Schmerzen

Dossier über Schmerzen


Schmerzen können als mühsames und unangenehmes Gefühl in verschiedenen Körperregionen auftreten.


Symptome_zecken Die IASP (internationale Gemeinschaft zum Studium von Schmerzen) hat es folgendermassen definiert: „Es ist ein sensorisch und emotional unangenehmes Empfinden, das mit einer vorliegenden oder potentiellen Gewebsschädigung einhergeht oder in Bezug auf einer solchen beschrieben wird“.
Diese Definition ist vollständiger und genauer, da sie die Schmerzen nicht auf ein Empfinden oder einen Gewebsschaden reduziert, sondern beide wichtigen Begriffe bezüglich Schmerzen beinhaltet.
Bei einer Gewebsschädigung ist der Schmerz also ein wichtiges Signal des Körpers. Wenn man die Hand auf eine heisse Platte legt, erlaubt der Schmerz die Hand zu entziehen, bevor der Schaden zu gross ist. Aber die Schmerzgrenze kann sich von einer Person zur anderen unterscheiden. Deshalb muss der Begriff des „empfinden“ erwähnt werden.
Es ist noch wichtig, die akuten von den chronischen Schmerzen zu unterscheiden. Akute Schmerzen treten unerwartet als Folge einer Erkrankung oder Knochenfraktur, Operation, usw. auf.
Schmerzen können von kurzer Dauer (während einer Weile oder Stunden) oder persistierend sein (Wochen oder Monate), aber sie dauern nie über die Krankheitsdauer oder Genesungsdauer hinaus. Akute Schmerzen sind oft einfach zu behandeln.
Chronische Schmerzen treten fortschreitend auf und sind persistierend. Man spricht von chronischen Schmerzen wenn sie länger als 6 Wochen andauern. Sie können einmalig oder sich wiederholend sein. Chronische Schmerzen können länger als die Krankheit oder Genesung andauern und sind schwierig zu behandeln

Die 3 Stufen der Schmerzbehandlung

Schmerzen

Um verschiedene Schmerzen zu behandeln, hat die WHO 3 Stufen anhand der Intensität definiert.
Je nach Stadium, sind die einzusetzenden Medikamente verschieden.

– Stufe 1: Schwache bis moderate Schmerzen. In diesem Stadium verschreibt der Arzt Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder NSAID wie Ibuprofen oder Diclofenac.

– Stufe 2: Moderate bis schwere Schmerzen oder wenn die Schmerzmittel aus Stufe 1 nicht mehr helfen. In diesem Stadium gibt der Arzt schwache Opioide. Diese Klasse enthält Codein und Tramadol.

– Stufe 3: intensive Schmerzen oder wenn die Behandlung aus Stufe 2 nicht ausreicht. In diesem Stadium verschreibt der Arzt Morphin und seine Derivate.
Im Stadium 2 und 3 kann man ebenfalls Adjuvantien verschreiben. Dies sind Medikamente, die nicht direkt auf die Schmerzen wirken, aber die Wirksamkeit von analgetischen Medikamenten erhöhen können.

In Stadium 1 wird, falls keine Entzündung vorliegt, vor allem Paracetamol verschrieben, da das Nutzen/Wirkungsprofil sehr gut ist. Es hat eine gute analgetische Wirkung und geringen Risiken (wenig Interaktionen, wenig Nebenwirkungen). Paracetamol wird vor allem bei Patienten, die unter Magenproblemen, Asthma und Herzinsuffizienz leiden oder bei Menschen im höheren Alter empfohlen. Die NSAID können Magenbrennen, Magenulzera, Asthma oder eine Herzinsuffizienz (Erhöhung der Salzretention und Wasserretention) auslösen. Von Paracetamol kennt man nur seine Hepatotoxizität: aus diesem Grund sollte eine Maximaldosis von 4 Gramm nicht überschritten werden. Bei Menschen, die unter einer hepatischen Insuffizienz leiden, muss man die Dosis vermindern oder Alternativen suchen.

Ibuprofen bleibt das Molekül erster Wahl, wenn Schmerzen mit einer Entzündung einhergehen, da das Nutzen/Risikoprofil besser ist als von anderen NSAID. Es hat eine gute schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung. Die Nebenwirkungen im Magen (Magenbrennen, Ulzera), sowie im kardiovaskulären System sind geringer als bei anderen Medikamenten der Schmerzbehandlung. Bei Magenproblemen kann das NSAID zusammen mit einem Magenschutz eingenommen werden.

Im Stadium 2 und 3 werden schwache und starke Opioide eingesetzt.
Die letzteren können zu einer Abhängigkeit führen. Die erste Wahl der schwachen Opioide ist Codein. Bei den starken Opioiden ist hingegen Morphin das Molekül erster Wahl, weil es am besten bekannt ist. Es wird auch als Referenzmolekül genommen. Zudem ist es sehr günstig. Gemäss der WHO sollte man orale Formen in der schwächsten noch wirksamen Dosierung bevorzugen. Medikamente mit einer retardierten Wirkung werden nur verschrieben, wenn es notwendig ist.

Diese Medikamente können Nebenwirkungen wie Erbrechen, eine respiratorische Depression oder eine Abhängigkeit zur Folge haben. Was das Tramadol in Form von Tropfen betrifft (Stadium 2), ist die Abhängigkeitsgefahr grösser, weil die Diffusion in das zentrale Nervensystem schneller geht und dies ist auch der Fall, wenn der Patient keine Vorgeschichten mit Suchtproblemen hat.
Fentanyl, das regelmässig verschrieben wird, kann ebenfalls zu Abhängigkeiten führen, da dieses Molekül leicht in das zentrale Nervensystem übergeht.

Zusammenfassend: Die Wahl des Schmerzmittels hängt vom Schweregrad der Schmerzen, der Wirksamkeit (Nutzen/Risikoprofil) wie auch der Wirtschaftlichkeit ab.

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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 16.01.2018 verändert.