten Reproduzierung, was die Bildung eines Tumors zur Folge hat.

Die häufigsten Ursachen beziehen sich auf frühere Erkrankungen der Leber. Etwa 50% der Fälle von Leberkrebs entstehen durch übermäßigen Alkoholkonsum oder einer chronischen Hepatitis. Die wichtigsten Risikofaktoren einer chronischen Hepatitis sind Viren, die von der Hepatitis B und Hepatitis C Erkrankung verursacht werden.

Andere möglichen Ursachen für die Entstehung von Leberkrebs, sind chemische Karzinogene, wie z.B. Aflatoxine, organischen Lösungsmittel und anorganische Arsen.

Risikogruppen

Die Hauptrisikogruppen stellen Personen mit einer Leberzirrhose dar, die oftmals durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht wird. Menschen die an Hepatitis B und C leiden, zählen ebenfalls zu den Risikogruppen.

Nachfolgend finden Sie einige dieser Risikogruppen aufgeführt:

– Männer haben ein höheres Risiko an Leberkrebs zu erkranken als Frauen.

– Patienten, mit bestimmten Lebererkrankungen wie z.B. Hämochromatose oder Morbus Wilson.

– Menschen mit Diabetes.

– Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln durch Aflatoxin.

Übergewicht  und Krankheiten, die die Leber angreifen können.

– Alter: in einigen Ländern Afrikas und Asien sind jüngere Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren von Leberkrebs betroffen. In Europa und den USA tritt die Krankheit häufiger bei älteren Menschen auf.

– Patienten mit Bilharziose: es handelt sich hierbei um einen Risikofaktor in endemischen Gebieten.

– Menschen die von einer Trematode infiziert sind. Dies kommt häufig in afrikanischen und asiatischen Ländern vor.

Symptome

Bei Leberkrebs handelt es sich um besonders gefährliche Krankheit, da im Anfangsstadium der Krankheit keine spezifischen Symptome auftreten. Folgende Symptome können Anzeichen einer Leberkrebserkrankung sein:

– Gewichtsverlust ohne erkennbare Gründe

– Appetitlosigkeit

Bauchschmerzen

Übelkeit und Erbrechen

– Schwächegefühl und Unwohlsein

– Erschöpfung und Müdigkeit

– Vergrößerung der Leber

– Blähungen und Aszites (Wasserbauch)

– Gelbsucht

Bei einigen Patienten kann die Ruptur des Tumors fortschreiten, was zu schweren Bauchschmerzen, intraabdominellen Blutungen und einem hypovolämischen Schocks führen kann.

Diagnose

Die Diagnose von Leberkrebs erfolgt in der Regel im fortgeschrittenen Stadium, da die Symptome oftmals erst sehr spät auftreten und nicht sehr spezifisch sind. In manchen Fällen treten ein paar Veränderungen beim Patienten in den biochemischen Parametern auf wie z.B. Bilirubin und einer alkalischen Phosphatase. Sobald der Arzt diese Veränderung erkennt, kann umgehend ein Bluttest durchgeführt werden. Ein Blutest äußerst wichtig, um die Leberfunktion zu überwachen.

Ultraschalluntersuchungen sind äußerst wichtig für die Diagnose von Leberkrebs, da sie dem Arzt ermöglichen, Veränderungen wie z.B. die Bildung von Tumormasse in der Leber festzustellen. In diesem Fall kann eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (MRT) durchgeführt werden. Andere Untersuchungen umfassen Röntgenaufnahmen.

Eine Biopsie ist eine weitere Diagnosemöglichkeit, bei der eine kleine Probe der Leber entnommen wird, um zu sehen, in welchem Stadium sich der Tumor befindet.
Eine am 9. Oktober 2017 im Wissenschaftsmagazin Nature Materials (DOI: 10.1038/nmat4997) veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass eine blutbasierte DNA-Analyse (Erkennung von ctDNA) mithilfe einer Liquid Biopsy eine neue spezifische Methode zur Diagnose des hepatozellulären Leberkrebses (hepatozelluläres Karzinom) darstellen könnte.

Sobald der Arzt den Tumor diagnostiziert hat, kann er bestimmten, in welchem Stadium sich dieser befindet. Dabei werden römische Zahlen verwendet, wobei I die erste Stufe des Tumors ist und IV bereits eine fortgeschrittene Stufe mit der Bildung von Metastasen darstellt. Ein anderes Verfahren beinhaltet die Verwendung von Buchstaben A bis D. In diesem Fall ist D ein fortgeschrittenes Stadium.

Komplikationen

Eine der schweren Komplikationen von Leberkrebs, ist die Bildung von Metastasen, welche sich in der Leber bilden und sich auf andere Organe ausbreiten. Die Leber ist ein wichtiger Stoffwechsel und die Tumormasse wirkt sich auf mehrere Stoffwechselfunktionen des Organismus aus.

Durch das Wachstum des Tumors, kann es zu Blähungen, Ruptur von Gefäßen und Blutungen kommen, welche zu starken Schmerzen führen können, sowie das Auftreten eines hypovolämischen Schockes.

Behandlung

Zur Behandlung von Leberkrebs stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Art der Behandlung, ist ganz abhängig vom Stadium der Krebserkrankung. Folgende Behandlungen können angewendet werden:

– Chirurgie: Diese Behandlung wird angewendet, wenn ein primärer Tumor auftritt, ohne die Bildung von Metastasen. In manchen Fällen können auch Teile der Leber entfernt werden.


– Lebertransplantation: Hierbei kommt eine Alternative zum Einsatz, wenn die Leber des Patienten stark geschädigt ist.

– Kyroablation: Diese Technik wird angewendet, um die beschädigten Leberzellen durch einfrieren abzutöten. Während des Verfahrens, wird vom Arzt ein flüssiger Stickstoff gespritzt, um die Tumorzellen zu töten. Das gesamte Verfahren wird Bildüberwacht.

– Radiofrquenzablation (RFA): Durch diese Technik wird der Tumor gezielt durch Hitze zerstört. Diese Verfahren wird ebenfalls Bildüberwacht.

– Injektion von Alkohol: In diesem Fall wird Alkohol in die Zellen injiziert, um diese zu zerstören.

– Chemotherapie: Diese medikamentöse Behandlung wird zur gezielten Zerstörung des Tumors angewendet. Einige Medikamente, die zur Behandlung eingesetzt werden können, sind: Doxorubicin, 5-Fluorouracil und Cisplatin. Die Chemotherapeutika werden in der Regel in die Leberarterie injiziert und darauffolgend versperrt, damit die Medikamente länger in Kontakt mit dem Tumor sind.

– Strahlentherapie: Diese Behandlungsform wird angewendet, um den Tumor abzutöten.

Zum heutigen Zeitpunkt werden viele neue Studien durchgeführt, um beispielsweise neue Medikamente zu finden, die für die Behandlung von Leberkrebs eingesetzt werden können.

Heilpflanzen

Zum heutigen Zeitpunkt existiert keine zugelassene Heilpflanzen-Therapie gegen Leberkrebs. Es gibt jedoch einige Heilpflanzen (oft in Teeform), welche die Lebensqualität des Patienten deutlich verbessern. Viele pflanzliche Mittel verbessern den Schlaf, steigern den Appetit und helfen dem Patienten dabei, sich zu entspannen. Einige dieser Heilpflanzen sind:

Baldrian_leberkrebsBaldrian

 

 

epidemiologie_leberkrebsZitronengras

– Bancha

 

cinnanomi_leberkrebsZimt

 

 

symptome_leberkrebsRingelblume

 

 

Es ist äußerst wichtig, dass Sie Ihren Arzt vor einer Behandlung mit Heilpflanzen konsultieren.

Eine umfangreiche Studie (Metastudie oder umbrella review auf Englisch), die am 22. November 2017 in der britischen Zeitung The BMJ veröffentlicht wurde (DOI: 10.1136/bmj.j5024), hat einen Zusammenhang zwischen dem Genuss von 3 Tassen bzw. 3 bis 4 Tassen Kaffee pro Tag und einer Verringerung des Leberkrebsrisikos bzw. des allgemeinen Mortalitätsrisikos und des durch Herzkrankheiten bedingten Mortalitätsrisikos nachgewiesen.

Ratschläge

Wenn Sie die Diagnose „Leberkrebs“ erhalten haben, ist es äußerst wichtig, einige Schritte zu unternehmen:

– Vermeiden Sie alkoholische Getränke, da diese die Leberfunktion beeinflussen können.

– Gewöhnen Sie sich das Rauchen ab.

– Reduzieren Sie den Verzehr von fetthaltigen Lebensmitteln, da dies zu einer Überlastung des Leber führen kann.

– Beim Auftreten von schweren Komplikationen, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, damit dieser Zustand genau beobachtet wird.

– Suchen Sie alternative Behandlungen wie z.B. Musik-Therapie, Akupunktur, Entspannungstherapien.

– Üben Sie Sport aus, da dieser dabei helfen kann, die Behandlung besser zu überstehen und die Nebenwirkungen zu reduzieren. Hinweis: sprechen Sie mit Ihrem Arzt im Vorwege darüber, welche Sportarten die besten für Sie sind.

– Sprechen Sie mit der Familie oder Freunden über Ihre Ängste und Sorgen. Halten Sie sich ständig über den gesundheitlichen Zustand informiert.

Mit diesen Ratschlägen können Sie Ihre Lebensqualität deutlich steigern, und die Angst vor der Krankheit und Behandlung überwinden bzw. verringern.

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können zur Vorbeugung von Leberkrebs dienen:

– Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, um eine Leberzirrhose zu verhindern.

– Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und konsumieren Sie weniger fetthaltige Produkte.

– Vermeiden Sie den Verzehr von Getreide und Mais aus unbekannten Quellen, da diese mit Aflatoxinen kontaminiert sein können.

– Vermeiden Sie den Kontakt mit chemischen Karzinogenen wie z.B. Pestiziden, organischen Lösungsmitteln und Schwermetallen.

Eine Vorbeugung gegen Hepatitis ist äußerst wichtig! Dies kann durch folgende Vorbeugungen erfolgen:

– Lassen Sie sich gegen Hepatitis-B impfen.

– Verwenden Sie keine benutzen Spritzen, da diese mit dem Hepatitis-C Virus kontaminiert sein können.

– Informieren Sie sich über den Gesundheitsstand Ihres Sexualpartners und achten Sie auf Verhütung.

– Achten Sie auf die Hygiene in Tätowier- und Piercingstudios, sowie in Maniküresalons.

– Lassen Sie regelmäßig Bluttests durchführen, um den Zustand Ihrer Leber zu überprüfen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie zur Risikogruppe gehören.

Quellen: 
JAMA Oncology veröffentlichten Studie (10.1001/jamaoncol.2017.3055), Nature Materials (DOI: 10.1038/nmat4997)

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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 02.10.2018 verändert.