Osteoporose

Definition

osteoporoseOsteoporose ist eine Krankheit, die die Dichte und Masse des Knochens vermindert; man spricht auch von der Demineralisation des Knochens. Bei dieser Krankheit beobachtet man einen Wechsel der Architektur des Knochens. Die Konsequenz ist, dass der Knochen immer zerbrechlicher wird und es sogar zu einer Fraktur kommen kann. Osteoporose tritt in der Bevölkerung wegen der Alterung immer häufiger auf. Sie kann im öffentlichen Gesundheitswesen schwere Probleme verursachen und das Leben des Patienten stark beeinträchtigen. Die Rückenregion und die Hüfte sind am stärksten gefährdet.


Bei einer Osteoporose kann sogar ein kleiner Sturz zu einer Fraktur führen.

Der Begriff Osteoporose bedeutet wörtlich „poröser Knochen“.

Nicht die Krankheit an sich ist das Problem bei Osteoporose, sondern ihre Folgen, nämlich das Knochenbruchrisiko.

Epidemiologie

Statistiken nach Geschlecht und Altersgruppe
Frauen sind normalerweise häufiger von dieser Krankheit betroffen als Männer, das gilt vor allem für postmenopausale Frauen (ungefähr ab 50). Ab diesem Alter scheint jede dritte Frau an Osteoporose zu erkranken.
Ungefähr 80 % der an Osteoporose erkrankten Personen sind Frauen.
Doch auch Männer sind häufig von Osteoporose betroffen, hauptsächlich nach Vollendung des 70. Lebensjahres. Ab 50 Jahren tritt diese Krankheit ungefähr bei jedem siebten Mann auf.

Weltweite und landesspezifische Statistiken
– Man geht davon aus, dass weltweit 200 Millionen Frauen von Osteoporose betroffen sind.
– In den USA wurde diese Krankheit bei ungefähr 44 Millionen Menschen diagnostiziert. Von dieser Bevölkerungsgruppe erleidet jede zweite Frau und jeder vierte Mann nach Vollendung des 50. Lebensjahres einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose.
– In der Europäischen Union (EU) sind laut WHO 27,5 Millionen der Einwohner zwischen 50 und 84 Jahren von Osteoporose betroffen.
– In Brasilien beläuft sich die Anzahl der an Osteoporose erkrankten Menschen auf etwa 10 Millionen, die jährlich ungefähr 1 Million Knochenbrüche in Zusammenhang mit der Krankheit erleiden.

Ursachen

Bei den Frauen ist die häufigste Ursache eine Verminderung von Sexualhormonen (vor allem Östrogen) ab dem Alter der Menopause. Man spricht manchmal von der postmenopausalen Osteoporose.

Bei den Männern hängt die Osteoporose oft mit dem Alter zusammen. Ab dem Alter von 70 Jahren können die Knochen langsam anfällig werden und so kann es zu einer Osteoporose kommen.

Bei den Männern und Frauen, kann die Osteoporose auch erblich bedingt sein; d.h. es gibt eine genetische Ursache.

Osteoporose kann auch andere Ursachen haben, die manchmal ebenso wichtig sind wie:

  • Eine Ernährung, die wenig Kalzium (Mangel an Milchprodukten) und Vitamin D enthält.
  • Langfristige Einnahme (über ein Jahr oder mehr) von Arzneimitteln auf der Basis von Cortison oder seiner Derivate in oraler Form (als Tabletten). Neben Kortikoiden erhöhen auch andere Arzneimittel das Osteoporose-Risiko, wie z. B.: Antidepressiva, Antiepileptika, Antidiabetika oder auch die bei einer Chemotherapie eingesetzten Arzneimittel.
    Auch Präparate gegen rheumatoide Arthritis können die Knochen angreifen.
  • Eine schwache Exposition an der Sonne (Sonne erlaubt es, Vitamin D zu produzieren. Dieses Vitamin ist grundlegend für die gute Absorption von Kalzium aus dem Darm)
  • Übergewicht und Adipositas (Bei schwerem Körpergewicht werden die Knochen stärker beansprucht, daher das erhöhte Osteoporose-Risiko.)
  • Der Konsum von Kaffee, Tabak und Alkohol sind nicht zu empfehlen. Diese Produkte fördern die Osteoporose.
  • Hormonstörungen, insbesondere in Verbindung mit der Schilddrüse. Es ist bekannt, dass ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen einen Knochenabbau bewirken kann. Auch andere Drüsen können Probleme verursachen, wie z. B. die Nebenschilddrüse und die Nebenniere.
  • Schwache Knochendichte
  • Manche Krankheiten können das Risiko einer Osteoporose erhöhen: Spondylitis ankylosans, rheumatoide Arthritis, Diabetes, Brustkrebs, bestimmte Krankheiten, die die Aufnahme von Nährstoffen (z. B. Calcium) beeinträchtigen.
  • Ein kleiner Körperrahmen (Verhältnis des Handgelenkumfangs zur Körpergröße, body frame auf Englisch). Mit zunehmendem Alter haben Männer und Frauen mit einem kleinen Körperrahmen bei Osteoporose weniger Knochenreserve zur Verfügung.
  • Operativer Eingriff im Magen-Darm-Trakt. Manche chirurgischen Eingriffe, die die Größe des Magens oder des Darms verringern, wie ein Bypass, können die Aufnahmefläche bestimmter Nährstoffe, wie z. B. Calcium (das für die Osteoporose-Prävention wichtig ist) verkleinern.

Risikopersonen

  • Frauen
  • Ältere Menschen
  • Kaukasier und Asiaten
  • Personen mit Osteoporose in der Familie
  • Dünne Menschen (feine Konstitution)
  • Diabetiker
  • Alkoholiker
  • Raucher
  • Menschen, die unter Ernährungsproblemen leiden
  • Sesshafte Menschen

Symptome

Osteoporose entwickelt sich häufig unbemerkt, ohne das Auftreten von Symptomen (asymptomatisch), vor allem während der ersten Jahre der Krankheit. Das bedeutet, dass die betreffende Person nichts vom Fortschreiten der Osteoporose ahnt und dass die Krankheit oftmals erst nach einem Unfall (z. B. mit Fraktur) explizit diagnostiziert wird.

Die Hauptsymptome dieser Krankheit sind:

  • Frakturen der Knochen (oft Ellenbogen, Wirbel und Oberschenkel) werden immer häufiger
  • Schmerzen vor allem im Rücken (sehen Sie auch Rückenschmerzen)
  • Verminderung der Grösse (Schrumpfung)
  • Veränderung der Körperhaltung: Das deutlichste Anzeichen ist die gebeugte Haltung der Person.

Diagnose

Die Diagnose beruht insbesondere auf einer Messung der Knochenmineraldichte. Zur Messung der Knochenmineraldichte verwendet der Arzt einen Scanner, der über den Körper des Patienten geführt wird und Röntgenstrahlen aussendet.

Wie man in der Infographie unten sieht, sieht der Knochen bei Osteoporose wie eine wabenförmige Matrize aus. Mit anderen Worten, der Knochen wird immer poröser und weist immer größere Löcher auf.

Bewertungstools
Es gibt Tools zur Bewertung der Frakturrisiken, die wie ein Algorithmus funktionieren, wie z. B. FRAX (https://www.sheffield.ac.uk/FRAX). Dieses 2008 von der Universität Sheffield in England entwickelte Tool ermöglicht insbesondere die Bewertung des 10-Jahres-Hüftfrakturrisikos. Der Einsatz von Algorithmen wie FRAX kann sich für den Arzt und den Patienten als sehr hilfreich erweisen, da die Diagnose der Osteoporose allein wenig aufschlussreich ist. Mit anderen Worten, bevor beurteilt werden kann, ob eine Therapie erforderlich ist oder nicht, müssen mehrere Risikofaktoren (wie z. B. Alter, Frakturhistorie usw.) einbezogen werden.

Behandlung

Die Behandlung der Osteoporose kann von der Ursache der Erkrankung abhängen. Nur Ihr Arzt kann nach der Diagnosestellung die für Sie beste Behandlung finden. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung:

1. Prävention der Osteoporose, insbesondere bei postmenopausalen Frauen oder anderen Risikogruppen.


  • Calcium. Sofern keine medizinische Ausnahmesituation vorliegt, wie z. B. eine Schwangerschaft, beträgt die empfohlene tägliche Zufuhr (RDD) an Calcium bei Frauen zwischen 19 und 50 Jahren 1000 mg und bei Frauen über 50 Jahren 1200 mg. Bei Männern zwischen 19 und 70 Jahren beträgt die RDD an Calcium 1000 mg, bei Männern über 70 Jahren liegt sie bei 1200 mg. Calcium kann über die Nahrung aufgenommen werden (z. B. aus Milchprodukten, grünem Blattgemüse, mit Calcium angereicherten Lebensmitteln) oder in Form einen Nahrungsergänzungsmittels.
  • Vitamin D, auch Vitamin D3 genannt (tägliche Einnahme sollte 400 IE, für viele Ärzte sogar 800IE oder 1000IE sein). Kann mit der Nahrung (Fisch) aufgenommen werden oder durch Exposition an der Sonne gebildet werden. Eine dritte Möglichkeit ist die Zufuhr mit Kautabletten (eventuell in Kombination mit Kalzium).
  • SERM (selektive Östrogenrezeptormodulatoren) wie z.B. Raloxifen einnehmen. Sind bei postmenopausalen Frauen indiziert.
  • Bei postmenopausalen Frauen kann die Einnahme von Hormonen, wie z. B. Östrogenen, insbesondere direkt nach der Menopause zur Osteoporose-Prävention beitragen, indem sie eine Verringerung der Knochenbrüche (z. B. der Hüfte) bewirkt. Allerdings sollte die durch diese Behandlungen hervorgerufene leichte Erhöhung des Brustkrebsrisikos, zumindest bei manchen Frauen, berücksichtigt werden. Ihr Arzt kann Ihnen helfen, herauszufinden, ob eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist oder nicht.

2. Behandlung der Osteoporose nach Diagnosestellung (kurativ)

  • Bisphosphonate (Alendronat, Etidronat, Risedronat, Ibandronat): in der Schweiz auch als Säurederivat genannt bzw. eingenommen: Alendronsäure, Etidronsäure, Risedronsäure und Ibandronsäure. Wird normalerweise einmal pro Woche oder ein Mal pro Monat als Tablette eingenommen (je nach Medikament). Bisphosphonate unterstützen die Hemmung des Knochenabbaus, die Aufrechterhaltung der Knochenmasse und erhöhen möglicherweise die Knochendichte, wie die Mayo Clinic erklärt. Man geht davon aus, dass Bisphosphonate das Frakturrisiko um 30 bis 50 % senken, je nach Art der Fraktur. Bei einer Therapie mit Bisphosphonaten können vor allem im Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen auftreten (z. B. Magenschmerzen). In sehr seltenen Fällen (bei 1 bis 4 von 10.000 Patienten) bewirken Bisphosphonate jedoch eine Erhöhung des Hüftfraktur- und Unterkieferfrakturrisikos.
  • Kalzium und Vitamin D3 (Vitamin D3 sollten es 400IE sein; wenn nicht sogar 800 oder 1000 IE). Werden als Kautabletten, Pulver oder Brausetabletten eingenommen.
  • Calcitonin (ein Schilddrüsenhormon): wird als Nasenspray oder Ampullen eingenommen. Die letzten Jahr wurde Calcitonin wegen gewissen Nebenwirkungen immer seltener verschrieben. Bei der Verwendung sollte eine tiefe Dosierung gewählt werden und nur kurzfristig eingesetzt werden.
  • Fluorsalze (z.B. Natriumfluorid)
  • In schweren Fällen. Verwendung von Parathormon (PTH), ein Hormon das den Knochenaufbau begünstigt. Dies muss vom Arzt verschrieben werden.
  • Denosumab. Hierbei handelt es sich um ein biologisches Arzneimittel gegen Osteoporose, das auch bei Knochenmetastasen angezeigt ist. Denosumab wird in Form einer Lösung zur subkutanen Injektion angeboten.

Interessante Bemerkung: mit einer angepassten Behandlung der Osteoporose, kann das Risiko für eine Fraktur halbiert werden.

Natürliche Behandlungen

Das wichtigste Mittel zur Prävention und damit dem Herauszögern des Auftretens einer Osteoporose ist es, kalziumreiche Nahrungsmittel einzunehmen (Käse, Milch, gewisse Gemüse), sowie Mineralwasser mit viel Kalzium zu trinken (gewisse Marken wie Valser enthalten viel Kalzium). Es ist ebenfalls wichtig, genügend Vitamin D zu haben. Dieses Vitamin erlaubt eine gute Aufnahme von Kalzium im Darm. Normalerweise reicht die normale Sonnenexposition im Frühling, Sommer und Herbst aus (20 Minuten in voller Sonne, von Zeit zu Zeit), um genügend Vitamin D zu produzieren (Sonne aktiviert die Synthese von Vitamin D in der Haut). Im Winter oder anderen Zeiten mit wenig Sonnenexposition, sollte man auf eine Vitamin D reiche Ernährung achten und z.B. Fisch oder Eigelb essen.

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Gute Ratschläge

  • Essen Sie Kalzium reiche Nahrungsmittel wie Milchprodukte: Milch, Butter, Käse, Joghurt oder gewisse Gemüse (Brokkoli, Fenchel).
  • Trinken Sie genügend Mineralwasser; vor allem solche die viel Kalzium enthalten. Diese Getränke können eine Menge dieses Mineralstoffes enthalten.
  • Betreiben Sie regelmässig Sport (Joggen, Langlauf) oder bewegen Sie sich (Gehen), da die körperliche Betätigung eine positive Wirkung zeigt und das Auftreten der Osteoporose verzögert. Man weiss ebenfalls, dass vor allem Aquagym bei Osteoporose sehr wirksam ist.Eine spanische Studie, die von der Universität Camilo José Cela durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass Laufen (Jogging) zur Stärkung der Knochendichte beiträgt, vor allem im Fersenbein, wie dieses Forschungsprojekt nachgewiesen hat. Die spanischen Wissenschaftler haben ebenfalls herausgefunden, dass die Knochen umso gesünder sind, je mehr Kilometer man läuft.
    Laut dieser Studie, die in der Ausgabe Februar 2016 der Fachzeitschrift European Journal of Applied Physiology veröffentlicht wurde, verbessern bestimmte sportliche Aktivitäten, wie z. B. Gewichtheben, Laufen oder Springen die Knochenqualität und insbesondere ihre Mineralisierungsdichte.
  • Wenn Sie unter Osteoporose leiden, sollten Sie aufpassen, dass Sie nicht stürzen. Treffen Sie vorsorgliche Massnahmen (gute Schuhe, gute Haltung, keine rutschenden Sohlen, Vermeiden von Eis, eventuell eine Krücke nehmen).
  • Machen Sie korrekte Bewegungen und achten Sie auf eine korrekte Haltung; vor allem beim Rücken. Schlecht ausgeführte Bewegungen können die Symptome verschlimmern. Wenn möglich, sollten Sie sich von einer Fachperson beraten lassen.
  • Vermeiden Sie es zu Rauchen oder zu viel Alkohol zu trinken.

Quellen & Referenzen:
American College of Rheumatology (ACR), Mayo Clinic, Haute Autorité de Santé (HAS) (französische Behörde für Gesundheitsfragen)– Frankreich, University of Sheffield.

Bilder:
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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 21.09.2018 verändert.