Tinnitus

Definition

Der Begriff Tinnitus bezeichnet das dauerhafte Vorhandensein von Geräuschen oder Tönen im Ohr. Dieses Leiden wird durch Störungen in den Zilienzellen, die sich im Innenohr im Bereich der Hörschnecke (Cochlea) befinden, verursacht.
Bei Tinnitus geht man davon aus, dass diese Zellen Verletzungen aufweisen und deshalb ununterbrochen ein akustisches Signal an das Gehirn senden, etwa so, als wären sie fälschlicherweise auf die ständige Aussendung von Tönen programmiert, oder vielmehr auf die ständige Signalisierung einer Tonwahrnehmung.
Aus medizinischer Sicht ist der Tinnitus keine Krankheit, sondern ein Symptom, das für eine Erkrankung des Hörsystems charakteristisch ist.
Bei Tinnitus handelt es sich nicht um Geräusche, die von aussen kommen, sondern um Geräusche, die im Inneren des Hörsystems produziert werden.


Menschen, die von gelegentlich auftretenden Tinnitus-Attacken betroffen sind, können durch diese Symptome belästigt oder abgelenkt werden. Doch Menschen, die an chronischem Tinnitus leiden, befinden sich in einer noch schwierigeren Situation. Sie können insbesondere Schlaf- und Konzentrationsstörungen entwickeln, welche die Lebensqualität beeinträchtigen.

Epidemiologie

Der Tinnitus ist ein häufig vorkommendes Symptom. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit ungefähr 278 Millionen Menschen davon betroffen sind.

Einer Studie zufolge, die im Juli 2016 in der Fachzeitschrift JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery veröffentlicht und insbesondere von Prof. Harrison Lin des Irvine Medical Center der University of California durchgeführt wurde, leidet ungefähr jeder zehnte erwachsene Amerikaner an Tinnitus.

Ursachen

Aus medizinischer Sicht ist der Tinnitus selbst keine Krankheit, sondern das Anzeichen oder Symptom einer bereits vorhandenen Erkrankung.

Wie wir es in diesem Dossier bereits gesehen haben, ist Tinnitus ein Symptom und nicht eine Krankheit. Daher können verschiedene Erkrankungen eine Ursache von Tinnitus darstellen. Oft kann die zugrundeliegende Krankheit vom Arzt jedoch nicht klar bestimmt werden.

Mögliche Ursachen von Tinnitus :

– Altersabhängiger Hörverlust

– Exposition gegenüber sehr lauten Geräuschen, wie bei Kopfhörern (MP3, usw.) oder im Ausgang (Disco, Stadion, usw.). Tinnitus kann auch durch ein langes Aussetzen gegenüber Tönen entstehen, die nicht immer sehr laut sein müssen, aber andauernd sind. Man muss wissen, dass eine Exposition von kurzer Dauer gegenüber sehr lauten Tönen normalerweise behandelt werden kann. Wenn es über eine längere Zeit ist, kann es zu irreparablen Schäden kommen.

– Blockierung des Gehörganges: dies kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden wie Ohrenschmalz, sehr starke Verschmutzung, Vorliegen von Schadstoffen oder Insekten.

– Die Geräuschauswertung im Gehirn ist gestört.

– Läsionen im Kopf oder Hals

– Tumoren im Gehörsystem

– Stress und Depressionen. Diese Erkrankungen können Tinnitus verstärken

– Bluthochdruck. Ein erhöhter Blutdruck kann das Gehörsystem beeinträchtigen und zu Zellschäden führen, die einem Tinnitus verursachen können.

– Arteriosklerose. Der Blutfluss kann verändert sein, was ebenfalls zu Zellschäden im Gehörsystem führt.

– Beschwerden an Gehörknochen. Es handelt sich um eine bekannte Krankheit: Otosklerose.

Es gibt verschiedene andere Ursachen, wie z.B. die Missbildung von Kapillaren.

Risikogruppen

Obwohl Tinnitus einen grossen Teil der Bevölkerung trifft, kann man gewisse Gruppen bestimmen, die ein erhöhtes Risiko haben:

– Die Erwachsenen und vor allem Senioren wegen eines Hörverlustes im Alter.

– Menschen, die oft Kopfhörer tragen. Es gibt in unserer Gesellschaft eine natürliche Tendenz, zu laute Musik zu hören. Dies kann Schäden im Hörsystem verursachen. Insbesondere die Jugendlichen sind von dieser Problematik betroffen.

– Gewisse Berufsgruppen, die grossem Lärm ausgesetzt sind: z.B. Menschen, die auf Feldern arbeiten oder Personal einer Bar, Restaurant oder Diskothek wie Serviertöchter oder DJ’s.

– Männer haben ein höheres Risiko als Frauen, insbesondere wenn es aufgrund eines Hörverlustes im Alter ist.

– Menschen, die traumatischem Stress ausgesetzt sind.

Symptome

Das Hauptsymptom (ist ein Missbrauch der Sprache, da Tinnitus ein Symptom ist) oder Anzeichen eines Tinnitus ist die ständige Anwesenheit eines konstanten Tones, der für das Ohr irritierend ist. Das Gehirn erkennt einen andauernden Ton. Dieser Ton kann dem Geräusch, das eine fliegende Biene abgibt, ähneln. Der Ton kann so stark sein, dass er die Konzentrationsfähigkeit des Patienten beeinträchtigen kann.

Die Ärzte unterteilen den Tinnitus in 2 Arten, die abhängig von ihren charakteristischen Anzeichen sind:

– Subjektiver Tinnitus: ist die häufigere Form. In diesem Fall hört der Patient einen konstanten Ton; der Arzt hingegen kann den Ton oder das Geräusch nicht identifizieren. Es handelt sich um Phantomgeräusche (auf Englisch: phantom noises). Die Ursachen basieren vor allem auf Zellschäden und Nervenproblemen. Außerdem kann es vorkommen, dass der Patient bestimmte Geräusche als Summen, Brüllen oder Pfeifen empfindet.

– Objektiver Tinnitus: in diesem Fall registrieren sowohl der Patient als auch der Arzt einen Ton. Der Arzt kann ihn nach einer spezifischen Untersuchung bestimmen. Es ist eine seltene Situation, normalerweise wird er durch vaskuläre Probleme wie Bluthochdruck, Ohranomalien, usw. verursacht.

Diagnose

Normalerweise beginnt die Diagnose durch eine Anamnese. Der Arzt wird den Patienten fragen, wann die ersten Symptome begonnen haben, mit welcher Frequenz und mit welcher Intensität.

Um die Diagnose zu bestätigen, kann der Arzt auch gewisse Untersuchungen oder Tests durchführen:

– auditive Untersuchung: bei diesem Test ist der Patient in einem speziellen Raum und muss Kopfhörer tragen. Ein Spezialist lässt Töne abspielen und der Patient beschreibt, was er hört.

– Gleichgewichtsuntersuchung: Der Arzt macht Übungen für das einem Labyrinth ähnelnden Gleichgewichtsorgan: Der Patient muss die Augen, die Arme und Beine bewegen, stehen oder auf einer geraden Linie gehen. Es ist eine interessante Untersuchung bezüglich der Ohren.

– Medizinische Bildgebung: ein Mittel, um den Schweregrad der Läsionen der Flimmerzellen zu bestimmen.

Man muss wissen, dass die Art des Tones, die der Patient hört, sehr wichtig ist; insbesondere, um einen Tinnitus zu bestimmen. Pulsierende Töne haben z.B. eine vaskuläre Ursache. Hohe Töne kommen von Läsionen, die durch laute Töne verursacht wurden (z.B. aufgrund von Kopfhörern).

Komplikationen

Tinnitus kann im Alltag des Patienten zu Beschwerden führen. Ein konstanter Ton kann den Patienten sehr stark ermüden. Tinnitus kann auch zu Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Erregbarkeit, Depressionen oder Stress führen.

Die Tinnitus Patienten leiden oft unter Beschwerden der Konzentration, des Hörens oder des Gleichgewichtes.

Halten wir fest, dass Tinnitus zu keinem Hörverlust führt, da es ein Symptom ist und keine direkte Wirkung auf das Hörvermögen hat (mechanisch gesehen). Man kann daher bestätigen, dass Tinnitus keine schwere Erkrankung ist.

Behandlung

Da Tinnitus ein Symptom ist, ist die beste Therapie die Behandlung der Ursache.

Für jede Ursache gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten:

– Bei einem Ohrpropf (als Hauptursache) ist es wichtig, den Schmalz zu entfernen. Der Arzt kann mechanische Techniken anwenden, um den Schmalz zu entfernen oder mit gewissen chemischen Produkten wie Wasserstoffperoxid, Paraffin, mineralische Öle oder Glyzerin arbeiten. Achtung: es ist von Vorteil, diese Behandlung von einem Arzt durchführen zu lassen und keine Selbstmedikation zu betreiben.

– Bei Bluthochdruck muss man den Druck mit Blutdrucksenkern behandeln.

– Wenn der Tinnitus durch die Einnahme eines Medikamentes verursacht wird (sehen Sie unter Ursachen), muss der Arzt die Therapie möglicherweise beenden und andere Medikamente verschreiben.

In gewissen Fällen kann der Arzt Medikamente verschreiben, um den Tinnitus zu behandeln:

– Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Nortriptylin. Vor allem in schweren Fällen von Tinnitus werden diese Medikamente verwendet. Achtung bezüglich den Nebenwirkungen.

– Alprazolam: ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff. Es handelt sich um ein Anxiolytikum. Achtung bezüglich Abhängigkeit.

Lesen Sie ebenfalls. Ginkgo (unter natürliche Behandlungen)

In gewissen Fällen kann der Arzt akustische Therapien verordnen. Es gibt Computerprogramme, die therapeutisch Töne abgeben. Immer öfters zeigen wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit solcher Therapien. Es ist also eine interessante Alternative, vor allem wenn man die Ursache des Tinnitus nicht kennt.


Heilpflanzen

– Es gibt gegen Tinnitus wenige Behandlungsmöglichkeiten auf Basis von Heilpflanzen. Halten wir Ginkgo fest; eine interessante Pflanze, um vor allem die Wahrnehmung des Lärmes zu vermindern. Dieses Medikament gibt es in Form von Kapseln oder Tabletten.

– Der indische Wassernabel kann ebenfalls als Tee verwendet werden, um Tinnitus abzuschwächen.

Ratschläge

Wenn die Person unter Tinnitus leidet, können gewisse Massnahmen zur Linderung der Symptome getroffen werden:

– Vermeiden Sie die Aussetzung gegenüber zu grossem Lärm, dies kann Irritationen auslösen.

– Versuchen Sie bei Ihnen eine Klangwelt mit wenig lauten Tönen zu schaffen.

– Reduzieren Sie Stress. Dies ist ein Faktor, der Tinnitus verschlimmert. Massagen oder Musiktherapie können Stress vermindern.

– Vermindern Sie Ihren Alkoholkonsum (lesen Sie ebenfalls unter Ursachen).

Halten wir fest, dass gewisse alternative Methoden helfen können, wie z.B. Akupunktur, Massagen oder Hypnose.

Gewisse Nahrungsergänzungsmittel wie Zink oder Lipoflavonoide könnten ebenfalls helfen, das Leiden zu vermindern.

Prävention

Wenn der Tinnitus durch externe Faktoren verursacht wird, kann ihm einfach vorgebeugt werden:

– Verwenden Sie Ohrenschutz, wenn sie in einer sehr lärmigen Umgebung sind.

– Hören Sie Musik immer so leise wie nötig, um das Gehörsystem zu schützen.

– Kontrollieren Sie regelmässig Ihren Blutdruck. Bluthochdruck ist eine häufige Ursache von Tinnitus

– Kontrollieren Sie Ihr Gewicht und betreiben Sie regelmässig Sport. Dies erlaubt es, den Blutdruck zu kontrollieren und zu stabilisieren.

– Vermeiden Sie die Einnahme von gewissen Substanzen wie Alkohol, Zucker oder Koffein (alles Ursachen von Tinnitus)

– Vermeiden Sie die Anhäufung von Ohrenschmalz. Waschen Sie regelmässig Ihren Gehörgang. Eine gute Ohrhygiene ist in der Prävention grundlegend.

– Vermeiden Sie es, zu rauchen. Tabak erhöht den Blutdruck (wie bereits bekannt ein Risikofaktor für Tinnitus).

Wie übersetzt man Tinnitus in andere Sprachen?
  • Englisch: tinnitus
  • Französisch: acouphènes
  • Italienisch: acufene
  • Portugiesisch: zumbido
  • Spanisch: tinnitus
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Details der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 09.10.2018 verändert.