Schizophrenie

Definition

Definition_schizophrenieSchizophrenie ist eine psychische Störung, von der häufig junge Menschen betroffen sind. Zum ersten Mal wurde der Begriff „Schizophrenie“ am 24. April 1908 von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler erwähnt.
Die Gründe dieser Psychose sind komplex und können mehrere biologische, soziologische und psychologische Ursachen haben.


In den Medien wird die Schizophrenie oftmals mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung verwechselt. Es handelt sich um eine eigenständige Krankheit, wo der Erkrankte zwei oder mehrere Persönlichkeiten innerhalb eines Menschen wieder gibt. Bei einer Schizophrenie ist dies nicht der Fall.

Epidemiologie

Es wird geschätzt, dass etwa 1% der Bevölkerung an Schizophrenie leidet. Hier finden Sie einige Daten:

– Deutschlandweit gibt es ungefähr 800.000 Schizophrenie Erkrankte

– In Frankreich ca. 630.000 Menschen

– Laut Schätzungen der WHO sind weltweit 24 Millionen Menschen von dieser schweren psychischen Störung betroffen (Stand 2011). Das entspricht ca. 0,3 % der Weltbevölkerung.

Ursachen

Wie bereits in der Definition „Schizophrenie“ beschrieben, sind die Ursachen dieser Krankheit sehr komplex und bisher noch hypothetisch. Man geht von einem multifaktoriellem Bedingungsgefüge aus biologischen, psychosozialen und toxischen Faktoren aus.

Biologische Faktoren: Untersuchungen belegen, dass die Schizophrenie durch eine genetische Grundlage hervorgerufen wird. Es besteht eine zehn prozentige Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, wenn einer der beiden Elternteile an dieser Krankheit leidet. Studien zu folge, spielt bei der Suche nach den Ursachen die Entstehung der Erbgene eine wichtige Rolle. Diese stellen jedoch nicht die einzigste Ursache einer Schizophrenie-Erkrankung dar.
Wir wissen, dass die Gene das Auftreten von Schizophrenie beeinflussen können. Wenn von eineiigen Zwillingen einer betroffen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der andere Zwilling ebenfalls an Schizophrenie erkrankt, zwischen 30 und 50 %.
Nach den Angaben der Schizophrenia Working Group of the Psychiatric Genomics Consortium sollen mindestens 108 Gene, die mit Schizophrenie in Verbindung stehen, existieren.

In einer umfassenden Zwillingsstudie haben Forscher der Universität Kopenhagen herausgefunden, dass Schizophrenie in ungefähr 79 % der Fälle mit genetischen Ursachen erklärt werden kann. Mithilfe der dänischen Datenbank Danish Twin Register wurden über 30’000 seit 1870 geborene Zwillingspaare analysiert. Diese Studie wurde am 30. August 2017 online im Wissenschaftsmagazin Biological Psychiatry veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.biopsych.2017.08.017).

Psychosoziale Faktoren: Hierbei spielen belastende Ereignisse eine große Rolle. Möglicherweise können Faktoren wie Probleme in der Kindheit, Stress im Privat- und Berufsleben oder gesundheitliche Probleme entscheidene Auslöser sein. Diese Vermutungen sind nicht wissenschaftlich belegt. Es wird vermutet, dass das Klima in der Familie von großer Bedeutung ist, da das Rückfallrisiko und die Prognose der Krankheit großen Einfluss darauf haben.

Toxische Faktoren: Einige Spezialisten sind der Meinung, dass der Cannabiswirkstoff THC bei Menschen mit genetischen Dispositionen die Erkrankung an einer Schizophrenie begünstigen kann. Sollte ein Fall von Schizophrenie in der Familie vorliegen, so kann dies ein starker Hinweis auf eine Erkrankung sein.

Ursachen_schizophrenie

– Die Entzündung, eine mögliche Ursache

Gewisse Forscher vermuten, dass die Schizophrenie bei gewissen Patienten eine entzündliche Ursache haben könnte. Wissenschaftler haben beobachtet, dass bei 40% der psychisch  Erkrankten erhöhte Entzündungsmoleküle (CRP, Zytokine) im Blut zu finden sind.

Deshalb zögern die Psychiater nicht, NSAR wie Aspirin oder Celecoxib zur Behandlung von gewissen psychischen Erkrankungen, insbesondere der Depression, zu verschreiben.

Risikogruppen

Die Krankheit tritt vor allem bei jungen Leuten im Alter zwischen 15 und 34 Jahren auf. Frauen und Männer sind von der Krankheit gleich häufig betroffen, wobei Männer bis zu 3 Jahre früher erkranken können. Die Schizophrenie entsteht im großen Teil anlagebedingt.

Symptome

Symptome_schizophrenieDie Krankheit wird charakterisiert durch Persönlichkeitsstörungen wie Halluzinationen und einem sozialen Rückzug (Autismus).

Die 3 charakteristischen Symptome dieser Krankheit sind Dissoziation, Delirium und dem Autismus.

Unter dem Begriff Dissoziation versteht man die Unterbrechung der normalerweise integrativen Funktion des Bewusstseins, des Gedächtnisses, sowie der Wahrnehmung der Umgebung.

Beim Delirium (positive Störungen), leidet der Patient unter häufigen Halluzinationen . Es entsteht der Eindruck, durch äußere Kräfte gesteuert oder von Außerirdischen beobachtet zu werden. Die Erkrankten erleben eine Atmosphäre der Angst.

Negativesymptome führen zu Kontaktstörungen oder zu sozialem Rückzug.

Diagnose

Der behandelne Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, um Krankheiten auszuschließen, die ebenfalls das Verhalten des Erkrankten erklären könnten. Dies ist wichtig, da die Symptome einer Schizophrenie z.B. durch Cannabiskonsum, Stoffwechselstörungen oder auch durch Epilepsie hervorgerufen werden können.

Die Diagnose kann erfolgen durch:

– Erfassung der Krankheitsgeschichte des Patienten

– Körperliche Untersuchungen sowie einer Betrachung des Blutbild.

– Untersuchung des Gehirns mit einer Computer- oder Kernspintomografie.

Komplikationen

Schizophrenie ist eine Psychose, die unterschiedliche Symptome hervorruft wie z.B. Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder affektiven Störungen. Diese Krankheit kann sehr schwer für das nähere Umfeld des Patienten sein, was oft zur Verschlechterung der sozialen Kontakte des Erkrankten führt. Lesen Sie auch den Abschnitt „Symptome Schizophrenie“.

Nur ein geringer Patiententeil wird wieder vollkommen gesund. Die meisten Erkrankten erleiden einen oder mehrere Rückfälle.

Die Krankheit kann chronisch oder in akuten auftretenden Schüben von Tagen bis Jahren auftreten. Oftmals heilen die Schübe nicht ganz ab, was zu einem Defekt führen kann, und in sehr schweren Fällen zum Verlust kognitiver Fähigkeiten.

Dank der Forschung, und damit der Entwicklung von Neuroleptika (Psychopharmaka) werden Halluzinationen und Wahnvorstellungen reduziert, und ermöglichen dem Patienten ein weitgehend „normales“ Leben.

Schizophrenie könnte eine direkte Ursache für ein erhöhtes Diabetes-Risikos darstellen. So lautet das Ergebnis einer Studie, die im Januar 2017 in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, soll bei Menschen, die von Schizophrenie betroffen sind, dreimal so hoch sein wie bei der Gesamtbevölkerung. Zu diesen Ergebnissen gelangte eine Studie, die von den Forschern des King’s College in London durchgeführt wurde. Die Lebenserwartung von Schizophrenie-Patienten ist bis zu 30 Jahre niedriger als die Lebenserwartung der übrigen Bevölkerung, insbesondere, weil diese psychiatrische Krankheit die Diabetes-Wahrscheinlichkeit erhöht, was wiederum einen erheblichen Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risikofaktor darstellt.

Behandlung

Durch den heutigen wissenschaftlichen Fortschritt und der Entwicklung von neuen Medikamenten, hat der Patient die Möglichkeit zur Rückkehr in ein weitgehend „normales“ Leben. Durch die medikamentöse Behandlung werden die Halluzinationen und Wahnvorstellungen gelindert.

Die Patienten unterziehen sich außerdem einer Psychologischen Behandlung (z.B. Psychotherapie).

Medikamente zur Behandlung einer Schizophrenie

Die nachfolgenden Medikamente werden für eine Behandlung der Schizophrenie eingesetzt. Hauptsächlich handelt es sich um Neuroleptika und Antidepressiva.

Neuroleptika: Durch diese Medikamente wird der Nervenbotenstoff Dopamin im Gehirn blockiert. Diese Mittel werden in verschiedene Klassen eingeteilt wie Phenothiazine (Chlorpromazin, Thioridazin, Flughenazin); die Butyrophenon (Haloperidol) und atypischen Medikamenten (Clozapin). Diese Medikamente vermindern das Auftreten von Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Verhaltensstörungen.
Mithilfe von Neuroleptika können bei den meisten Patienten gravierende Symptome der Schizophrenie, wie z. B. Halluzinationen, nach den ersten Behandlungsmonaten gestoppt werden, doch die langfristigen Ergebnisse sind mittelmäßig, da bei 80 % der Patienten ein Rückfall zu verzeichnen ist. Das berichtet die University of Manchester in einer Pressemitteilung über eine Studie zur Einnahme hoher Mengen an Nahrungsergänzungsmitteln auf Vitamin-B-Basis und ihre positive Auswirkung auf die Symptome der Schizophrenie (ausführlichere Informationen über die Studie siehe Gute Tipps unten).

Antidepressiva: Oftmals nehmen Patienten auch Antidepressiva ein, da auch depressive Verstimmungen zum Krankheitsbild dazugehören können.

Entzündungshemmer und Schizophrenie
– Weil die Schizophrenie bei gewissen Patienten eine entzündliche Ursache haben könnte, verschreiben gewisse Ärzte NSAR wie Aspirin oder Celecoxib. Lesen Sie ebenfalls unter Ursachen für weitere Informationen.
– Manche Ärzte verwenden manchmal Minocyclin, ein Antibiotikum mit einer entzündungshemmenden Wirkung. In diesem Fall ist nicht die antibiotische Wirksamkeit ausschlaggebend, sondern die entzündungshemmende Komponente des Minocyclin.


Ratschläge

– Es ist wichtig, dass die ärztlichen Anweisungen befolgt und die ausreichende und regelmäßige Einnahme der Medikamente gewährleistet ist, selbst wenn sich der Patient in einer beschwerdefreien Phase befindet.

– Eine Studie der University of Manchester (England), die im August 2016 in der Fachzeitschrift Schizophrenia Bulletin veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass regelmäßiges Ausüben aerober körperlicher Aktivitäten langfristig die geistige Gesundheit von Menschen mit Schizophrenie fördert. Die Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Gehirnfunktion der Patienten nach der Ausübung aerober körperlicher Aktivitäten, wie z. B. Laufen oder Radfahren, über 12 Wochen einen deutlichen Anstieg aufwies. Um zu diesen Schlussfolgerungen zu gelangen, haben die Forscher die Daten aus 10 klinischen Studien, die zu diesem Thema veröffentlicht wurden und insgesamt 385 Patienten umfassten, miteinander kombiniert. Patienten, die sich körperlich betätigten und parallel ihre Medikamente gegen Schizophrenie einnahmen, erzielten eine deutlichere Verbesserung ihrer Gehirnfunktion als Personen, die nur ihre Medikamente einnahmen. Wie wir wissen, kann Schizophrenie zu kognitiven Beeinträchtigungen führen und die Leistungen des Gehirns einschränken.

– Nehmen Sie Vitamin B in hoher Dosierung zu sich, wenn Sie oder ihre Verwandten von Schizophrenie betroffen sind. Nach den Ergebnissen einer Übersicht (Metaanalyse) über mehrere Studien, die weltweit von der University of Manchester durchgeführt wurden, ermöglicht eine Vitamin-B-Einnahme in hoher Dosierung in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, welche die Vitamine B6, B8 und B12 umfasst, eine Verringerung der Schizophrenie-Symptome, die deutlicher als bei alleiniger Anwendung der Standardpräparate ausfällt. Diese Forschungsarbeit wurde im Februar 2017 in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht.

Vorbeugung

– Der Konsum von Cannabis kann im Zusammenhang mit einer Schizophrenie stehen. Es ist davon abzuraten diese Drogen zu konsumieren, insbesondere wenn man psychisch labil oder Fälle von psychischen Krankheiten in der Familie bekannt sind.

Quellen & Referenzen:
– University of Melbourne (Australien), Schizophrenia Bulletin, University of Manchester, Biological Psychiatry veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.biopsych.2017.08.017).

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Wie übersetzt man ​Schizophrenie in andere Sprachen ?
  • Englisch : schizophrenia
  • Französisch : schizophrénie
  • Italienisch : schizofrenia
  • Portugiesisch : esquizofrenia
  • Spanisch : esquizofrenia
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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 09.10.2018 verändert.